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Afghanistan noch nicht zu Ende – Und schon droht ein neuer Krieg

Dienstagabend auf dem Weg zur ARD-Film-Voraufführung des Doku-Dramas „Eine mörderische Entscheidung“ , das von Kundus handelt, dem Kriegseinsatz der Bundeswehr, der bis zu 140 Menschenleben kostete, kommen die Nachrichten von einem möglichen Militärschlag in Syrien im Staccato-Tempo:

- Präsident Obama hält nach dem Chemiewaffen-Einsatz des Assad-Regimes gegen sein eigenes Volk „militärische Sanktionen“ für unausweichlich.
- Eine neue „Koalition der Willigen“ formiert sich.
- Großbritannien ist zu sofortigen Aktionen bereit, beruft seinen Sicherheitsrat ein und holt das Parlament aus dem Urlaub zurück.
- Präsident Hollande erklärt ebenfalls grundsätzliche Bereitschaft zu einer Militärhandlung…

Ich komme am Verteidigungsministerium vorbei. Dort ist an einer Seitenwand ein riesiges Plakat angebracht: „Schön Bund – Soldatin in der Bundeswehr“. Dazu ein lächelndes Frauengesicht mit Helm und Kriegsbemalung.

Wie das alles passt!! Wie sich alles wiederholt?

Der ARD-Film dann, der am 30. August auf ARTE zu sehen sein wird, um 20.15 Uhr – und am Jahrestag der mörderischen Aktion von 2009 – ja 4 Jahre ist das her! – am 4. September im Ersten Programm, ebenfalls um 20.15 Uhr – also statt Tatort, Fußball oder Volksmusikmärchenstunden – ist eine präzise Rekonstruktion der „kriegsverbrecherischen Tat“ – wie der Spiegel einmal geschrieben hat – und stellt die Frage in den Mittelpunkt: „Warum hat der deutsche Bundeswehr-Oberst Klein das Bombardement auf Zivilisten am Fluss bei Kundus befohlen?“ Ja, ja, ja – er wollte „vorsorglich“ seine Soldaten schützen. Und ja, ja, ja – er wusste nicht, dass er Unschuldige töten ließ – er ging von Terroristen, Taliban, Aufständischen, Schuldigen aus. Zitat: „Karzai hat mich angerufen und die Aktion gelobt. Wenn Zivilisten an Kampforte gehen, sind sie selbst Schuld.“

Der Schauspieler Matthias Brandt, der jüngste Sohn von Willy Brandt, spielt diesen Oberst Klein, der von der deutschen Justiz von aller Schuld freigesprochen und von der Bundeswehr, das heißt von der Politik in diesem Jahr zum Brigadegeneral befördert wurde. Man muss es sehen, man muss vor allem die Sprache hören, die da gesprochen wird. Wie sagt der „echte“ dokumentarische Generalinspekteur Schneiderhahn am Schluss des Films – jovial, freundlich, um Verständnis heischend? Zitat: „Es war auch eine Auslegungssache – der eine hat einen engeren, der andere einen weiteren Begriff der Auslegung, wie in solch einer Situation militärisch zu handeln ist. Hier wurde eben weiter ausgelegt.“

An die 140 Tote, Kinder, Frauen, Männer, Alte und Junge. 4. September 2009 Afghanistan – und trotz aller Abzugsreden geht der Krieg weiter. Und ein neuer kommt wahrscheinlich. Die Nachrichtensender am späten Abend gestern: „Die Bevölkerungsmehrheit in den USA ist absolut gegen diesen Militärschlag.“

Und wir? Was werden wir machen? Bundeswehr-Soldaten sind hinter der syrischen Grenze in der Türkei stationiert. Die Drohnen-Flüge?
In den Morgen-Nachrichten von heute sagen die Sprecher: „Eine Militär-Aktion wird immer wahrscheinlicher.“ Und dann kommt die Meldung: „5 Selbstmord-Bomben in Bagdad gleichzeitig explodiert. Über 60 Tote.“

Gibt es kein Einhalten?

BITTE LESEN UND WEITERSAGEN

Dieses Plakat gehört zu der Ausstellung „Afghanistan. Das wahre Gesicht des Krieges“, die meine BundestagskollegInnen Christine Bucholz und Jan van Aken initiiert haben. Die Fotos und Berichte stammen von ihrer Reise durch das Land Anfang 2010.