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Tagebuch

Rückblick auf die Tage im Zeichen der Erinnerung an den 8. Mai 1945 – Teil 2

Der Himmelsfahrtsfeiertag eignet sich, um den Rückblick auf die Tage um den 8. Mai und das vielfältige Gedenken an die Befreiung Deutschlands vor 65 Jahren fortzusetzen.
Vorgestern ging es schon um den 7. Mai, den Tag im Parlament.
Heute: der 8. Mai selbst.

Gruppe
Volkhardt Germer (3.v.r.) und Priester Michail Rahr (2.v.r.)

BlumenIch bin in Thüringen. In den Zeitungen keine Silbe über das historische Datum, das doch im Grunde der wichtigste Moment in unserer nachfaschistischen Zeit ist. Wären wir hier ohne die Befreiung der Alliierten? Was wären wir ohne ihre Taten?
Um 10 Uhr findet in Weimar im Schlosspark, ein paar Schritte hinter der Anna-Amalia-Bibliothek eine kleine Gedenkfeier auf dem Ehrenfriedhof für die gefallenen Soldaten der Roten Armee statt. Der Oberbürgermeister von Weimar hat dazu eingeladen. Außer mir kein Bundestagsabgeordneter, kein Landtagsabgeordneter und auch der Stadtrat von Weimar glänzt durch Abwesenheit. weiterlesen …


Gegen Ausgrenzung der Roma

logoEs sind drei europäische Parlamentarierinnen, die gestern zu der Konferenz

„Roma und Fahrende – Opfer des Holocaust“ nach Brüssel eingeladen hatten:
aus Ungarn Kinga Göncz
aus Frankreich Catherine Grèze
und aus Deutschland Cornelia Ernst.

BrüsselIm Konferenzsaal hing ein großes Plakat mit dem Motto: 2005 – 2015 Decade of Roma Inclusion – also Jahrzehnt der Roma Eingliederung. Und als erster Redner verwies einer der Beamten der EU auf die Resolutionen und Entscheidungen des Europäischen Parlaments die Roma in Europa betreffend. Und es ist nicht zu übersehen, dass das Europäische Parlament mehr Humanität, Moral, historische Verantwortung im Umgang mit der Minderheit Roma aufgebracht hat, als die nationalen Parlamente und Staaten. Dennoch regiert die IGNORANZ, dieses unvorstellbare Nicht-Wissen, das ein Nicht-Wissen-Wollen auf allen Ebenen ist. Und neuerdings auch vermehrt wieder Ausgrenzung, Diskriminierung und Gewalt. weiterlesen …


Rückblick auf die Tage im Zeichen der Erinnerung an den 8. Mai 1945 – Teil 1

Heute: Freitag im Bundestag
• Übermorgen: Samstag in Weimar und Apolda
• Freitag: Sonntag in unserem Weimarer „Café Gedanken frei“

Der Bundestag war fast leer am Nachmittag des 7. Mai, jenes Marathon-Debatten-und-Abstimmungstages, an dem über die Hilfe für Griechenland entschieden worden war. Fast alle hatten das Parlament verlassen als der Antrag der Linksfraktion aufgerufen wurde, den 8. Mai zu einem Gedenktag zu machen. Am Vormittag hatte der Bundestagspräsident mit ein paar Sätzen auf die Bedeutung dieses Tages hingewiesen und gesagt, dass es wohl den Nachgeborenen eher möglich sei die historische Bedeutung dieses Datums zu verstehen und zu begreifen als denen, die damals den Tag selbst auf unterschiedlichste Weise empfunden hätten: als Niederlage, als Untergang, als Ende des Schreckens, als Beginn einer neuen, unbekannten Zeit, als Befreiung… Er meinte, dass wahrscheinlich nur die besonders Verfolgten der Nazi-Herrschaft, die Häftlinge in den KZs, die Gefangenen, die Versteckten den tag als Befreiung empfunden hätten…
Ich bin da nicht so sicher, ob es nicht doch noch viel mehr Menschen waren. In meiner Familie und auch in meiner Umgebung in Frankfurt am Main waren es jedenfalls viele. Aber wie dem auch sei: selbst oder gerade wenn die These stimmt, dass es heute eher möglich ist den Tag in seiner Bedeutung zu verstehen als damals – ist es an der Zeit ihm endlich diese Bedeutung zukommen zu lassen – als Gedenktag eben für uns alle: für diejenigen, die ihn noch erlebt haben, die immer weniger werden, wie für diejenigen, die nachgeboren wurden und werden. weiterlesen …


Verleihung des puk-Journalistenpreises 2010

Laudatio
Laudatio für die Balladenreihe der TZ / © Carolin Ries

Kennen Sie das noch?

„John Maynard war unser Steuermann,
Aus hielt er, bis er das Ufer gewann,
Er hat uns gerettet, er trägt die Kron‘,
Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard.“

Und erinnern Sie sich auch noch, wie es weitergeht und endet?

Balladen haben unsere frühen Jahre geprägt und irgendwann und irgendwie sind sie verschwunden. Gestern Abend bei der Verleihung des puk-Preises erhielt die Feuilletonredaktion der Münchener Boulevardzeitung TZ eine Anerkennung der Jury für eine Wiederentdeckung der Balladen. Von November 2008 bis Mai 2009 hat das Massenblatt an jedem Wochenende eine deutsche Ballade vorgestellt – 24 insgesamt: 5 x Theodor Fontane, 2 x Johann Wolfgang von Goethe, 2 x Bertolt Brecht, 2 x Friedrich Schiller, 2 x Börries Freiherr von Münchhausen und jeweils 1 x Conrad Ferdinand Meyer, Theodor Storm, Adelbert von Chamisso, Otto Ernst, Johann Ludwig Uhland, Annette von Droste-Hülshoff, Joachim Ringelnatz, Eduard Mörike, Robert Gilbert, Heinrich Heine und Clemens Brentano.

Die Jury des puk-Journalistenpreises 2010, der ich angehörte, fand, dass mit dieser Reihe ein Schatz deutscher Kultur gehoben und einer breiten Leserschaft zugänglich gemacht wurde.

Gruppenbild


Antrag „Tag der Befreiung muss gesetzlicher Gedenktag werden“

Wie gestern schon in meinem Tagebuch-Eintrag angekündigt, bringen wir in dieser Woche einen Antrag zum 8. Mai ein. Und nun steht auch fest, dass die Debatte am Donnerstagabend stattfinden wird und ich für unsere Fraktion reden werde.

Hier ist schon jetzt nachzulesen, warum wir die Bundesregierung auffordern möchten, einen Gesetzentwurf vorzulegen, um – dem Beispiel Mecklenburg-Vorpommerns folgend – dem 8. Mai als Tag der Befreiung den Status eines gesetzlichen Gedenktages zu verleihen.

Aus der Begründung des Antrags:

Der 8. Mai 1945 war für Millionen Menschen ein Tag der Hoffnung und Zuversicht. „Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“ erklärte Altbundespräsident Richard von Weizsäcker am 8. Mai 1985 anlässlich des 40. Jahrestages der Beendigung des Zweiten Weltkrieges. weiterlesen …


Tagebucheintrag eines neunjährigen Kindes zum 8. Mai 1945

KinderbildFür die wöchentliche Kolumne auf der Internetseite der Linksfraktion, DIE WOCHE, habe ich einen persönlichen Kommentar zum bevorstehenden 8. MAI verfasst.
In dieser Woche stellt unsere Fraktion im Bundestag den Antrag, dem 8. Mai – der Tag der Befreiung – den Status eines gesetzlichen Gedenktages zu verleihen.

Schwerer Tag

Tagebucheintrag eines neunjährigen Kindes:

Frankfurt am Main, den 8. Mai 1945
„Heute um Mitternacht ist der Krieg zu Ende. Das heißt bedingungslose Kapitulation. Die Kirchenglocken läuten. Es ist endlich Frieden. Das ist ein schwerer Tag für alle Deutschen.“

Wie kommt das neunjährige Kind in diesem Augenblick zu dem Urteil, der 8. Mai sei ein „schwerer Tag für alle Deutschen“?
Der Vater hoffte jeden Tag, dass die Amerikaner uns endlich befreien würden. Er sagte „befreien“. Die Mutter betete jeden Abend, dass sie alle mit dem Leben davonkämen. Das Kind hatte nichts als Krieg erlebt seit seinem dritten Lebensjahr. Die Familie wurde in Düsseldorf ausgebombt, hatte alle Habe verloren, schwere Phosphorverbrennungen hatten sie erlitten, Monate nur im Keller zugebracht, ein Bombensplitter den rechten Oberschenkel des Kindes zerfetzt… Was also brachte es dazu, zu schreiben der 8. Mai sei ein „schwerer Tag für alle Deutschen“ – für es selbst also auch?

Das neunjährige Kind war ich, bin ich. Nach Jahrzehnten fand ich das Tagebuch wieder, das kein heimliches, privates Mädchentagebuch war, sondern ein Pflichttagebuch. Jeden Tag musste ich eine Seite vollschreiben und das Heft am Ende der Woche dem Vater vorlegen. weiterlesen …


Ein nicht hinnehmbarer Kulturverlust

Womacka
Walter Womacka: "Der Mensch, das Maß aller Dinge"

Die Berliner Zeitung stellt in ihrer heutigen Ausgabe eine ganz entscheidende Frage im Falle der gefährdeten Berliner Wandbilder von Walter Womacka und Ronald Paris: „Wer nimmt das ungeliebte Erbe?“ (siehe auch Tagebuch-Einträge vom 25. März, 13. und 15. April). „Die üppig verbreitete, oft ziemlich ideologisch-dekorative Kunst am Bau aus DDR-Zeiten wird zum großen Teil zur ungeliebten Erbmasse, für die sich keiner zuständig fühlt, das sich Künstler, von deren Hand die Werke stammen, aber auch nicht einfach zurückholen dürfen, ohne einen bösen juristischen Verwaltungsakt auszulösen“, heißt es da sehr zu recht.

Es muss sich aber jemand zuständig fühlen, weshalb Kulturstaatsminister Bernd Neumann eine dringliche Anfrage von uns erhielt, wie die Kunstwerke zu retten sind. Nun bekam ich eine Antwort vom Staatsminister, in der er Folgendes schreibt: weiterlesen …


Rückblick auf das Wochenende – Teil 2

Khtzkonq„Internationaler Gedenktag an den Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich“

Der Samstag so ganz anders als der Freitag. Die Armenische Gemeinde zu Berlin lud zur Gedenkfeier für die Opfer des Genozids an den Armeniern in den Französischen Dom ein. In der Einladung heißt es:

„Der 24. April steht als symbolischer Tag für die Erinnerung an die strategisch angeordnete und durchgeführte Ermordung von 1,5 Mio. Armeniern in ihrer historischen Heimat…
Der 24. April ist ein Gedenktag an die Opfer der Genozidpolitik von 1915/16. Er ist in diesem Jahr ein Gedenktag daran, dass die Erinnerung noch immer nicht laut gesprochen werden darf…“

Der Französische Dom war voll – Abgeordnete aus Bundestag und Abgeordnetenhaus waren spärlich vertreten. Der Vorsitzende der Armenischen Gemeinde, Vartkes Alyanak, sprach bei seiner Begrüßung bittere Sätze. Noch nie habe er so viele Absagen aus der Politik bekommen wie in diesem Jahr. Walter Momper, der Präsident des Abgeordnetenhauses von Berlin, hatte eine deutliche Botschaft: wer für den Beitritt der Türkei in die Europäische Völkergemeinschaft ist, muss zur Bedingung machen, dass die Türkei ihre Verbrechen an den Armeniern endlich zugibt und die historische Wahrheit zur Grundlage eines Versöhnungsprozesses mit den Armeniern macht.

Während der Reden sah man Bilder von damals zerstörten Kirchen und Klöstern – über tausend wurden 1915/16 zerstört – und die jämmerlichen Ruinenreste, die heute von ihnen existieren (© Fotos: „Research on Armenian Architecture“). weiterlesen …


Rückblick auf das Wochenende – Teil 1

filmpreisDie 60. Verleihung des Deutschen Filmpreises als Staatszirkus

Der Friedrichstadtpalast war am Freitagabend erfüllt vom Brüllen der Fotografen und ihrem Blitzlichtgewitter. „Der deutsche Film“ feierte sich – wie in den Jahren zuvor im Palais am Funkturm – und doch war etwas ganz neu an diesem Abend. Während sonst „die Branche“ mit Stars und Sternchen sich einer Gala hingibt, den „richtigen“ oder den „falschen“ Filmen Preise verleiht, trat diesmal die Bundeskanzlerin auf mit Rede und Überreichung der Trophäe an den besten Spielfilm. Den ganzen Abend dominierten – abgesehen von Michael Haneke und seinem Team für den schon mehrfach ausgezeichneten Film „Das weiße Band“ – die Kanzlerin und nochmals die Kanzlerin, ihr Kulturstaatsminister und Bernd Eichinger als Ehrenpreisträger.
Am Ende mutierte die Kanzlerin gewissermaßen zur Goldenen Lola und übergab dieselbe. Eine Feier der Bundesregierung bzw. der Bundes-CDU als seien sie und der deutsche Film ein und dasselbe. Lauter Selbstlob – wo es um den Einsatz und die Beteiligung vieler anderer geht – in der Zusammenarbeit des Parlaments übrigens – und dort zum Beispiel im Haushaltsausschuss, wo auch die LINKE für die Förderung des Films eintritt. weiterlesen …


Berlin, 11 Uhr: Pressekonferenz mit dem Bundestagspräsidenten zum „Image der Politik“

Foto
Auf dem Podium mit dem Bundestagspräsidenten und der Filmproduzentin Wackernagel-Jacobs

Heute stellte Norbert Lammert vor zahlreichen Journalisten das Projekt „Das Image der Politik und der Politiker“ der Bundeszentrale für politische Bildung vor. In seiner Begrüßung ging er darauf ein, dass es um das Image der Politiker – obwohl es das Image ja auch nicht wirklich gäbe – nicht zum besten stände, der Typus des Berufspolitikers sei nicht besonders beliebt. „Die Deutschen vertrauen weder der Regierung, dem Parlament, noch den Parteien. Wenn es aber wirklich schwierig wird, dann wird der Ruf nach dem Staat und den Politikern laut, die die Sache richten sollen.“ Insofern käme man an den Umfragen und öffentlichen Einschätzungen natürlich nicht vorbei, dürfe jedoch nicht dramatisieren und müsse sich stattdessen um einen differenzierteren Blick bemühen.

LogoUnd genau darum geht es der Bundeszentrale für politische Bildung mit ihrem heute vorgestellten neuen Band der Reihe ‚Themen und Materialien‘:„Das Image der Politik und der Politiker“. Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, unterstrich, dass dies kein PR-Material sei, sondern auf Differenzierung setzende politische Bildung – für den Einsatz im Unterricht, in Workshops und bei Projekttagen. „Jugendliche sollen sich selbst ein Urteil bilden und in unserer demokratischen Öffentlichkeit positionieren“, so Krüger. weiterlesen …


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