Zum Menü zum Inhalt

Rückblick auf den Wahltag

Es ist schon sonderbar, wie eigene Erfahrung und veröffentlichte Meinung über ein und denselben Tag auseinanderklaffen.
Also, wir haben alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann. Die Sender und Zeitungen, die stets befürchten, dass das Abendland untergeht, sollte es irgendwo und irgendwie in Deutschland zu einer gemeinsamen Politik von Rot-Rot-Grün kommen, vergießen nun Krokodilstränen darüber, dass wir nicht „über unseren Schatten gesprungen“ sind und Joachim Gauck mit gewählt haben. „Über unseren Schatten springen“ heißt aber, unsere politischen Inhalte vergessen und verraten und eben eine Partei wie alle anderen werden: machtorientiert um jeden Preis, „flexibel“ hier und dort, reine Apparate zur Machtgewinnung ohne inneren Kern.
Ich bin „stolz“, dieses Wort spreche ich sehr selten aus, dass wir genauso nicht sind und es bei dieser Wahl auch gezeigt haben.
Ich lese jetzt, dass beim Gespräch mit SPD und Grünen darum gebeten wurde, dass die Linke „wenigstens“ meine Kandidatur zurückzieht. Mir ist wichtig an dieser Stelle festzustellen, dass ich nach intensiver Überlegung dies ganz aus eigener Überzeugung getan habe. Ich wollte in dieser Situation mich als Individuum, als Einzelperson aus dem Wahlgang herausnehmen.
Statt eines Votums für eine Person sollte es ein starkes, gemeinsames Signal geben. Das Signal, wir stimmen weder Gauck noch Wulff zu. Was ich für mich während der ganzen Zeit vor der Wahl gesagt habe.
Nach den parlamentarischen Regeln hatten wir für diese Haltung „weder/noch“ nur das Mittel der Enthaltung. Und das hat die Delegation so eindrucksvoll gemacht: 121 Enthaltungen! Wir haben uns eben nicht zur Nutte der Politik gemacht, die alles macht, Hauptsache es wird honoriert.
Das ist meine Erfahrung von diesem Tag, mein Erlebnis, meine Freude auch.

Übrigens: wir können doch alle im dreistelligen Bereich rechnen. 494 Stimmen gab es für Joachim Gauck im letzten Wahlgang. Wenn alle, alle, alle Linken auch für ihn gestimmt hätten, wären 618 Stimmen zusammengekommen. Christian Wulff erhielt 625 Stimmen.
Die Unterstützung für Joachim Gauck war nicht nur völlig unmöglich – sie wäre auch noch völlig sinnlos gewesen! Aber, das wollen wir mal festhalten, von uns verlangt man nicht nur politisch-ethisch Unmögliches, sondern auch noch Sinnloses. Wahrscheinlich, weil man meint, mit uns kann man das machen. Aber dabei spielen wir nicht mit.