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Tagebuch

Zusammen sind wir doch stark: Künstlerakademie Tarabya gerettet

Heute Morgen um 9 Uhr gab Staatsministerin Cornelia Pieper bekannt, dass das Auswärtige Amt dem eindeutigen Votum des Unterausschusses Auswärtige Kulturpolitik folgt und, wie vom Bundestag einstimmig beschlossen, eine Künstlerakademie auf dem Gelände der Deutschen Botschaft in Istanbul einrichten wird – so wie 2009 geplant.

Damit ist das Lug-und-Trug-Spiel beendet. Die intensive Zusammenarbeit des Unterausschusses hat sich gelohnt. Allerdings bleibt das ungute Gefühl, dass die Regierung versucht, mit dem Parlament zu machen, was sie will. In diesem Fall hat es nicht geklappt. Man wäre naiv, wenn man annimmt, dass sich ein solcher Fall nicht wiederholen kann.


Eine Geschichte zum Tag der Deutschen Einheit, die mir nicht mehr aus dem Sinn geht

Von den hunderten „Erinnerungs-Feuilletons“ des Wochenendes geht mir eine Geschichte nicht aus dem Sinn, die unter dem Titel „Von der Sehnsucht, kein Wessi zu sein“ in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erschienen ist. Da erzählt die Autorin Merle Hilbk die Geschichte eines Trabis, der im Frühling 1988 plötzlich auf dem Hof ihrer Schule stand.

„Mit seinen runden Scheinwerferaugen sah er aus wie ein junges Tier, das sich zwischen unsere Golf Cabrios und Opel Kadetts gestohlen hatte.“

Die Autorin hatte keine Ahnung, wem er gehörte und wie er in den tiefen Westen gelangt war. Aber das spielt für die Geschichte auch keine Rolle, denn … weiterlesen …


Große Reden vs. Taten: Parlament der Bäume gegen Krieg und Gewalt

„Die schwingen alle immer große Reden, aber wenn’s drauf ankommt, kneifen sie.“ So fasste der Aktionskünstler Ben Wagin das Tauziehen um das von ihm initiierten und gepflegten Parlaments der Bäume zusammen (Berliner Morgenpost, 24.08.10).

Ben Wagin bedankt sich für die Ehrung - und hofft, dass sein 'Parlament der Bäume' doch irgendwann zum Denkmal erklärt wird und somit auch über das Jahr 2018 hinaus an dieser Stelle zu besuchen sein wird
Nach der Eröffnung werbe ich bei Kulturstaatsminister Bernd Neumann für mehr Gemeinsamkeit im Sinne dieses beeindruckenden Areals und Denkmals

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Der Skandal von Tarabya oder der Umgang der Bundesregierung mit dem Parlament

Das Projekt, eine deutsche Künstlerakademie „Villa Tarabya“ auf dem Gelände der Deutschen Botschaft in Istanbul nach dem Vorbild der römischen Villa Massimo zu errichten, wurde 2009 vom Parlament einstimmig verabschiedet. Das von der Bundeskanzlerin als „Meilenstein der auswärtigen Kulturpolitik“ gewürdigte Projekt wurde irgendwie in diesem Frühjahr vom Auswärtigen Amt heimlich beerdigt und das Geld dafür blockiert. Ein neues Konzept sieht anstelle eines Stipendienprogrammes für Künstler eine „Begegnungsstätte“ für „alle Bereiche unserer bilateralen Beziehungen – Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft“ vor. Die Zusammenarbeit mit der Deutschen Außenhandelskammer, mit Unternehmen und politischen Stiftungen soll ausgebaut werden. weiterlesen …


Zum Tod des Künstlers Walter Womacka

Am Sonnabend ist ein großer Künstler von uns gegangen – der Maler Walter Womacka starb im Alter von 84 Jahren nach langer und schwerer Krankheit. Er zählte zu den populärsten Malern und Grafikern der DDR und hat die bildende Kunst in diesem Land maßgeblich mitgeprägt. Über zwanzig Jahre war er Rektor der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und förderte die Ausbildung junger Talente. Er schuf Grafiken, Bilder und großformartige Kunstwerke, die sich noch heute im Stadtbild Berlins aber auch in anderen Städten wiederfinden lassen.

Wie allerdings mit solchen erhaltenswerten Zeugnissen deutscher Kulturgeschichte umgegangen wird, zeigt ein Beispiel aus diesem Frühjahr. Am früheren Bauministerium der DDR in der Breiten Straße in Berlin hängt Walter Womackas Wandbild „Der Mensch, das Maß aller Dinge“ aus dem Jahr 1968. Das Gebäude soll abgerissen werden und damit war auch das Bild in Gefahr, für das sich niemand so recht zuständig fühlen wollte. Wir hatten deshalb auch einen Antrag im Bundestag gestellt, um uns für die Sicherung und Bewahrung des Kunstwerkes einzusetzen. Nun kümmert sich die  Wohnungsbaugesellschaft Mitte zumindest um den Abbau – eventuell soll das Werk dann am Gebäude des Neuen Deutschland wieder sichtbar gemacht werden und eben nicht nur in irgendeinem Depot verschwinden. Schade, dass Walter Womacka das nicht mehr erleben wird.

Aber so geschieht es dann im Gedenken an diesen großartigen Künstler.

Nachtrag: Und da dieser beschriebene Fall leider kein Einzelfall ist, werde ich hierzu einen Antrag einbringen, denn wir brauchen ein Konzept für die Bewahrung kulturhistorisch bedeutsamer Kunst am Bau.


Diese Woche im Bundestag

Diese Sitzungswoche, die ganz und gar der Beratung des Haushalts gewidmet ist, ist eine groteske Qual. Da sitzen wir mit den Haushaltsexperten zusammen und beraten über – Kürzungen. Immer und immer wieder Kürzungen.
Zum Beispiel im Etat des Außenministers, gerade die Kulturarbeit im Ausland betreffend, die sonst stets hochtrabend als „3. Säule der Außenpolitik“ etikettiert wird.
Weniger Geld für die Goethe-Institute, weniger Geld vor allem aber auch für Kultur und Bildungsprogramme in Afghanistan. 1 Million Euro weniger für die Schulförderung und die berufliche Bildung um 2,4 Millionen gekürzt! Also genau das „eingespart“, was uns in allen Debatten über den Einsatz in Afghanistan immer vorgegaukelt wird: zivile Hilfe zu verstärken – nicht militärischen Einsatz. Das Gegenteil stimmt. Das sagen die Zahlen. (Siehe dazu die Rede meines Kollegen Michael Leutert, HIER)

Besonders grotesk wird diese ganze Anstrengung natürlich dadurch, dass die Regierung weitere Milliarden der Hypo Real Estate zur Verfügung stellt, dieser gigantischen Geldvernichtungsmaschine, während wir um 50.000 Euro hier und 20.000 Euro dort kämpfen.
Es gibt allerdings auch Haushaltsposten, die sich tatsächlich einsparen ließen. Siehe dazu meine Rede zur Bundesstiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“. Da werden 5 Millionen Euro in diesem und im nächsten Jahr für ein Skandalprojekt verschleudert.

Ich habe den Staatsminister gestern aufgefordert, dieses Projekt einzustellen – und auch die Grünen haben gestern eine Haushaltssperre der 2,5 Millionen für 2011 gefordert. (Siehe dazu die Rede der Kollegin Agnes Krumwiede, HIER)


Glückwünsche an das DDR Museum

Ich freue mich sehr, dass das Berliner DDR Museum das bedrohte Wandbild „Lob des Kommunismus“ von Ronald Paris aufnimmt und der Öffentlichkeit zugänglich macht (siehe Pressemitteilung des Museums und meine Tagebucheinträge vom 25. März, 13., 15. und 28. April) – was ich dem Direktor des Museums, Robert Rückel, heute auch gleich geschrieben habe. Die Rettung dieses Kunstwerkes, einem Epochenbild und Zeugnis deutscher Kulturgeschichte, trägt hoffentlich auch dazu bei, dass man dem kulturellen Erbe der DDR nicht weiter mit Gleichgültigkeit begegnet.
Und im Herbst schaue ich mir das Bild dann natürlich selbst an, wenn es gemeinsam mit einer erweiterten Dauerausstellung zu besichtigen ist.

wandbild_paris
Das elf Meter breite Wandbild "Lob des Kommunismus" aus dem Jahr 1969

Ein 'Soforthilfeprogramm Kultur' könnte helfen

wuppertal
Im April vor Ort in Wuppertal: mit Bernhard Sander und Susanne Herhaus, DIE LINKE Wuppertal

Morgen wird über unseren Antrag „‘Soforthilfeprogramm Kultur‘ zum Erhalt der kulturellen Infrastruktur einrichten“ in 2. und 3. Lesung im Parlament abgestimmt werden. Ohne Debatte – mit zu Protokoll gegebenen Reden.
Es heißt, es gibt nichts Neues in der Diskussion – und: es ist schon alles gesagt, der Worte sind genug gewechselt…
Also wird abgestimmt und mehrheitlich abgelehnt werden. Das Spiel ist bekannt.
Genau deshalb möchte ich an dieser Stelle meine Argumentation wiederholen: warum wir diesen Antrag eingebracht haben und für notwendig erachten:
Im Art. 104 GG heißt es klipp und klar:

„der Bund kann im Fall von außergewöhnlichen Notsituationen, die sich der Kontrolle des Staates entziehen und die staatliche Finanzlage erheblich beeinträchtigen, auch ohne Gesetzgebungsbefugnisse Finanzhilfen gewähren.“

Wer will bestreiten, dass diese Situation eingetreten ist? Dazu ein Beispiel:

19 Theater gibt es in NRW zwischen Aachen und Wuppertal, Bielefeld und Paderborn. Ihre Intendanten haben eine gemeinsame Resolution verfasst, die auf die derzeitige Situation der so unterschiedlichen großen und kleinen Bühnen aufmerksam machen soll.
In der Vorbemerkung heißt es da: weiterlesen …


Für die Buddhas von Bamiyan fehlt das Geld

BuddhaIm Unterausschuss Auswärtige Kultur und Bildungspolitik am Montag ging es u. a. um die Streichung der Mittel für die von den Taliban gesprengten Buddha-Statuen in Bamiyan. Bislang hat das Auswärtige Amt die Arbeiten in Bamiyan mit rund einer Million Euro gefördert, davon im vergangenen Jahr 150.000 Euro. In diesem Jahr wurden die Zuwendungen allerdings gestoppt. In diesem Zusammenhang wurde auch festgestellt, dass in fast allen Bereichen der Förderbudgets die Ausgaben zurückgefahren worden sind.

Ulla Schmidt (SPD) fragte in dieser öffentlichen Sitzung die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Cornelia Pieper (FDP), wie dieser Umstand mit dem erklärten Regierungsziel, Bereiche wie Bildung, Kultur und Wissenschaft in Afghanistan besonders zu fördern, zusammenpasse. Ich gab zu bedenken, dass Deutschland sein begonnenes Projekt nicht aufgeben und einfach auf europäische Partner abwälzen darf. Das ist ein falsches, negatives Signal. Auch Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen) sprach sich dafür aus, dass Deutschland nun Präsenz zeigen müsse in der Problematik der „systematisch zerstörten Statuen“ – vor allem deswegen, weil es eine privilegierte Beziehung zu deutschen Archäologen und Denkmalpflegern gebe. Peter Gauweiler, Vorsitzender des Unterausschusses, betonte die Wichtigkeit, dieses Projekt fortzusetzen. „Schon aus Gründen der Selbstachtung. Ein Abbruch des Projekts würde einen schalen Beigeschmack hinterlassen“, befand er.

Im sechsten Jahrhundert nach Christus waren im Tal von Bamiyan im heutigen Afghanistan zwei Buddhastatuen entstanden – die eine 55 Meter hoch, die andere 38. Die Region war damals buddhistisch, blieb es aber nicht lange, und so begannen die größten Buddhafiguren der Welt im Laufe der Jahrhunderte zu verfallen. Am 12. März 2001 sprengten die Taliban die beiden Statuen.


Rückblick auf die Tage im Zeichen der Erinnerung an den 8. Mai 1945 – Teil 3

Sonntag, 9. Mai wieder in Weimar, diesmal im Bahnhof im Jugendtheater stellwerk das „Café Gedanken frei“.

Podium
Thomas Hartung, Ottomar Rothmann, Horst Walkling-Röhn, Steffen Trostorff, Jens-Christian Wagner (v.l.n.r.)

Gespräche auf zwei Ebenen. Thomas Hartung mit Ottomar Rothmann, der in Buchenwald befreit wurde und Horst Walkling-Röhn, der 1942 nach Auschwitz deportiert wurde und 1945 mit den Todesmärschen nach Buchenwald kam.
Schwer lastet der Apell an uns: Allem und frühzeitig entgegenzusetzen, was zu einer Wiederholung dessen führen könnte, was sie durchlitten und wie ein Wunder überlebt haben. weiterlesen …


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