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Dienstag, 3. September 2013, kurz vor 9 Uhr im Reichstagsgebäude:

Wie hat Robert Rossmann von der Süddeutschen Zeitung es in seinem Artikel („Forellenbach oder Bundestag, 30.8.2013) so schön beschrieben: „Am Dienstag dürfen Franz Müntefering, Hermann Otto Solms, Heidemarie Wieczorek-Zeul und Luc Jochimsen zum letzten Mal in den Plenarsaal des Bundestags. Auf der Tagesordnung steht eine Debatte über die Lage in Deutschland. Auch die Kanzlerin wird reden. Um 12.30 Uhr soll alles vorbei sein, dann wird Norbert Lammert die letzte Sitzung vor der Wahl beenden – und das politische Leben der alten Haudegen Geschichte sein.“

Also, das letzte Mal durch die Glastür ins „Hohe Haus“. Ich nehme Abschied, nehme Platz in der vierten Reihe, betrachte das Redner-Pult, diesen ganz besonderen Ort der parlamentarischen Stellungnahme. 67 Mal habe ich dort gestanden und ein paar Minuten reden dürfen, meistens nur vier oder fünf. Meistens zu Kultur-Themen, das war fast immer „Kammerspiel“ am späten Nachmittag oder Abend – die Reihen nur von ganz wenigen besetzt. Aber es gab auch Reden in großen Debatten: zur Patientenverfügung, zur Stasi-Unterlagen-Behörde, zum Antisemitismus…
Sonderbare Stimmung: Otto Solms schaut von der FDP-Seite herüber. Wolfgang Thierse verabschiedet das Parlament – mit einer persönlichen Rede. Sein Vater, 1933 volljährig geworden, erinnert er sich und uns, habe in seinem ganzen Leben nie frei wählen können. Und heute setzen Viele dieses kostbare Gut der Demokratie freiwillig, gleichgültig aufs Spiel. Welch‘ eine Gefahr! Ein besonderer Appell in diesen Wahlkampf-Tagen. Dann ist Schluss.
Mein Fraktionsvorsitzender sagt mir beim Hinausgehen: „Vergiss nicht, dass du bis zur konstituierenden Sitzung des nächsten Bundestages Abgeordnete bist!“ Trotzdem fällt die Glastür hinter mir lakonisch in ihr Schloss.
Aber natürlich mach‘ ich in den kommenden Wochen noch weiter – auch hier auf diesen Seiten.

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