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Arbeit im Bundestag

Was lange währt, wird endlich gut!

Es ist soweit – am 13.10.2011wurde bei Istanbul die Künstlerakademie Tarabya eröffnet.

Das ist das glückliche Ende einer wechselvollen Geschichte. Denn auf anfängliche Begeisterung aller Beteiligten, eine Künstlerakademie mit Stipendiaten-Programm auf dem Gelände der historischen Sommerresidenz des deutschen Botschafters zu eröffnen, folgte schnell Unmut. Bereits bewilligtes Geld wurde wieder gesperrt, das Auswärtige Amt änderte eigenmächtig Konzepte und der diplomatische Status des Geländes wurde zum grundsätzlichen Problem.

Nur gut für den deutsch-türkischen Kulturaustausch, dass es Gremien im Bundestag gibt, in denen die Begeisterung für eine Sache Parteigrenzen überwindet – der fraktionsübergreifende Protest im Unterausschuss für Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik konnte das Projekt tatsächlich retten!

Wir freuen uns über die neue Künstlerakademie und hoffen, dass es die Villa Massimo des Bosporus wird. Viel Glück!


„Die Banken beißen die Hand, die sie füttert“

Oskar Lafontaine hat für das Handelsblatt einen Gasbeitrag geschrieben. Darin analysiert er nicht nur die Eurokrise und deren Ursache, sondern liefert auch  – was uns Linken immer abgesprochen wird – drei Lösungsvorschläge:

Erstens

Um die Staatsfinanzen zu sanieren, können wir die Oligarchie über eine EU-weite Krisenabgabe zur Verantwortung ziehen. Die Staatsschulden der Eurostaaten belaufen sich auf 10 Billionen Euro, das Vermögen der ermögensmillionäre der Eurozone beträgt 7,5 Billionen Euro. Die Staatsschulden in Deutschland belaufen sich auf 2 Billionen Euro. Das Vermögen der 10 Prozent, die den reichsten Teil der Bevölkerung ausmachen, beträgt drei Billionen Euro. Staatsverschuldung und privater Reichtum sind siamesische Zwillinge. Nur wer die hohen Vermögen abschöpft, kann Staaten wie Griechenland über ein Aufbauprogramm oder einen Marshall-Plan aus der Krise führen und die europäischen Staatshaushalte sanieren.

Zweitens

Die Staaten müssen von den Finanzmärkten befreit werden. Die Banken beißen die Hand, die sie füttert: Banken können sich zu 1,5 Prozent Geld bei der EZB leihen. Staaten müssen sich wiederum bei den Banken und Finanzhaien zu hohen Zinsen Geld leihen. Die EZB sollte Staaten über eine öffentlich rechtliche Bank direkt finanzieren. Dies würde auch einen geordneten Schuldenschnitt ohne Ansteckungsgefahren für weitere europäische Staaten durch steigende Zinsen  ermöglichen. Die Wiederherstellung der Demokratie erfordert die durchgreifende öffentlich-rechtliche Organisation des Bankensektors und – wie die Landesbanken gezeigt haben – eine strenge Regulierung. Wir brauchen Sparkassen statt Spielbanken.

Drittens

Deutschland muss die Ausbeutung der Bevölkerungsmehrheit beenden. Leistung muss sich wieder lohnen. Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns von 10 Euro, reale Lohnsteigerungen zumindest im Rahmen des Produktivitätsanstieges, die Wiederherstellung der Rentenformel sowie die Abwicklung von Agenda 2010 und Hartz IV würde Deutschlands Binnenwirtschaft vor einem neuen Crash schützen und das wirtschaftliche Gleichgewicht in Europa wieder herstellen. Eine solche Politik wäre aber vor allem eine Lebensversicherung für Europa und die Demokratie.

Den gesamten Artikel können Sie [HIER] lesen!


NEU, NEU, NEU: Die vierte Koalition

Neues Berliner Koalitionsmodell!

Wer nun dachte mit Rot-Grün, Rot-Schwarz oder Rot-Rot und Piraten sei die politische Landschaft Berlins ausgeschritten, der irrt. In der gestrigen Ausgabe der Allgemeinen Frankfurter Sonntagszeitung erteilt der Leitartikler dem CDU-Spitzenkandidaten Henkel folgenden Rat. Es solle selbstbewusst sein und bei Wowereit nicht um ein paar Dienstwagen „betteln“, sondern eine Koalition aus CDU, Grünen und Piraten schaffen! „(…) das könnte der CDU-Chef Frank Henkel nutzen, um nun Wowereit in die Wüste zu schicken.“

Und in der Tat 84 Sitze wären eine bequeme Mehrheit. Es gibt also noch viel zwischen dem Himmel über Berlin und der Erde, was sich politisch gestalten ließe.


Übrigens: Hier nochmal mein Vorschlag vom Wahlsonntag

Nachdem nun die Verhandlungen zwischen der SPD und Bündnis 90/Die Grünen geplatzt sind, sollte man vielleicht doch mal darüber nachdenken, ob den Berliner Wählern doch der Wunsch nach einer „Linken“-Mehrheit erfüllt werden kann. Lesen Sie [HIER] den Artikel…
Ich habe den Vorschlag schon am Wahlsonntag gemacht und wundere mich, dass ihn niemand aufgegriffen hat.
Es wäre für die SPD eine Möglichkeit, dem Wähler zu verstehen zu geben, dass sein Votum geachtet wird. Wer die SPD wählt und die CDU in der Regierung bekommt, der wird vielleicht seine Entscheidung bereuen…

Lesen Sie [HIER] meinen Beitrag vom 26. September!


Gedanken zum 3. Oktober 2011 – Der 21. Tag der Einheit und die Geschichte des Fahrers von Herrn Gauck.

Gleichzeitigkeit kann sehr aufklärerisch sein. Was am 3. Oktober los ist, wissen wir alle. Dass aber drei Tage vorher, am 30. September der Bundestag das neueste Stasi-Unterlagen-Gesetz verabschiedet, die 8. Novellierung, wissen nur Wenige!

Und nur Wenige wissen auch, dass in diesem Fall „der Bundestag verabschiedet“ ein irreführender Satz ist. Denn es sind die Koalitionsfraktionen, die hier ein neues Gesetz machen. Allein. Gegen die Stimmen der SPD und Linken –  ja, so etwas gibt es! – und bei Enthaltung von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Gleichzeitigkeit.

1991 schuf der Bundestag – ausgehend von einem Volkskammerbeschluss – das erste Gesetz über den Umgang mit den Stasi-Unterlagen, setzte eine große Behörde und den Behördenchef Joachim Gauck ein und regelte Überprüfungen für 15 Jahre. In einer emotionalen Bundestagsdebatte gab es damals schon Stimmen, denen diese lange Frist unverhältnismäßig, ja „unbarmherzig“ erschien, so Burkhard Hirsch, der große Rechtspolitiker der FDP. Aber das Gesetz wurde mit großer Mehrheit – auch die PDS stimmte zu – verabschiedet.

Und von diesem Moment an gab es eine doppelmoralische Vorgehensweise.

Es gab die „schlechten IMs“ und die „guten IMs“. Die „schlechten IMs“ wurden durch die Behörde entlarvt, die Überprüfung der von der Stasi über sie angelegten Akten machte das möglich. Für diese Arbeit aber benutzte man die „guten IMs“, angestellt in der Behörde selbst. Wenn es damals im Stasi-Unterlagen-Gesetz eine Klausel gegeben hätte, dass in der neuen Behörde keinerlei belastete Beamte oder Angestellte arbeiten dürften – wer hätte das nicht als selbstverständlich angesehen? Aber nein: diese Klausel gab es nicht, denn die Behörde „brauchte“ ehemalige IMs wegen ihres vielfältigen „Fachwissens“. weiterlesen …


Religion und Demokratie?! Der Papst im Deutschen Bundestag!

Ich wäre auf jeden Fall ins Plenum gegangen um zuzuhören. Neugierig auf das, was der Papst zum Thema Religion und Demokratie uns Parlamentariern zu sagen hat. Und um sich dann damit anschließend auseinander zu setzen. Als Mitglied der protestantischen Kirche wäre das für mich doppelt interessant. Nach wie vor gelten für mich drei bedeutende Aussagen:

Das erste Zitat stammt von Gandhi: „Politik ohne
Religion ist eine Todesfalle, denn sie tötet die Seele.“
Wenn man Gandhi verehrt, und das tun ja auch viele
Linke, dann darf man so einen Gedanken, gerade bei
Gandhi, nicht außer Acht lassen.

Das zweite Zitat stammt von Dostojewski aus den
„Brüdern Karamasow“: „Wenn Menschen sich von
Gott lossagen, dann wird von selbst die gesamte
frühere Weltanschauung, und vor allem die gesamte
frühere Moral zusammenbrechen und etwas Neues
entstehen. Wo ein Gott ist, ist der Ort seiner Herrschaft.
Wo ich bin, ist der Ort meiner Herrschaft.
Wenn es keinen Gott gibt, ist alles erlaubt.“

Das dritte Zitat stammt aus dem Jahr 1990 und ist
von Hans Küng: „Die Vielschichtigkeit des interreligiösen
Dialogs bringt es mit sich, dass zum gegenseitigen
Verstehen auf allen Ebenen nicht nur guter Wille
und offene Haltung erforderlich sind, sondern, je nach
Ebene, solide Kenntnisse.“

Bereits im Jahr 2008 haben wir Linke zu dem Thema „Religion, Macht und Freiheit“ im Rahmen unserer Reihe KULTUR NEU DENKEN mit vielen Teilnehmern (darunter Michel Friedman, Bodo Ramelow, Paul Schulz, Imam Mehdi Razvi, Rabbiner Walter Homolka, Eberhard Tiefensee, Katrin Göring-Eckard, Christine Lieberknecht, u.v.a.) in Erfurt diskutiert.
Denn auch – und insbesondere – DIE LINKE muss über Religion sprechen, um der allgemeinen Gleichgültigkeit, einer Beliebigkeit und einer weitverbreiteten Ahnungslosigkeit in der Gesellschaft etwas entgegenstellen zu können. Man mag an Gott glauben oder nicht, die Entscheidung setzt allerdings Wissen und Auseinandersetzung mit dem Thema Religion voraus! Insofern sind Neugier, Befragung, Reflexion durch Widersprüche und Auseinandersetzung dringend an der Tagesordnung.
Die DOKUMENTATION dieser Veranstaltung finden Sie hier!


Die Linke hat Recht! Aber was nutzt das?

Es gibt Texte, die markieren eine Veränderung im Denken. Vor ein paar Wochen schrieb der Konservative Charles Moore im britischen Daily Telegraph: „Ich beginne zu denken, dass die Linke recht hat.“ Inzwischen hat Frank Schirrmacher, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, ihm zugestimmt. Ich frage heute in einer Kolumne für die Internetseite meiner Bundestagsfraktion, was dieser „historische Punkt“ bedeutet und wie er genutzt werden muss.

Zunächst traut man seinen Augen nicht: Auf der ersten Seite des Feuilletons der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ist ein riesiges Geldhandelsbild abgedruckt und darunter steht in großen Lettern „Ich beginne zu glauben, dass die Linke recht hat“. Autor: Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der FAZ, und wenn man so will ihr geistiger Wortführer in allen politischen Fragen. Wie gesagt, man traut seinen Augen nicht an diesem zweiten Wochenende des August 2011 und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Wie der erste Satz sich schon liest: „Ein Jahrzehnt enthemmter Finanzmarktökonomie entpuppt sich als das erfolgreichste Resozialisierungsprogramm linker Gesellschaftskritik. So abgewirtschaftet sie schien, sie ist nicht nur wieder da, sie wird auch gebraucht.“

Dass man das noch erleben darf als linke Paria-Politikerin! Wer hätte das gedacht? Frank Schirrmacher zitiert dabei den konservativen englischen Journalisten Charles Moore, der im „Daily Telegraph“, bevor die Unruhen ausbrachen, folgenden Kommentar veröffentlicht hat: “Die Stärke der Analyse der Linken liegt darin, dass sie verstand, wie die Mächtigen sich liberal-konservativer Sprache als Tarnumhang bedient haben, um sich Vorteile zu sichern. „Globalisierung“ zum Beispiel sollte ursprünglich nichts anderes bedeuten als weltweiter freier Handel. Jetzt heißt es, dass Banken die Gewinne internationalen Erfolgs an sich reißen und die Verluste an den Steuerzahler in jeder Nation verteilen. Die Banken kommen nur noch ‚nach Hause‘, wenn sie kein Geld mehr haben. Dann geben unsere Regierungen ihnen neues.“

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Wo bleiben die Rettungsschirme für die Menschen?

Offener Brief der Initiative „Unruhe stiften – Künstlerinnen und Künstler gegen Rechts“:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
die Welt hängt schief: Während allein in den ostafrikanischen Ländern in diesen Wochen eine halbe Million Kinder vor dem Verhungern steht, ist es die Hauptsorge der Regierungen der europäischen Staatenge-meinschaft, die täglichen Rating-Einstufungen zu verfolgen und die Zinszahlungen an die Banken sicher-zustellen.
Die Hungerkatastrophe in Afrika ist die am meisten zugespitzte Auswirkung der Krisenumverteilung von unten nach oben. „Ein Kind, das am Hunger stirbt wird ermordet.“ Diesen Gedanken durfte der UNO-Menschenrechtsbeirat Jean Ziegler zur Eröffnung der diesjährigen Salzburger Festspiele nicht äußern. Dabei macht gerade die Hungerkatastrophe in Afrika deutlich, wie mörderisch die Abwälzung der Krisen-folgen auf die Menschen und Völker ist.

Eine karitative Krisenlösung wird es weder für Afrika noch für den Rest der Welt geben. Stattdessen muss endlich der Tanz ums goldene Kalb beendet werden!

Rettungsschirme werden seit Beginn der Finanzkrise ausschließlich für Banken und Unternehmen großzü-gig aufgespannt. Rettungsschirme für Kinder oder alte Menschen, für Hartz IV-Empfänger und Geringverdiener gibt es nicht. Die Spaltung unserer Gesellschaft in Arm und Reich hat sich weiter zugespitzt. Unser Handeln ist notwendiger denn je:

Wir wenden uns deshalb an euch mit der Bitte und Aufforderung, gemeinsam mit uns Unruhe zu stiften!
Wir, fast 1500 Künstlerinnen, Künstler und Kulturschaffende haben den bundesweiten Aufruf www.unruhestiften.de unterzeichnet. Es ist ein Aufruf gegen rechts, gegen die Abwälzung der Krisenfolgen und für die Umverteilung von oben nach unten, gegen die Kriegspolitik der Bundesregierung – und für die Förderung der kulturellen Vielfalt.
Er knüpft an eine bei vielen Menschen im Land vorhandene Grundstimmung an, daß für notwendige gesellschaftliche Veränderungen Unruhe erforderlich ist. Unruhe stiften ist für uns kein Selbstzweck.

An bundesweit namhaften KünstlerInnen, Kulturschaffenden und anderen Persönlichkeiten haben den Aufruf bislang Reinhold Andert, Lydie Auvray, Habib Bektas, Bernd Haake Band, Elfriede Brüning, Elga Sorbas, Dietmar Dath, Franz Josef Degenhardt, Kai Degenhardt, Dieter Dehm, Die Bösen Mädchen, die Ernst-Busch-Chöre Berlin und Kiel, Dr. Motte, EWO2, Wolfgang Gehrcke, Doris Gercke, Lutz Görner, Noutd Janssen (Bots), Ulla Jelpke, Luc Jochimsen, Wolfram P. Kastner, Sabine Kebir, Sonja Kehler, Dietrich Kittner, Klaus der Geiger, Angela Klein, Einhart Klucke, Bernd Köhler, Microphone Mafia, Dr. Annette Mühlberg, Quijote, Carl-Ludwig Reichert, Rotdorn, Erich Schaffner, Erasmus Schöfer, Schorsch & die Bagasch, Peter Sodann, Eckart Spoo, Konstantin Wecker, Guido Zingerl und viele andere unterstützt. weiterlesen …


Kultur ist unser Fundament!

Ferienzeiten mitten im Jahr geben die Möglichkeit auf bestimmte Ereignisse und Situationen, die wichtige Punkte meiner Arbeit darstellen, zurückzublicken und sie besonders hervorzuheben. Deshalb erscheint auf meiner Homepage eine Zusammenstellung der wichtigsten Reden, Anträge, Anfragen, Veranstaltungen, Tagebucheinträge usw. aus diesem Jahr.

Als erstes möchte ich hier den Textvorschlag für unseren Parteitag im Oktober vorstellen:

„Denn wovon lebt der Mensch?“ – fragt Bertolt Brecht. „Wir wollen BROT UND ROSEN!“ – sagten die Arbeiterinnen von Massachusetts vor 90 Jahren.

Ohne Kultur in Freiheit, in all ihren Facetten und für alle von Anfang an, gibt es keine lebendige Demokratie. Das ist unsere Überzeugung. Deshalb setzen wir uns für kulturelle Vielfalt, Kreativität, Kreative, Kunst und Künstler ein.

Heiner Müller schrieb: „Wir stecken bis zum Hals im Kapitalismus.“ Dem wollen wir die Schaffenskraft entgegensetzen, denn in ihr liegt die Kraft zur Erneuerung der Gesellschaft. Arbeit allein sichert kein gutes Leben – genauso existentiell ist das Bedürfnis der Menschen nach Schönheit, Liebe und Kunst. Diese Existenzgrundlage zu garantieren, ist die Aufgabe des Staates. Deshalb fordern wir das Staatsziel Kultur. Im Grundgesetz soll festgelegt sein: Der Staat schützt und fördert die Kultur.

Kunst braucht Brot. Wer ein reiches Kunst- und Kulturschaffen will, muss gute, existenzsichernde Arbeit im Kulturbereich ermöglichen. Kunstschaffende und Kreative müssen von ihrer Arbeit leben können – deshalb engagieren wir uns für eine Reform der sozialen Sicherungssysteme und für Honoraruntergrenzen.

Kultur ist Vielfalt, das heißt: Unterschiedliche Sichtweisen, Gedanken, Visionen, Positionen kommen zusammen. Ihre Widersprüche stoßen Prozesse an, deren Wirkung weit über den Kulturbereich hinausgeht. Kulturpolitik ist Gesellschaftpolitik. Deshalb ist es unser Ziel, dass jeder Mensch auf seine Weise an Kultur und Bildung teilhaben kann.

Kultur hat Kraft. Weltweit hat die Kunst große emanzipatorische Wirkung. Deswegen werden Künstler und Künstlerinnen verfolgt, unterdrückt, zum Schweigen gebracht. Wir erklären uns mit all jenen solidarisch, die mit ihrem Leben und Denken für eine freie und gerechte Gesellschaft eintreten.

Kultur ist Erinnerung. Menschen haben unterschiedliche kulturelle Traditionen und Geschichten. Erst die Rückbesinnung auf das kulturelle Erbe lässt ein gemeinsames Kulturverständnis entstehen. Denn in jeder Kultur mischt sich Vertrautes mit Neuem, Eigenes mit Fremdem. Kultur verbindet Tradition und Moderne. Deshalb liegt in der Kultur die Basis für Verständigung und Toleranz.

Das heute herrschende Motto heißt: Brot und Spiele. Wir aber wollen Brot und Rosen!


Kunst im Fraktionssaal

Seit dem 5. Juli 2011 sind Kunstwerke im Fraktionssaal der Linken zu sehen. Neben den drei großen roten Transparenten, die als Leitfiguren und Leitsätze unserer Arbeit gelten:

Heiner Müller„Wir stecken bis zum Hals im Kapitalismus“,
Jean-Jaques Rosseau„Zwischen dem Starken und dem Schwachen ist es das Gesetz, das befreit, und die Freiheit, die unterdrückt“, und
Clara Zetkin – „Lassen wir uns nicht schrecken durch die Ungunst äußerer Umstände, haben wir für alle Schwierigkeiten nur eine Antwort: Erst recht!“

gibt es nun das Künstlerbuch von Klaus Zylla – „Ajax zum Beispiel“, die Collage von Bettina Zimmermann – „Trümmerfrauen I“ und Siegfried Schützes „Sisyphos macht Pause“. Die neuen Kunstwerke kommentieren die Leitsätze unserer politischen Leitfiguren auf besondere Weise.

Nahaufnahme: Klaus Zylla "Ajax zum Beispiel"
Klaus Zylla "Ajax zum Beispiel"


Bettina Schilling - „Trümmerfrauen I“, Collage
Siegfried Schütze, „Sisyphos macht Pause“

Diese Kunstwerke sollen die guten Geister der Kunst beschwören und die Arbeit im Fraktionssaal beflügeln. Ein besonderer Dank gilt dabei dem Kurator der Kunstsammlung des Bundestages: Dr. Andreas Kaernbach, der eines der drei Kunstwerke vorgeschlagen hat. Die Hängung des Künstlerbuchs – Ajax zum Beispiel – von Klaus Zylla mit dem Text von Heiner Müller hat er in monatelangem Ringen durchgesetzt.

Klaus Zylla – Ajax zum Beispiel – Edition Galerie auf Zeit, 2006

Künstlerbuch mit dem „Ajax“-Text von Heiner Müller in der Handschrift von Klaus Zylla und Siebdruckgrafiken des Künstlers, die zum Teil übermalt sind (daher ist jedes Blatt in der 60er Auflage ein Unikat).

Klaus Zylla wurde 1953 in Cottbus geboren, als Baufacharbeiter ausgebildet, brach mehrere Studiengänge ab, ehe er sich mit Beginn der 80er Jahre in Berlin zum Siebdrucker ausbilden ließ, kurzzeitig an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee studierte, Leiter der Siebdruckwerkstatt an der Universität für Bildende Kunst in Dresden war und schließlich in den Verband Bildender Künstler aufgenommen wurde.

1986 zeigt der bekannte Galerist Gerd Harry Lybke eine erste Einzelausstellung mit Arbeiten des Künstlers. Nach dem Fall der Mauer lernt Zylla in Amsterdam die Kunst der CoBrA-Gruppe (Anfangsbuchstaben der Städte Copenhagen, Brussels und Amsterdam, aus denen die Künstler der Gruppe stammen) kennen, die ihn tief beeindruckt. Der Künstler lebt in Berlin und Requengo Pequeno, Portugal.

„Heiner Müllers groß angelegtes, gleichnishaftes Gedicht „Ajax zum Beispiel“ ist einer der wichtigsten Texte seiner späten Schaffensphase. Anhand der Figur des Ajax beschreibt der Dichter den Niedergang der alten Epoche und die Konfrontation mit der neuen Zeit. Ajax ist dabei tragisch angelegt. Er verkörpert das Nicht-Korrumpierbare; insofern ist er auch eine Hoffnungsgestalt. Aus diesem Widerspruch heraus hat sich Klaus Zylla zu einem konzeptionellen Künstlerbuch inspirieren lassen mit Serigrafien und freier Malerei. Jedes Buch ist ein Unikat. Der Film-Regisseur Egon Günther hat ein die Wirren dieser, unserer Zeit aufnehmendes Begleitwort geschrieben. Das Künstler-Buch wurde im Jahre 2006 im Brecht-Haus in Berlin vorgestellt (Egon Günther).“

Bettina Schilling – „Trümmerfauen I“, Collage, Öl auf Kork und Papier, 2006
Bettina Schilling wurde 1951 in Mannheim geboren und lebt und arbeitet in Berlin und Potsdam.
Von 1984 – 1991 studierte sie Malerei an der HdK Berlin und war Meisterschülerin bei Prof. H. J. Diehl. Nach mehreren Stipendien, gründete sie 1994 gemeinsam mit anderen KünstlerInnen das Atelierhaus „Panzerhalle“ im ehemaligen Kasernengebiet der Waldsiedlung in Groß Glienicke. 2006 war sie in der Ausstellung „Six Women Artist from Europe“, im Museum of Art, Sonoma Valley, USA, mit vertreten, 2008 beteiligte sie sich an der Schau „Miroir et signes – Spiegel und Zeichen“ im Goetheinstitut, Dakar, Senegal. 2010 zeigte die Galerie Petra Lange, Berlin, Arbeiten von Bettina Schilling unter dem Titel: Gärten und Natur und Körper.

„Trümmerfrauen I“ entstand im Rahmen der Ausstellung „Sektor Panzerhalle“ – 10 Jahre Atelierhaus, 2005. Die Ausstellung in der ehemaligen Panzerhalle bezog sich auf den Jahrestag des Potsdamer Abkommens sowie die Entmilitarisierung und territoriale Aufteilung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg. Die militärische Atmosphäre der Umgebung und der Architektur aus den 30er Jahren regten zur Auseinandersetzung mit der Geschichte an. Für Bettina Schilling ist im Arbeitsprozess die Identifizierung mit der Figur wichtig. Die Trümmerfrauen sind für sie ein Symbol. Nach der totalen Zerstörung ein Neubeginn, ein Wille zum Weiterleben, Anpacken. Aus Altem etwas Neues zusammensetzen. Weitere Bilder und einzelne Figuren sind in diesem Kontext entstanden.

Siegfried Schütze, „Sisyphos macht Pause“, 2009, Acryl auf Hartfaser (im Besitz der Fraktion)
Für Siegfried Schütze ist heute seine Tochter, Dr. Gabriela Leonhardt, anwesend. Sie ist Designerin und promovierte Kultur- wissenschaftlerin/Philosophin und arbeitet zur Zeit als Mentorin für Persönlichkeitsentwicklung in Kultur und Wirtschaft. Als Designerin baut sie ein Büro für ökologisches Design auf. Siegfried Schütze wurde 1940 in Berlin geboren und studierte von 1965 bis 1967 Malerei in einem Abendstudium an der Kunsthochschule Weißensee (KHB) bei dem Maler Johannes Richter. 1972 beendete er das Studium mit einem Diplom als Maler und Grafiker. In den folgenden Jahren beschäftigte sich Schütze mit Architektur, Kunst am Bau und dem zeichnerischen und farbigen Naturstudium. Er wirkte u.a. an der Farbgestaltung des großen Saales des Palastes der Republik mit, arbeitete am Wiederaufbau des Berliner Schauspielhauses und an diversen Gestaltungsprojekten (Wand- und Bodenmosaike) in und an Berliner Gebäuden mit. Nach der Wende unternahm Schütze ausgedehnte Studienreisen quer durch Europa.
Sein Werk „SISYPHOS MACHT PAUSE“ ist im Rahmen seiner langjährigen Beschäftigung mit dem Thema „Stein – Fels – Erde“ entstanden. Schütze bedient sich hierbei mythologischer Bezüge. Das Sisyphos – Bild gibt einen Hinweis auf die gegenwärtig latent bedrückende gesellschaftliche Situation. Es empfiehlt eine Atem- und Denkpause für die scheinbar nimmermüden Akteure. Schütze: „Die anstehenden irdischen Probleme sind mit blindem Aktionismus nicht zu lösen. Durchdachtes Handeln erfordert Denkpausen!“
Menschliche Intelligenz ist durchaus in der Lage durch oft einfache Gegenmaßnahmen den Naturgewalten Einhalt zu gebieten. Sisyphos vereitelt die Wucht der Schwerkraft durch eine physikalische Finte; er verschafft sich nach tausendjähriger Schufterei und Ratlosigkeit Luft für körperliche und geistige Erfrischung. Nach Äonen der Schufterei kommt ihm der glänzende Einfall: „Nimm den ROTEN KEIL!“ Seit den russischen Konstruktivisten ein Symbol für die Suche nach einer anderen, besseren Gesellschaftsform.


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