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Tagebuch

Mein Leserbrief an die Berliner Zeitung

In dem Artikel „Bund bittet Musikschulen zu Kasse“ befasst sich die Berliner Zeitung auf ihrer heutigen Seite 1 damit, dass der Entwurf des Jahressteuergesetzes 2013 eine Umsatzsteuer für private Tanz-, Ballett- und Musikschulen vorsieht. Das wäre ein bitterer und nicht hinnehmbarer Schlag für die kulturelle Bildungslandschaft, da auf die betroffenen Einrichtungen durch die Neuregelung erhebliche Einbußen, gegebenenfalls auch Schließungen zukämen. Schon in der vergangenen Woche habe ich dazu eine Presseerklärung herausgegeben. Und auch die kulturpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, Agnes Krumwiede, erklärte vor Tagen in einer Stellungnahme, welch‘ verheerende Folgen diese Umsatzsteuer hätte.
Schön also, dass dieses wichtige Thema von der Berliner Zeitung an so prominenter Stelle aufgegriffen wird. Aber was ist mit den Stimmen der Opposition? Die finden sich in dem Artikel nicht wieder – es wird lediglich darüber berichtet, dass sich nun auch bei den Kultur- und Bildungspolitikern der Koalitionsfraktionen Unmut über dieses Vorhaben breit macht.

Das ist für mich eine einseite Berichterstattung, weshalb ich heute folgenden Leserbrief an die Autorin des Artikels schickte. Ich bin gespannt, ob er abgedruckt wird…

Sehr geehrte Frau Vates,

mit Interesse habe ich ihren Artikel „Bund bittet Musikschulen zur Kasse“ vom 22.08.2012 gelesen und dachte:  Was für eine Überraschung! Die Koalitionsfraktionen entdecken die fatalen Konsequenzen des eigenen Jahressteuergesetzes. Offensichtlich sind jetzt auch der kulturpolitische Sprecher der CDU/CSU, Wolfgang Börnsen und seine Kollegin von der FDP, Sylvia Canel, aufgewacht.

Ich habe auf den immensen Schaden, den der Gesetzentwurf für private Musik-, Tanz- und Malschulen bedeuten würde, bereits in einer Pressemitteilung vom 17.08.2012 hingewiesen. Auch die kulturpolitische Sprecherin von Bündnis90/Die Grünen nahm zu dem Thema ausführlich Stellung. Die Berliner Zeitung aber tut auf ihrer Titelseite so, als wäre die nun geäußerte Kritik und Besorgnis an der geplanten Umsatzsteuer für private Musik-, Tanz- und Malschulen ein Exklusiv-Thema der CDU/CSU und FDP.  Auch wenn Oppositionspolitiker wissen, dass nur eine Koalitionsmehrheit den Schaden abwenden kann, entspricht es in keiner Weise einer ausgewogenen Berichterstattung, die Stimmen der Opposition so gänzlich zu negieren.

Dr. Lukrezia Jochimsen


Italienisches Tagebuch, 10. Juli 2012

Padua in Solidarität mit Tacheles

Der heiße Sommer ist auch ein Kultursommer. Jede Stadt, ob klein, ob groß, feiert Festivals mit Konzerten, Theater, Lesungen…

In Padua findet das Sherwood-Festival statt und in seinem Rahmen gibt es eine Solidaritätsaktion mit dem Kulturhaus Tacheles in Berlin. Eine Ausstellung mit den Kunstwerken von Alexander Rodin, die entfernt wurden, Fotos vom Räumungsüberfall, alles als ein Zeichen, wie kommerzielle Interessen Kunst vertreiben. Diesmal am Beispiel Deutschland, am Beispiel Berlin, am Beispiel Tacheles. Es liegt ein Gästebuch aus. Viele Künstler und Kunstinteressierte haben sich eingetragen. Von Padua aus soll die kleine Ausstellung auf „Tournee“ gehen zu anderen Festivals in anderen italienischen Städten dieses heißen Sommers.


Italienisches Tagebuch, 2./3. Juli 2012

Da fährt man am 19. April aus Italien weg, kehrt am 1. Juli zurück – und die Schlagzeilen der Zeitungen sind ziemlich die Gleichen. Natürlich geht es zunächst um die Niederlage im Fußball – die Tränen, die Trauer…
Aber dabei volle Anerkennung für die „Roten Furien“. „Sie waren einfach eben so viel besser!“
Aber dann die politischen Nachrichten: Seitenlang handeln sie von der Wiederauferstehung der Lega-Nord. Sie wissen schon: Jener nationalistischen rechts-außen Saubermannpartei, die den Italienern des Nordens seit vier Jahren ein „freies Padanien“ verspricht, einen eigenen wohlhabenden Staat abgekoppelt von Rom und dem ganzen italienischen Korruptionssumpf.
Nach einem eigenen Korruptionsskandal ohne Gleichen und dem dringenden Verdacht, dass der Schatzmeister  der Partei, der ´Ndrangheta Millionen zugeschustert hat, fand nun am Sonntag eine Art Neugründungskongress statt.

Veränderungen: weiterlesen …


Rückblick auf die Soirée beim Bundespräsidenten am 26. Juni 2012

„Weimar strahlt“ – mit diesen Worten begrüßt Bundespräsident Gauck die Gäste im großen Festsaal des Schlosses Bellevue zu der ersten Kultur-Veranstaltung seiner Amtszeit. Und in der Tat: Weimar, das heißt Studierende der Hochschule für Musik „Franz Liszt“, strahlte an diesem verregneten Sommerabend mit glänzender Kunst. Ein „star-studded-programm“ im wahren Wortsinn von jungen Solisten aus aller Welt (Georgien, Bulgarien, Armenien, Kasachstan, …). Ja, ja und Thüringen und Weimar natürlich.
Hier das Programm und die Interpreten eines unvergesslichen Abends:


Nachtrag zur Sendung „Trauma Afghanistan – welche Spuren hinterlässt der Krieg?“ bei Günther Jauch

Da gab es heute viel zustimmende Post für meine Ausführungen.
Die für mich wichtigste kam aus Hessen von Ingrid und Gerhard Zwerenz, dem Soldaten, dem Desateur, dem Gefangenen, dem aufsehenerregenden Schriftsteller, dessen Bücher mein Leben geprägt haben: „Casanova oder der kleine Herr in Krieg und Frieden“ und „Die Erde ist unbewohnbar wie der Mond“ – den auch Rainer Werner Fassbinder verfilmt hat.

„Zustimmung und Freude wurde hier von Gerhard und mir die gestrige Luc-Meisterleistung bei Günther Jauch gesehen, gehört und genossen!!! 
Ein Lichtblick in allgemeiner Dunkelheit.
(…)
Beste Wünsche und weiter so klug wie tapfer!  
Zwei x Zwerenz aus Oberreifenberg

 


Tagebuch, 3. Mai 2012

Welch´ ein Duell! Sarkozy gegen Hollande gestern Abend im französischen Fernsehen. Ab 21 Uhr zweieinhalb Stunden.
Das Studio fast wie aus einem Computerspiel. Eine dunkle Tisch-Insel, riesengroß, die beiden Kontrahenten einander gegenübersitzend, die beiden Journalisten: Typ Schwiegermutters Liebling und junge Blondine vom Dienst am Kopfende.
Sie waren ja auch nur Stichwortgeber und hatten eine Art Schiedsrichterfunktion: bleibt der Kampf fair? Das war ihre Aufgabe. Mit Journalismus hatte das wenig zu tun.

Drei Duelle wollte Sarkozy. Er muss froh sein, dass es nur zu diesem einen kam. Denn Hollande gewann meiner Meinung überraschend. Souverän, gelassen, schnell konterte er die Vorwürfe des amtierenden Ministerpräsidenten. Schlüsselsatz „Sie können sich hier nicht zum Opfer machen!“ Denn genau dies versuchte Sarkozy: Schuld an der wirtschaftlichen, sozialen, politischen Situation seien DIE KRISEN in ihrer Mehrzahl. Dagegen hätte sich nichts wirklich unternehmen lassen. Der Regierungschef als Opfer der Zeitläufe. Da war das Duell dicht, intensiv, kämpferisch wie ein wirklicher Kampf. Ich fragte mich ständig: welche deutschen Politiker eine solche Prozedur je durchstehen könnten – über zweieinhalb Stunden – ganz und gar ihrer Argumentierungsstärke überlassen. (Wobei die letzte halbe Stunde einfach überflüssig war und auch nichts mehr brachte: da schlugen beide Duellanten nur noch um sich). Manchmal zeigte die Kamera eine Studio-Totale von oben – aus Deckenhöhe. Da sahen die Menschen am Riesentisch wie Käfer aus – Kafkaesk.

Eine einmalige Lektion war dieser Duell-Abend.

Was Politiker leisten können, was ein Duell zeigen kann: eine Sternstunde europäischer Auseinandersetzung! Bewunderung für Frankreich.


More of the same shit – jetzt in HD

Hurra. Jetzt sehen wir schärfer, genauer, klarer. Aber was sehen wir? Ich meine: In den öffentlich-rechtlichen Sendern? Also was sehen wir da? Tatorte, Fußball, Pilcher-Herz-Schmerz und wieder Tatorte … sehen wir da. Und dann zur Abwechslung Boxen, Tatorte, Volksmusik, Polizeiruf und Talk Eins bis Fünf durch die Woche hindurch mit den gleichen Gästen und Themen … sehen wir da. Und davor und danach Nachrichtensendungen, die vor allem im zweiten Programm diesen Namen nicht mehr verdienen. Weil die gehen so: Drei Kurznachrichten, dann ein Fragethema aus der Ratgeberrubrik: Sollen Siebzigjährige noch Auto fahren dürfen oder müssen sie zum TÜV?

Am nächsten Tag: Sollen Sechzehnjährige ans Steuer oder lieber nicht? Dann Katastrophenberichte aus weltfernen Gegenden, Beispiel: Im Süden der USA stürzte ein Militärflugzeug am Rand einer Kleinstadt ab. Keine Toten, keine Verletzten, aber ausführliche Aussagen von Augenzeugen, dem Sheriff, dem Feuerwehrchef. Alles übrigens vom örtlichen Feuerwehr-TV-Kanal übernommen. Das sehen wir.

Zu Ehren der Tagesschau muss festgehalten werden, dass so etwas dort nicht passiert. Allerdings nimmt auch hier die Zahl der originären Nachrichtenstücke ab. weiterlesen …


Italienisches Tagebuch, 19. April 2012

Die Titelseiten der Zeitungen zitieren heute Premierminister Monti mit dem Satz: „Wir kämpfen darum nicht so zu enden wie die Griechen!“
Und deshalb, deshalb, deshalb müssen Banken und Unternehmen 20 bis 30 Milliarden Euro Unterstützung bekommen.
Das ist die eine Seite.
Die andere: Die Arbeitslosigkeit steigt und steigt und das Kaufverhalten war seit Kriegsende niemals so schlecht wie heute.
Fast ein Aperçu ist da die Schlagzeile: „Kein Mittagessen von Monti und Berlusconi“. Das heute stattfinden-sollende Treffen im Palazzo Chigi wurde von Berlusconi abgesagt, weil er nicht „instrumentalisiert“ werden will. Es steht nämlich die Neuverteilung von TV-Frequenzen an …
Ein Schelm der Schlechtes dabei denkt.

Und erst recht ein Aperçu, das Allerneuste von der Lega Nord: Ja, Diamanten und Gold im Wert von 300.000 Euro gehören Rosy Mauro und Senator Stiffoni aus Treviso. Privat bezahlt aus eigenem Vermögen als Investition in die persönliche Zukunft und so in den Tresor des Hauptquartiers der Partei in Milano gebracht. Und auch der Ex-Schatzmeister Belsito gibt an, Diamanten und Gold im Wert von mehreren 100.000 Euro eingekauft zu haben. In diesem Fall mit dem Geld der Partei als Investition in deren Zukunft.

Weitere Fragen? Keine. Sobald als möglich sollen der Staatsanwaltschaft die Bankbelege übermittelt werden.

Ab Morgen bin ich wieder in Deutschland.


Italienisches Tagebuch, 18. April 2012

Macht und Machtmissbrauch

Zwei italienische Filme sind im Moment hier auf dem Spielplan, die sich mit der Gewalt-Geschichte des Landes auf geradezu sezierende Weise befassen: „Romanzo di una Strage“ – schwierig zu übersetzen, vielleicht am ehesten „Roman eines Gemetzels“ von Marco Giordana und „Diaz – wischt dieses Blut nicht auf!“ von Daniele Vicari.

„Romanzo di una Strage“ beginnt in Mailand am 12. Dezember 1969. Um 16:37 Uhr zerstört eine gewaltige Explosion die Nationalbank an der Piazza Fontana. 80 Tote, hunderte Verletzte sind die Opfer. Linke Terroristen, so die einhellige Meinung von Politik und Medien, haben dieses Blutbad angerichtet. Polizei und Justiz stehen unter besonderem Druck, den oder die Täter ausfindig zu machen. Verhaftungen, Vernehmungen… Besonders das linke Milieu ist im Visier, darunter auch der Anarchist Valpreda. Ihm setzen die Polizisten derart zu, dass er sich aus dem offenstehenden Fenster des Vernehmungsraumes stürzt. Eine unglaubliche Geschichte der Vertuschung und der Lügen beginnt. Es dauert Jahre bis den Polizisten der Prozess gemacht wird, der mit Freisprüchen endet. Aber die Gerüchte bleiben, die Presse ist längst überzeugt, dass Valpreda unschuldig war. Und allmählich ist dies auch dem für den Fall zuständigen Kommissar Calabresi klar.

Studenten und Arbeiteraufstände bestimmen den italienischen Alltag, Polizeiwillkür, die „Roten Brigaden“…

Aldo Moro muss Italien vor der Europäischen Kommission verteidigen. Eine bleierne Zeit.

1972, drei Jahre nach dem Fenstersturz, hat der Kommissar alle Belege beisammen: Es waren Faschisten, die die Bank hochgehen ließen. Er berichtet seinem höchsten Vorgesetzten und erfährt, dass dieser dies schon lange weiß und andere Verantwortliche auch. Die Staatsraison verbietet die Wahrheit zu veröffentlichen. Eine Woche später wird der Kommissar morgens auf dem Weg in den Dienst erschossen. Täter unbekannt – bis heute.

„Diaz – wischt dieses Blut nicht weg“ ist gewissermaßen die Fortsetzung der Geschichte – 40 Jahre später. Er beschreibt den G8-Gipfel in Genua 2011 aus der Sicht von einem Dutzend ziviler Teilnehmer und Demonstranten.
Und wieder die Polizeiwillkür, wieder die Außerkraftsetzung von Recht und Gesetz und wieder der Tod eines Unschuldigen.

Überwältigende Rekonstruktionen des politischen Lebens sind das – über 40 Jahre zurückliegend, über zehn Jahre…

Wer interessiert sich dafür? Beide Filme laufen in den großen Multiplex-Häusern – in den Nachmittagsvorstellungen waren wir fast allein.


Italienisches Tagebuch, 17. April 2012

Doch wieder Neuigkeiten von der Lega Nord, der „Forelle“, Rosy, Schatzmeister Belsito und anderen…

Man glaubt es kaum, aber gestern fand die Polizei bei einer Razzia im Hauptquartier der Partei in Mailand Diamanten und Gold.

Mindestens im Wert von 200 Tausend Euro, wenn nicht gar 600 Tausend Euro. Die Polizei ist vorsichtig bei ihren Schätzungen, die eingeschalteten Gutachter überlegen noch.

Gekauft wurden die Wertgegenstände erst Ende letzten Jahres und sollten wohl aufgeteilt werden, zwischen dem ehemaligen Schatzmeister der Partei, der ehemaligen Vizepräsidentin des Senats Rosy Mauro und – das ist neu – dem Senator aus Treviso, Stiffoni. Der allerdings streitet alles ab.

Außerdem trat gestern auch die schöne blonde Freundin der „Forelle“ Monica Rizzi zurück. Sie hatte den einflussreichen Posten einer Dezernentin der Lombardei.

Jetzt sind schon sechs der wichtigsten Leute weg vom Fenster – mal sehen wer morgen dran ist. Und wem die Diamanten und das Geld wirklich gehören?

Fortsetzung folgt…


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