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Endlich! „Der vergessene Holocaust“ wird sichtbar in Berlin

Das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas ist eingeweiht. Viele, viele hundert waren in den Tiergarten gekommen. Aus der Mehrheitsgesellschaft – wie auch aus der europäischen Gemeinde der Minderheit.

Es war ein bewegendes Wiedersehen für so viele. Auch für mich.
Wiedersehen mit Romani Rose, den ich 1980 zum ersten Mal getroffen habe. In Dachau. Da war er zusammen mit einer kleinen Gruppe seiner Leute im Hungerstreik. Im Hungerstreik, um auf die Verfolgung der Roma und Sinti im Dritten Reich – und im Nachkriegsdeutschland aufmerksam zu machen. Das war der PANORAMA-Redaktion damals immerhin eine Reportage wert.

Wiedersehen mit Zoni Weisz, dem europäischen Sinto aus Holland, der als siebenjähriger Junge wie durch ein Wunder der Deportation ins KZ entkam – als einziger seiner großen Familie dadurch überlebend. Er hat die bemerkenswerte Hauptrede unter den vielen Vortragenden gehalten. Er mahnte an, dass endlich die „nationalen Strategien zur Integration der Roma“, denen sich alle europäischen Mitgliedsstaaten der EU verpflichtet haben, umgesetzt werden. „Das Denkmal ist ein Anfang“ sagte er. „Jetzt muss es mit unserem Zusammenleben besser werden.“

Ein Wiedersehen mit so vielen aus den Familien Reinhardt, Rosenberg, Weiß

Kein Wiedersehen leider mit Natascha Winter, der wagemutigen Chefin der Sinti-Allianz, die auch so tapfer und zäh um die Gestalt des Denkmals gekämpft hat. Sie gehört zu den anderen vielen, die den Augenblick der Eröffnung leider nicht mehr erleben konnten. Gerade für sie steht da nun ein Zeichen der Verantwortung mitten in der Stadt. Und für die nächste Generation der vielen Jungen, die heute auch um das schwarze Wasserrund standen und staunten. „Für uns? Für unsere Leute?“ Ja für sie!

mit unserem Parteichef Bernd Riexinger vor Beginn der Einweihung

 

Deshalb ist auch so wichtig, dass wir an diesem Moment nicht anhalten. Die Kanzlerin hat sehr menschliche Worte gefunden, von der Würde des Menschen gesprochen. Eine Stimme rief dazwischen: „Und die Abschiebungen? Und das Bleiberecht?“ Der Stimme wurde entgegengehalten: „Das ist heute nicht das Thema!“ Wie ignorant, wie missachtend. Es ist genau das Thema, gerade heute und von heute an.

Zum Schluss gab es noch ein Widersehen mit Prof. Solms, dem einzigen Forscher, der sich seit Jahren mit dem Antiziganismus auseinandersetzt. Er gab mir einen Text, eine Stellungnahme zum Bericht der Bundesrepublik über „Nationale Strategien zur Integration der Roma“ und seiner Vorgeschichte.
Ich darf ihn hier zur Lektüre veröffentlichen:

Den kompletten Text kann man HIER lesen.

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