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Brandenburg/Havel: KULTURELLE BILDUNG

Auf den Anfang kommt es an – Was vermag kulturelle Bildung

Am 7. Juni war ich auf der ersten Elternkonferenz in Brandenburg an der Havel zu Gast, veranstaltet von der Kinder- und Jugend-Kunst-Galerie „Sonnensegel“ e.V. Ich diskutierte mit Dr. Margit Spielmann; Ralf Kletsch, Landeselternrat Brandenburg; Dr. Gobst, Jugendamt der Stadt Brandenburg und Matthias Frohl, Galerie Sonnensegel über die Kulturelle Bildung und damit auch über kulturelle Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft. Lesen Sie nachfolgend den Artikel darüber in der „Märkischen Allgemeine“ vom 9. Juni.
BILDUNG: Elternkonferenz ohne Eltern

Die Stadt schickt nur Grußworte

Während der ersten Elternkonferenz der Jugendkunstschule Sonnensegel präsentierten die Podiumsteilnehmer Argumente zur Wertschätzung kultureller Bildung. Zahlreiche Pädagogen verfolgten die Debatte – allein die Eltern waren nicht zu sehen. Der Tagungsort „Gertrud von Saldern“, im neuen interkulturellen Zentrum am Gotthardtkirchplatz, zeigt sich am Sonnabend zu zwei Drittel leer. Der Aufruf „Kulturelle Bildung für ALLE“ von Armin Schubert verpufft am heißen Sommertag. Da nutzt selbst die Anwesenheit des renommierten Reformpädagogen Otto Herz nichts.

„Die Aktivität der Eltern ist positiver Bestandteil in der Erziehung“, sagt Herz und stellt als oberstes Ziel für kulturelle Bildung die Kooperation zwischen Eltern und Schule. Denn wenn positive Aktivität von Erwachsenen auf Kinder Einfluss ausüben würde, dann werde auch Depression auf den Nachwuchs übertragen. Deswegen fordert Herz von Pädagogen und Bildungspolitik die Einbindung der Eltern.

Im Zentrum der kulturellen Bildung steht die „Mutmacherzeit“, Kinder bis sechs Jahre. „Die Wirkungsmacht von Fernseher, Internet und DVD ist enorm“, bestätigt die linke Bundestagsabgeordnete und frühere ARD-Korrespondentin Luc Jochimsen, „die Überreizung durch Medien und die Nicht-Kommunikation ist in die Privatsphäre der Menschen eingedrungen“. Hier soll Bildung helfen, Kultur- und Kunstverständnis globales Wissen vermitteln. Und mit dieser soziale Fähigkeiten und Toleranz schulen. „Durch Bildung kommt Wohlstand“, sagt Schubert.

In den nächsten Tagen wird der Gründer der Sonnensegelgalerie darüber nachdenken müssen, wie es zu einer Elternkonferenz ohne Eltern kommen konnte. Die Reaktion der Stadtverwaltung auf die Debatte lässt allerdings seine Halsschlagader erst richtig anwachsen. „Nicht nur dass kein Vertreter der Jugend- oder Kulturverwaltung an der Elternkonferenz teilnahm“, beobachtete er. Auch dass der Konferenz zwei „Wort für Wort identisch abgeschriebene Grußwörter aus der Stadtspitze“ verlesen werden mussten. Diese Geringschätzung könnte er aber nun als Vorlage für ein Kunstprojekt entwickeln.

Von Ilia Castellanos