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Vertriebenen-Funktionäre mit brauner Vergangenheit

Zwei-Drittel der ursprünglichen Präsidiumsmitglieder des Bundes der Vertriebenen (BdV) war erheblich in das NS-Regime verstrickt. Eine Mehrzahl seiner Spitzenfunktionäre sogar bis in die neunziger Jahre. Immer wieder haben wir auf die unselige Verquickung der Mitglieder des Vertriebenenbundes mit dem NS-Regime hingewiesen, doch der Verband erwies sich über lange Jahre als  aufarbeitungsresistent. Erst 2007 gab Erika Steinbach eine Studie beim Institut für Zeitgeschichte ( IfZ ) in Auftrag – sie sollte Aufklärung demonstrieren und Rehabilitierung bringen. Jetzt liegen die Ergebnisse der lange überfälligen Untersuchung vor und bestätigen die tiefen Verstrickungen vieler Verbands- und Präsidiumsmitglieder mit der NSDAP oder SS. Die Legende von Erika Steinbach der Verband hätte  „mehr Widerstandskämpfer als Nationalsozialisten“ unter seinen Mitgliedern, hat sich als Lüge erwiesen.

Was für Frau Steinbach bis heute kein Problem ist, müsste es aber für den Bund sein, der den Verband immerhin mit knapp einer Million Euro jährlich unterstützt. Die Ergebnisse der Studie sollten auch Konsequenzen bei der Besetzung der Gremien der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung haben. Diese ebenfalls vom Bund  hochsubventionierte Stiftung – im Haushalt 2013 aktuell mit 2.5 Millionen Euro und einer zusätzlichen Aufstockung von 1.25 Millionen ausgestattet – soll der  Aufarbeitung und Versöhnung dienen. Will die Stiftung glaubwürdig sein, müssen die Vertreter des BdV, Arnold Tölg (er äußerte 2010, bei der Zwangsarbeiterentschädigung hätten „gerade die Länder, die am massivsten Forderungen gegen uns richten, genügend Dreck am Stecken“, weil sie „Hunderttausende deutscher Zwangsarbeiter in zahllosen Lager hatten“)  und Hartmut Saenger (er schrieb 2009 in einem Artikel: vor dem Zweiten Weltkrieg hätten die Großmächte eine besonders große Bereitschaft zum Krieg gezeigt. „Besonders kriegerisch“ habe sich Polen aufgeführt), jetzt aus dem Stiftungsrat abberufen werden!

Dieser Text wurde auch in der aktuellen Ausgabe (3. November-Ausgabe 2012) der Thüringer UNZ veröffentlicht.