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Reise mit dem Ausschuss für Kultur und Medien in die Türkei

23. bis 27. Februar 2009 – Programm

Tagebuch vor Antritt der Reise:

Zusammen mit fünf anderen Mitgliedern des Ausschusses für Kultur und Medien fahre ich heute für fünf Tage in die Türkei. Zunächst nach Istanbul zu Gesprächen mit türkischen Künstlern und Kulturschaffenden, zur Besichtigung der geplanten „Künstlerakademie Tarabya“, die die Bundesrepublik als neues Kreativzentrum nach dem Vorbild der römischen „Villa Massimo“ in der historischen Sommerresidenz des Deutschen Botschafters einrichtet und zum Besuch des Deutschen Archäologischen Instituts u.a..
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Tagebuch aus Ankara, 26. Februar:

Jeden Tag wird hier ein Tabu gebrochen und aus mitteleuropäischer Sicht ist ziemlich die Hölle los. Vorgestern hat ein Parlamentarier das absolut Unerhörte, total Verbotene getan. Ahmet Türk, Chef der oppositionellen DTP hat im Parlament Kurdisch gesprochen – zwar nicht im Plenum sondern „nur“ im Saal seiner Fraktion, aber auch das genügte für einen Groß-Skandal. Das Parlamentsfernsehen schaltete sofort ab, die Zeitungen gestern brachten die Geschichte auf den Titelseiten, die Reaktion des Sprechers des Parlaments war eindeutig: „Abgeordneter Türk hat gegen die Verfassung, gegen das Parteiengesetz verstoßen – ich kann nur leider nichts dagegen unternehmen.“ Das wird sich vielleicht noch ändern. weiterlesen

Tagebuch zum Kloster Mor Gabriel, 27. Februar:

CodeHeute besuchten wir das im Jahr 397 nach Christus gegründete Kloster Mor Gabriel im Südosten der Türkei – das älteste Kloster der Christenheit. Hilfesuchend haben sich der Abt, Erzbischof Timotheos Samuel Aktas, die 20 Mönche und Nonnen und 40 Schüler des Klosters an die türkische und internationale Öffentlichkeit gewandt, um eine anstehende Enteignung und Auflösung des Klosterbetriebes zu verhindern. weiterlesen

Hier die Abgeordneten Monika Griefahn, Claudia Roth und ich mit dem Erzbischof des Klosters Mor Gabriel, Timotheos Samuel Aktas, und seinen Mitarbeitern.

Zusammenfassung der Türkei-Reise:

Neben den interessanten, üblichen Begegnungen mit Museumsleuten, tollen Lehrern und Schülern des deutschsprachigen Istanbul, Erkek-Lisesi, Goethe-Instituts- Mitarbeitern habe ich drei besondere Erlebnisse in der Türkei gehabt, die alle von Angst geprägt waren:

- Am Mittwoch in Istanbul beim Medien-Imperium der Dogan Gruppe. Da saßen uns Abgeordneten fast ein Dutzend Chefredakteure und die Verleger-Tochter in einem großen Konferenzsaal gegenüber, versierte, erfahrene Journalisten, Kommentatoren, Moderatoren und waren verunsichert, zögernd, immer wieder auf Unglaubliches, ihnen noch wie vorher Zugestoßenes hinweisend: eine Geldstrafe plus Sicherheitshinterlegung von astronomischer Höhe – über
1 Milliarde türkischer Lira für eine angebliche Steuerhinterziehung von 30 Millionen. Eine Strafe ohne jede Verhältnismäßigkeit, ganz klar auf wirtschaftliche Vernichtung angelegt. Die mächtigen Medienmenschen hatten Angst. Das war deutlich zu spüren. Angst vor der Macht des Ministerpräsidenten, mit dessen Politik sie sich auf vielfältige Weise angelegt haben – und der nun reagiert. Mit dem bedrohlichen Mittel der Wirtschaftssanktion. Niemand von uns betrachtet das mit Springer verbandelte Presse-Imperium des Verlegers Drogan als bewundernswerten Hort der Pressefreiheit – aber seine Vernichtung durch die Regierung erst recht nicht, die ihrerseits über eine ergebene zum Teil zusammengekaufte Presse samt sehr staatsnahen öffentlich-rechtlichen Rundfunks verfügt. Berlusconi-Herrschaft ganz anders aber ebenso wirksam auf türkisch. Ziemlich deprimierend. In Ankara habe ich eine Abgeordnete der Regierungspartei AKP auf diesen Medienfall angesprochen. Ihre Antwort war eiskalt. weiterlesen