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in Berlin

„Lesen gegen das Vergessen“

Heute fand zum Jahrestag der Bücherverbrennung von 1933 auf dem Bebelplatz das „Lesen gegen das Vergessen“ statt. Mitglieder der Bundestagsfraktion der LINKEN und des Berliner Landesverbandes, sowie Studentinnen und Studenten der Humboldt-Universität zu Berlin lasen Texte von Autoren, deren Bücher faschistischer Barbarei zum Opfer fielen.

Ich las einen Text von Stefan Zweig aus seinem wohl berühmtesten Werk „Schachnovelle“ – eine Hommage an das Buch selbst und das Lesen.

Es wird die Geschichte des Gestapo-Häftlings Dr. B., der Stunden auf die Vernehmung wartet und dabei in einem der Militärmäntel seiner Folterknechte ein Buch findet und stiehlt, erzählt.

„Ein Buch! mir begannen die Knie zu zittern: ein BUCH! Vier Monate lang hatte ich kein Buch in der Hand gehabt, und schon die bloße Vorstellung eines Buches, in dem man aneinandergereihte Worte sehen konnte, Zeilen, Seiten und Blätter, eines Buches, aus dem man andere, neue, fremde, ablenkende Gedanken lesen, verfolgen, sich ins Hirn nehmen könnte, hatte etwas Berauschendes und gleichzeitig Betäubendes.“
Stefan Zweig „Schachnovelle“

Mir schien ein solches Zitat an einem Platz, wo man Bücher barbarisch verbrannt hat unserer Erinnerung wert. Stefan Zweig ist am 28.11.1881 in Wien als Sohn eines jüdischen Tuchhändlers geboren. Er selbst bezeichnete sich später als einen „Juden aus Zufall“, da er  nicht religiös war. Er wurde nicht zuletzt durch die Teilnahme am 1. Weltkrieg zum überzeugten Pazifisten. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden auch seine Werke auf dem Bebelplatz in Berlin verbrannt. Nach einer Hausdurchsuchung 1934 emigrierte Stefan Zweig aus Österreich. 1942 nahm er sich im Exil in tiefer Verzweiflung das Leben.

Außer mir haben u.a. Carola Bluhm (Berliner Senatorin), Roland Claus (MdB), Paola Dannenberg (Studentin), Bella-Elisa Funke (Studentin), Gregor Gysi (MdB), Klaus Lederer (MdA), Katrin Lompscher (Berliner Senatorin) bedeutende Werke verfemter Dichter gelesen. Besonders beeindruckt hat mich Elfriede Brüning. Die 100-jährige Schriftstellerin war als junge Frau Zeugin der Bücherverbrennung und konnte ihre persönlichen Eindrücke schildern.


Ein Fest für Salvador Allende

Eine Stimme für Salvador Allende

Am 4. September 2010 feierten wir in der Berliner WABE unser FEST FÜR ALLENDE – ein Tag im Zeichen Salvador Allendes und seines Wahlsieges bei den Präsidentschaftswahlen in Chile vor genau 40 Jahren. Ab 14 Uhr präsentierten sich den ganzen Tag über lateinamerikanische Verbände und Vereine in Form eines Marktes vor dem Veranstaltungsort.
Und 16 Uhr hieß es dann Bühne frei für unsere Lesung, die den Kern des Festes bildete.

Die Berliner WABE war bis auf den letzten Platz gefüllt
Großer Applaus auf allen Seiten - ich danke dem Regisseur des Programms, Franz Sodann

Vor einem begeisterten Publikum lasen Roland Claus, Gregor Gysi, Gesine Lötzsch und ich aus Allendes programmatischer Rede vor dem Kongress vom 21. Mai 1971. Abgeordnete unserer Fraktion und liebe Gäste wie Peter Sodann, Gina Pietsch und André Hermlin setzten diese in Bezug zu Stellungnahmen, Urteilen und Spekulationen aus Zeitungsberichten und Bundestagsdebatten. Den Abschluss bildete ein ausgelassenes Konzert der chilenischen Gruppe „Chico Trujillo“. Es war ein ganz und gar wunderbarer Tag, mit dem es uns gelungen ist, auf besondere Art und Weise an den verheißungsvollen Anfang von Allendes Regierungszeit zu erinnern.

Dokumentation der Veranstaltung mit allen Texten, Fotos, einem ND-Bericht…


EIN FEST FÜR ALLENDE

PostkarteAm 4. September 1970 siegte Salvador Allende bei den Präsidentschaftswahlen in Chile. Ein Sozialist trat an die Spitze. Durch Wahlen. Dieses Ereignis liegt nun 40 Jahre zurück, und wir wollen es mit einem FEST FÜR ALLENDE feiern – am 4. September 2010, ab 14 Uhr in der Berliner WABE. Mein Fraktionskollege Roland Claus und ich – gemeinsam mit dem Schauspieler und Regisseur Franz Sodann haben wir diese Veranstaltung geplant und konzipiert.

Wir machen eine Veranstaltung für Herz und Hirn: Kern des Festes ist unsere szenische Lesung. Mit Auszügen aus Allende-Reden, Interviews, Pressestimmen, filmischen Dokumenten und aus einer Bundestagsdebatte, vorgetragen von unseren Bundestagsabgeordneten und lieben Gästen, wollen wir die ersten Monate der Allende-Zeit lebendig werden lassen. Parallel zur Veranstaltung im Saal werden auf dem Vorplatz der WABE Vereine und Verbände, die sich der Verbindung mit Lateinamerika verschrieben haben, Gelegenheit haben, sich mit Ständen der Öffentlichkeit zu präsentieren. Am Ende des Tages gibt es ein Konzert von CHICO TRUJILLO, einer Gruppe von in Deutschland lebenden lateinamerikanischen Künstlerinnen und Künstlern.

PROGRAMM

ab 14 Uhr Lateinamerikanischer Markt

16 – 18 Uhr Szenische Lesung mit: Marina Achenbach, Agnes Alpers, Dietmar Bartsch, Herbert Behrens, Matthias W. Birkwald, Roland Claus, Gregor Gysi, Andrej Hermlin, Barbara Höll, Luc Jochimsen, Sabine Leidig, Ralph Lenkert, Gesine Lötzsch, Petra Pau, Jens Petermann, Gina Pietsch, Kathrin Senger-Schäfer, Peter Sodann, Kirsten Tackmann, Heinz Vietze und Florian Weis

Moderation Astrid Landero
Regie Franz Sodann

ab 20.30 Uhr Konzert mit Chico Trujillo

Samstag, 4. September 2010
14 bis 23 Uhr, WABE

Danziger Straße 101, 10405 Berlin


ND-Interview zu unserem FEST FÜR ALLENDE

In der heutigen Ausgabe hat das Neue Deutschland ein Interview mit mir veröffentlicht. Auf der Meinungsseite berichte ich unter der Rubrik Fragwürdig, was ich mit Allende verbinde, warum wir am Sonnabend diesen 40. Jahrestag seines Wahlsieges feiern und was bei unserem Fest auf dem Programm steht.

Hier das komplette Interview als PDF oder unter www.neues-deutschland.de


"Lesen gegen das Vergessen" auf dem Berliner Bebelplatz

LesenAm 10. Mai 1933 wurden in 22 deutschen Universitätsstädten  – beginnend mit dem Opern- heute Bebelplatz, in Berlin – öffentlich zehntausende Bücher von jüdischen, marxistischen und pazifistischen Schriftstellern konfisziert und verbrannt. Auf Einladung unserer Fraktion haben auch in diesem Jahr wieder Menschen unterschiedlichster Generationen Texte von Autorinnen und Autoren vorgelesen, deren Bücher damals der faschistischen Barbarei zum Opfer fielen.

Ich habe in diesem Jahr an den Schriftsteller Joachim Ringelnatz, Hans Gustav Bötticher, wie er eigentlich hieß, erinnert, der 1883 in Wurzen bei Leipzig geboren wurde. In der Münchner Künstlerkneipe Simplizissimus begann er als junger Mann aufzutreten und las eigene Gedichte, Essays und Kinderbücher. Später trat er auch im Berliner Kabarett Schall und Rauch auf. Die Nazis verhängten Auftrittsverbot gegen ihn und verbrannten seine Bücher. Er verarmte und starb 1934 an Tuberkulose.

Bei der heutigen Erinnerung an die Bücherverbrennung habe ich sein Gedicht „Fußballwahn“ gelesen: weiterlesen …


"Eines langen Tages Reise … Der Weg zur Demokratie"

Gysi vor Kameras_kleinSchorlemmer auf Bühne_kleinSteimle auf Bühne_kleinTschirner auf Bühne_kleinBisky auf Bühne_kleinBürger auf Bühne_klein

Das war also der „lange Tag“ gestern in Erinnerung an den 4. November 89.
Zunächst: das Wetter so miserabel, dass man keinen Hund vor die Tür jagen wollte. Wie gut, dass die Morgen-Veranstaltung im Kino stattfand.Film draußen3_klein
Ziemlich grotesk war die Berichterstattung im Rundfunk und Fernsehen. Radio 1 meldete seit 7 Uhr morgens, DIE LINKE veranstalte auf dem Alexanderplatz eine Groß-Demo – alle Berliner sollten sich dort versammeln. Die Abendschau hatte Uwe Steimle im Programm, der den Absage-Brief von Marianne Birthler verlas – allerdings gab es eine technische Panne und zur Verlesung kam es nicht. weiterlesen …


Zu unserer heutigen Veranstaltung „Eines langen Tages Reise … Der Weg zur Demokratie“

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Türen auf im Babylon

Erinnern ist keine einfache Angelegenheit.

„Ich habe den 4. November als warm und sonnig in Erinnerung“ schreibt Annett Gröschner im FREITAG, um dann anzufügen: „Der Wetterdienst verzeichnete als Tagesmittel nur 9,2 Grad, die Sonne schien insgesamt 10 Minuten und in 24 Stunden fielen 2,3 mm Regen.“ weiterlesen …


Heute ein HÖR-TAGEBUCH zu unserer Veranstaltung am 4. November

Foto, ohne allesHIER mein Hör-Tagebuch zum 4. November 1989 und zu unserer Erinnerungs-Veranstaltung „Eines langen Tages Reise … Der Weg zur Demokratie“ 20 Jahre danach.

ACHTUNG – am Sonntag Gottesdienst mit mir in der Erlöser-Kirchengemeinde in Berlin-Moabit. Aus dem Gemeindebrief:

„Zum Reformationsfestgottesdienst am 1.11. um 10 Uhr haben wir Luc Jochimsen bei uns zu Gast. Die bekannte Publizistin und Bundestagsabgeordnete (der Linken) wird die Predigt halten. Danach wird es – wenn gewünscht – ein Nachgespräch geben. Das Thema wird die Kirche der Zukunft sein.


Eines langen Tages Reise … Der Weg zur Demokratie

Elmer-Herzig_kleinDer Tagesspiegel von heute setzt die Vorberichterstattung über unsere Veranstaltung zum 4. November 1989 am kommenden Mittwoch noch fort. Unter der Überschrift „Einstige Gegenspieler erinnern gemeinsam an 4. November 1989“ berichtet Lars von Törne von unserer Pressekonferenz gestern im Babylon und nimmt vor allem Bezug auf Pfarrer und SDP-Mitgründer Konrad Elmer-Herzig, der mitmacht, weil sonst keiner sich des Tages erinnern will. Niemand will den Tag „einseitig und vollständig vereinnahmen“ und wir sind weit davon entfernt, uns als LINKE zum „Sachverwalter“ der Demonstration und Kundgebung von damals zu machen, auf der ja nicht nur Bürgerrechtler sprachen, sondern auch Staatsvertreter wie Günter Schabowski, Markus Wolf und Manfred Gerlach.

Übrigens: Konrad Elmer-Herzig will nächste Woche einen Teil seiner Rede vortragen, den er damals aus Zeitgründen nicht halten konnte. Geschichte – eingebracht nach 20 Jahren. Das wird spannend.


Vorbereitung auf eine besondere Veranstaltung

Podium_Frank
Das Podium (v.l.n.r.): Konrad Elmer-Herzig, Prof. Dieter Klein und Florian Weis von der Rosa-Luxemburg-Stiftung, und Marion Seelig von der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus.

Der Tagesspiegel stellte heute fest:

„Ex-Bürgerrechtler kritisieren Umgang der Linken mit 1989 – SED-Nachfolger würdigen Demo vom 4. November. Das missfällt den einstigen Kritikern des Regimes“. Entsprechend waren dann auch die Journalisten-Fragen in unserer Pressekonferenz heute Nachmittag im Babylon: Wieso macht sich DIE LINKE zum Sachwalter dieses Tages der Friedlichen Revolution am 4. November 1989? Meine Antwort: Wir machen uns keineswegs zum Sachwalter, wir versuchen die Erinnerung an diesen Tag lebendig zu erhalten – mit all seiner Vielfalt, der Hoffnungen und Veränderung. Wenn unsere Veranstaltung die einzige ist, kann man uns das schlecht zum Vorwurf machen, sondern all denen, die kein Interesse haben, den Tag ebenfalls zu gedenken. weiterlesen …


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