Zum Menü zum Inhalt

„Man muss seine Träume verteidigen“

In der PHOENIX-Reihe „MdB ade“ wurde am Freitag, den 30. August 2013, um 15 Uhr dieses Gespräch mit Erhard Scherfer gesendet.

Hier einige Zitate:

Der Arbeitstitel ihrer Biografie lautet „Die Verteidigung der Träume“. Warum muss man Träume verteidigen?

Man muss Träume vor allen Dingen in dem Moment verteidigen, wenn man Träume in der Wirklichkeit  umsetzen will. Wer Gerechtigkeit will, muss immer wieder dafür kämpfen – was nicht allen passt. Insofern müssen Träume – wie eben der von Gerechtigkeit – verteidigt werden.

Meine Kindheit im Krieg führte zu dem Lebenstraum: keine Kriege, sondern Frieden unter den Völkern. Dieser Traum ist aus einem Albtraum entstanden.

Der zweite Traum betrifft die Rolle der Frau. Lange wurde die Frau als zweite Kategorie Mensch betrachtet. Das hat sich Gott sei Dank geändert.

Journalismus war mein Traumberuf. Ich hatte die etwas naive Vorstellung, dass, wenn die Menschen genug Informationen haben, es nie wieder eine Diktatur geben könnte.

Bei meinem Wechsel in die Politik war ich unsicher, ob ich in der Politik handeln kann. Da empfinde ich einen Nachteil gegenüber den Berufspolitikern. Ich gehe eher einen Schritt zurück, schaue, ob ich nicht auch die andere Seite verstehen kann.

In den vergangenen Jahren habe ich gelernt, dass Politik und Journalismus heute sehr verschmolzen sind. Ich denke da an einen Spiegelsaal: das eine reflektiert das andere.

War Ihre Kandidatur für das Bundespräsidentenamt eine Trotzreaktion?

Ich bekam dieses Angebot, das ich nicht ablehnen konnte. Ich empfand es als sehr ehrenhaft, dass die Partei und auch die Fraktion mir das zugetraut haben.

In dieser Zeit hat mir mein journalistisches Vorleben geholfen, denn ich kannte die Fragen.

Und bei der Kandidatur ging es auch nicht um eine Mehrheit, sondern darum, unsere Ideen in die Diskussion zu bringen. Ich wollte mich als Friedensstifterin, als Vereinigerin zwischen Ost und West und als Schirmherrin für die Schwachen einmischen.

Hätten Sie sich nicht in einer anderen Partei engagieren können?

Ich konnte in keine andere Partei. Die SPD meinte schon früher, ich wäre nicht zuverlässig, man könne mich nicht einordnen. Ich empfand das als Kompliment.

Haben Sie Mitstreiter in anderen Fraktionen gefunden?

Ja, in Claudia Roth und Ulla Schmidt habe ich tolle Mitstreiterinnen gefunden. Auch in Peter Gauweiler, dem Vorsitzenden des Unterausschusses Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik.

In der Kultur gibt es ein unabhängiges Zusammenarbeiten über Fraktionsgrenzen hinweg.

+++ Achtung: Auftritt eines Überraschungsgastes +++

Wir haben jemanden gefunden, den man eigentlich auch nicht ohne Weiteres Ihrem Lager zuordnen kann, der sich aber außerordentlich positiv über Sie geäußert hat. Das spielen wir Ihnen jetzt auch mal vor:

Hugo Müller-Vogg, Journalist und Autor

Liebe Luc Jochimsen, wir kennen uns ja aus Frankfurter Zeiten – Sie HR-Chefredakteurin, ich Herausgeber bei der FAZ. Ich fand die meisten ihrer Kommentare damals nicht so sonderlich toll, Sie haben sich über meine Texte geärgert. Trotzdem hat es mich sehr gefreut, dass Sie mich als Co-Moderator in Ihre politische Talk-Show „3, zwei, eins“ mit hineingenommen haben. Da haben wir uns immer heftig gestritten und manchmal war der Streit unter den Moderatoren heftiger als der unter den eingeladenen Politikern. Sie waren immer eine überzeugte Linke – aber mir hat immer imponiert, dass Sie sich nie vereinnahmen ließen, auch nicht von der damaligen SPD-Landesregierung in Hessen.

Wir haben uns dann ja in Berlin wieder häufiger getroffen, gesprochen, auch gefeiert. Ich denke noch daran zurück, wie wir einen Ihrer runden Geburtstage gefeiert haben und ich dann um 12 Uhr mitten im Lokal die Internationale angestimmt habe. Das halbe Lokal war entsetzt, Sie haben sich amüsiert.

Ich hätte Ihnen gegönnt, dass Sie 2009 Alterspräsidentin des Bundestages geworden wären. Aber dafür, liebe Luc Jochimsen, waren Sie leider drei Monate zu jung.

Haben Sie Träume für die nächste Lebensphase?

Dass wir unsere Gesellschaft verändern können. Ich hoffe, dass wir unsere Kinder nicht nur dem Konsum aussetzen – Kinder brauchen Kultur. Kultur für alle, Kultur als Lebensmittel – um ganzheitliche Menschen zu werden.

Das komplette Interview kann man sich HIER durchlesen.