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Meine eindrücklichsten kulturpolitischen Ereignisse in den 8 Jahren

Die Zeitung Politik & Kultur hat für ihre aktuelle Ausgabe bei ausgewählten Kulturpolitikern, die nicht mehr für den Bundestag kandidieren, nach ihren eindrücklichsten kulturpolitischen Ereignissen ihrer Laufbahn gefragt.
HIER
die beiden Zeitungsseiten und im Folgenden mein Beitrag:

Weg zur Integration

So einfach zu beantworten ist diese Frage nicht, denn das eindrücklichste kulturpolitische Ereignis kann doppelt erlebt werden: als „eindrücklichst“ negativ ebenso wie „eindrücklichst“ positiv. Insofern komme ich mit einem Beispiel nicht aus.

Der Abriss des Palastes der Republik war für mich eindeutig das „eindrücklichst“ niederschmetternste kulturpolitische Ereignis: 15,16,17 Jahre nach der Vereinigung des Landes. Ach, wie gerne hätte ich eine große, gläserne transparente Architektur in der Hauptstadt gesehen, die mit ihrem Mantel des 21. Jahrhunderts Teile des rekonstruierten Schlosses wie einen Teil des Palastes der Republik – den Volkskammer-Saal zum Beispiel, historischer Ort des neuen Landes – umhüllen würde. Und dazu neue Räume für Bücher, Bilder, Aufenthalt, Konferenzen, Verweilen… Gegenwart trifft auf Geschichte! Das wäre doch ein Motto für eine Erinnerungskultur und eine kulturpolitische Entscheidung für die Zukunft.
Aber ach, was entsteht da nun für ein provinzielles Disney-Land-Sammelsurium, das vor allem eins deutlich macht: dieses neue Land hat und will keine eigene, selbstbewusste Identität!

„Eindrücklichst“ positive Ereignisse gab es für mich zwei:

Erstens: Die Einweihung des Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas im Tiergarten, ganz nah am Reichstag. Endlich ist der „vergessene Holocaust“ an den Zigeunern sichtbar geworden.

Zweitens: das Gedenken an Georg Elser, den einzigen, ganz und gar einsamen und alleinigen Kämpfer gegen Hitler-Diktatur und Krieg, der früher als alle anderen Widerstandsleistenden den Tyrannenmord gewagt hat. Endlich ist auch er gegenwärtig in der Stadt, wo er verhört und gefoltert wurde. man sieht die Umrisse seines Gesichts im Profil als Schatten hoch über der vielbegangenen und befahrenen Wilhelmstrasse. Eine unübersehbare Aussage zur Würde des Menschen.