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in Thüringen

Ein Fest für Allende – mein Abschied von Erfurt

DIE LINKE in Erfurt feierte gemeinsam mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Thüringen ein Fest für Allende – mit chilenischer Musik, südamerikanischen Spezialitäten und einer Diskussionsrunde mit VertreterInnen sozialer Bewegungen aus Chile. Und mit einer szenischen Lesung, bei der unter der Regie von Franz Sodann unter anderem Susanne Hennig, Bodo Ramelow, Peter Sodann, Steffen Kachel (im Bild rechts) und meine Mitarbeiterin aus meinem Büro in Berlin, Anne Neller, teilnahmen.

In einer sehr emotionalen und eindrücklichen Atmosphäre wurde der Beginn der Allende-Zeit in Chile nachgezeichnet. Von vielen vergessen, wurde Allende nicht von der absoluten Mehrheit der Chilenen zum Präsidenten gewählt, sondern von einer großen Allianz aus Sozialisten, Sozialdemokraten und Christdemokraten im chilenischen Kongress. Damit hatte er auch die Zustimmung einer breiten Mehrheit des Parlamentes hinter sich. Die aus der Sicht Allendes unumgänglichen sozialen Reformen und Verstaatlichungen wurden daher nicht nur vom Volk stürmisch bejubelt, sondern auch vom Kongress fast einstimmig gebilligt.

Ich las aus Allendes historischer Rede vor dem chilenischen Kongress. Er sagte dabei auch folgendes: „Die Ursachen des Rückstandes lagen und liegen noch immer in der Kopplung der herrschenden Klassen an die externe Unterordnung und an die interne Klassenausbeutung. Sie bereicherten sich durch ihren Zusammenschluss mit ausländischen Interessen und durch die Aneignung der durch die Werktätigen produzierten Überschüsse. Wobei sie diesen nur ein zur Wiederauffrischung ihrer Arbeitskraft unentbehrliches Minimum ließen.“ Wenn ich mich in der heutigen Welt umschaue, könnte dieser Satz kaum aktueller sein…

Mit dieser Lesung habe ich mich als Bundestagsabgeordnete auch aus Erfurt verabschiedet – und mich sehr gefreut, dass es sich viele WeggenossInnen nicht haben nehmen lassen „Auf Wiedersehen“ zu sagen.

Mit Susanne Hennig, Steffen Kachel und Bodo Ramelow


„Erst brannten die Bücher, dann die Menschen und dann die ganze Welt“

SchülerInnen der Stoyschule Jena, Ralph Lenkert und Ruth Dorsch (Mitte)

Der 26. August 1933 war in Jena ein besonderer Tag. Es war der erste Jahrestag der Bildung einer national-sozialistisch geführten Landesregierung im Deutschen Reich. Und der sollte nicht nur mit Musik und Tanz sondern auch der mit der Verbrennung marxistisch-leninistischen Schriftgutes begangen werden. „Es herrschte Feststimmung auf den Straßen, den ganzen Tag“. So eindringlich schilderte die Zeitzeugin Ruth Dorsch heute die Ereignisse dieses Tages vor 80 Jahren in der ostthüringischen Stadt.

Aus Anlass dieses „Jahrestags“ hatten die LINKEN in Jena zu einer Gedenkveranstaltung auf den Markt eingeladen, an den Ort, an dem vor 80 Jahren die Bücher Kästners, Heines, Hemmingways und vieler Anderer ein Opfer der Flammen wurden. Mein Kollege Ralph Lenkert hatte die Veranstaltung mit einer kurzen Ansprache eröffnet. Er erinnerte daran, dass diese Bücherverbrenunngen nur der Anfang einer barbarischen Kulturvernichtung waren: „Erst brannten die Bücher, dann die Menschen und dann die ganze Welt“.

Ich versuchte anschließend die Hintergründe der Bücherverbrennungen offen zu legen. „Auch wenn in Jena nicht die Studentinnen und Studenten die treibende Kraft hinter dem Scheiterhaufen waren: Nicht überall waren braune Dumpfbacken am Werk sondern Teile der intellektuellen Elite des Reiches“ merkte ich an. Die Grundlage der Verbrennungen bildeten die sogenannten schwarzen Listen des Bibliothekars Wolfgang Herrmann. Seine Listen wurden ständig ergänzt. 1935 fanden sich schließlich 12.400 Titel darauf – und das Gesamtwerk von 149 Autorinnen und Autoren.

Dann verlas die oben zitierte Jenaer Bürgerin Ruth Dorsch mehrere zeitgenössische Zeitungsartikel und zeichnete ein Stimmungsbild dieses Tages. „Festumzüge auf den Jenaer Straßen und Plätzen, Tanz, Bier und Bratwurst – und dazwischen Bücherverbrennung: Was für eine grauenhafte Mischung!“ Sie endete mit einem Satz ihres Lieblingsdichters Heinrich Heine: „Wer Bücher verbrennt, verbrennt auch Menschen!“.

Schülerinnen und Schüler der Jenaer Stoyschule verlasen anschließend „Anti-Feuersprüche“ und holten dann symbolisch die verfemten Bücher aus dem Feuer zurück. Auch ich beteiligte mich daran und verlas folgenden Spruch: „Gegen bornierten Nationalismus und reaktionäre Aktivitäten, gegen Spießertum, Militarismus und Faschismus. Ich entnehme den Flammen die Schriften von Kurt Tucholsky, Carl von Ossietzky, Oscar Maria Graf und Ludwig Renn.“


Lesung: „Es geschah am 13. Juli 2012″

Vor genau einem Jahr, am 13. Juli 2012 überfiel eine Gruppe Neonazis BesucherInnen einer Ausstellung vor dem Kunsthaus in Erfurt. Bei den anschließenden polizeilichen Maßnahmen wurde eine Streifenpolizistin schwer verletzt. Alle Zeugenaussagen bestätigen den rechtsradikalen Hintergrund der Täter, dennoch vergingen Tage bis alle offiziellen Stellen diesen Tatbestand bestätigen wollten.
Ich habe diesen Angriff zum Anlass genommen, mit einer szenischen Lesung alle Vorkommnisse während und nach Tat zu dokumentieren. Augenzeugen lasen aus Medienberichten, Veröffentlichungen, Interviews und weiteren Dokumenten. Das komplette Textbuch zu dieser Lesung finden Sie HIER.

Ich habe mich sehr über den großen Zuspruch zu dieser Veranstaltung gefreut. Fast 70 BesucherInnen drängten sich in den Räumen des Kunsthauses und dokumentierten ihre Solidarität mit den Betroffenen, allen voran Monique Förster und Dirk Teschner, dem Team vom Kunsthaus.

Ich machte am Ende der Veranstaltung noch einmal deutlich, worum es mir bei dieser Lesung ging: Bis heute wissen die Opfer des Anschlags nicht, wie die Justiz gegen die Täter vorgehen wird. Bis zum heutigen Tag ist keine Anklage erhoben, geschweige denn ein Täter verurteilt. Wenn der Staat die Opfer rechtsextremistischer Angriffe so allein lässt, dann ist das der große Skandal. Diese Lesung ist ein Appell an die Zivilcourage der Bürgerinnen und Bürger. Dieser Apell verpufft aber, wenn der Staat nicht selbst Gesicht zeigt und gegen die Nazitäter vorgeht. Sondern im Zweifelsfall diejenigen kriminalisiert, die Zivilcourage zeigen und sich den Nazitätern entgegen stellen. Der Fall Lothar König ist uns aktuell allen gegenwärtig.

Hier noch einige Impressionen von der Veranstaltung:

Die „Stadträte“ Erfurts v.l.: D. Adams, W. Beese, A. Blechschmidt, M. Plhak, K. U. Schierz

v.l. A. Neller, S. Font-Sala, D. Demming

r.: M. Henfling

K. Leary und der Regisseur der Lesung F. Sodann


10. April 2013: Stefan Heyms 100. Geburtstag in Erfurt und Chemnitz

Zunächst war ich zu Gast bei der Ordinationsfeier in der Erfurter Neuen Synagoge. Dort wurden mit Alexander Nachama und Adrian Michael Schell zwei neue Rabbiner berufen, die die Gemeinden in Hameln und Dresden betreuen werden. Und mit Isidoro Abramowicz und Nikola David wurden zwei neue Kantoren in ihr Amt eingeführt.
Anschließend war ich mit Franz Sodann im Thüringer Landtag, wo die Linksfraktion unsere Szenische Lesung „Stefan Heym – Einer, der nie schwieg“ aufführte.

An Heyms 100. Geburtstag trugen wir Essays, Kolumnen, Gedichte und Geschichten von, aus Dokumenten über und aus Interviews mit Stefan Heym vor. Bodo Ramelow, der Thüringer Fraktionsvorsitzende sagte zur Begrüßung, soviel jüdisches Leben wie am heutigen Tag habe es seit langem in Erfurt nicht mehr gegeben. Stefan Heym hätte sich heute in der Thüringischen Landeshauptstadt sehr wohl gefühlt. Dem kann ich nur zustimmen.

Im gut gefüllten Foyer des Plenarsaals hatten sich neben Kunst- und Kulturinteressierten auch Abgeordnete mehrer Fraktionen eingefunden. Besonders gefreut habe ich mich über den Besuch des neuen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde in Thüringen, Dr. Reinhard Schramm und dem Leiter des Abraham-Geiger-Kollegs, Rabbiner Prof. Walter Homolka bei unserer Lesung.


Neben Franz Sodann und mir lasen:
Birgit Keller, Sabine Berninger, Dirk Möller, Kersten Steinke, Bodo Ramelow und Birgit Klaubert (v.l.)

Anschließend ging es für mich nach Chemnitz, wo am Abend der Stefan-Heym-Preis an Christoph Hein verliehen wurde. Die Laudatio hielt Ingo Schulze: „Christoph Hein ist ein Autor, den ich als Leser fast von Beginn an erlebt habe. Wenn ich nicht die erste Auflage hatte, dann die zweite oder dritte, aber ich denke, ich habe wohl jedes seiner Bücher gelesen. Auf jeden Fall muss darüber gesprochen werden, dass Heym und Hein zu jenen gehören, die in verschiedenen Systemen den Mund aufmachten, die sich nicht als Sieger eingerichtet haben, obwohl sie auf genug Meriten verweisen könnten“, würdigte er den Freund und Kollegen Christoph Hein.
Preisträger Hein erzählte: „Ich war sehr berührt, als ich erfahren habe, dass ich den  Stefan-Heym-Preis bekommen soll. Zunächst wegen des Autors Stefan Heym, den ich für sein Werk sehr bewundere. Seine Romane zum Beispiel sind von einer hohen Intellektualität und haben trotzdem immer einen unterhaltenden Punkt. Als zweites wegen seiner Haltung in der DDR, wo er mit großem Rückgrat und großem Vergnügen, manchmal mit List und Tücke mit den Verhältnissen umging. Es war das große Selbstbewusstsein, das ihm eigen und gerade in der DDR eine Tugend war. Und als drittes, weil ich ihn und seine Frau persönlich kennen lernen durfte und mich daran erinnere, wie wunderbar er vom Leben in den verschiedenen Staaten sprach, in denen er gelebt hatte.“


Wir müssen Religionen verstehen

Das war Motto und zugleich Fazit meiner Veranstaltung gestern Abend in Weimar. In kleinem aber feinem Kreis lebte an Goethes Wirkungsstätte der Geist des „West-Östlichen Divans“ wieder auf:

„Herrlich ist der Orient
übers Mittelmeer gedrungen
Nur wer Hafis liebt und kennt,
weiß was Calderon gesungen.

Wer sich selbst und andre kennt
Wird auch hier erkennen
Orient und Okzident
sind nicht mehr zu trennen.“

Zur Vorgeschichte dieser Veranstaltung:

Vom 16. bis 21. September reiste ich mit dem Unterausschuss Auswärtige Kulturpolitik nach Marokko und Tunesien. Hintergrund waren Appelle tunesischer Künstler, die auf ihre Situation in der gegenwärtigen Umbruchsphase in ihrem Heimatland aufmerksam machen wollten. Die Reise fand unter schwierigen Vorzeichen statt: nach der Attacke auf die amerikanische Botschaft, die ihrerseits auf den unseligen Film zurückzuführen war, der, im Namen der Meinungsfreiheit religiöse Gefühle verletzend,  Mohammed karikiert. Um die Lage in Tunesien, einem „Land des Arabischen Frühlings“ besser in ihrem regionalen Kontext vergleichen zu können, hatten wir uns entschlossen, auch Marokko zu besuchen, das sich auf einem „Dritten Weg“ sieht, einem Weg zur repräsentativen Monarchie mit arabischem Antlitz.

Wegen der offensichtlichen Aktualität des Themas hatte mein Kreisverband Apolda-Weimar mich gebeten, von dieser Reise zu berichten. Also las ich an einem verschneiten Weimarer Oktoberabend im gemütlichen Gewölbekeller der Stadtbücherei aus meinen Tagebüchern über eine doch oft für uns nur schwer vorstellbare Welt (siehe Tagebücher). Auch im Publikum war dieser „andere“ Kulturkreis vertreten.  Dass unsere Welten historisch zusammengehören, dass Orient und Okzident zusammenkommen können und müssen, war jedoch beeindruckender Konsens unserer anschließenden Diskussion. Wichtige Fragen des Meinungsaustauschs waren die nach dem innewohnenden Toleranzgedanken des Islam versus radikale Strömungen wie auch nach dem Reformationsbedarf bzw. der Reformierbarkeit von Religionen im Allgemeinen. Was ist der Weg zum Frieden und die Gegenidee zur Formierung neuer „Blöcke“ in der Welt? Unsere gestrige „Diskussionsgemeinschaft“ war mit mir der Meinung, dass der Weg zum Verständnis (anderer) Religionen und Kulturen nur auf dem Kennenlernen, der Kenntnisaneignung beruhen kann. Um zu verstehen, können wir nicht aus der Position der Ignoranz heraus agieren: dies betrifft sowohl das Lernen über fremde Kulturen und Religionen wie auch das Hineinfühlen in Religiosität überhaupt.

Von Weimar, in dem mit Goethes „West-Östlichen Divan“ schon einmal auf diese Notwendigkeit und bereichernde Chance hingewiesen wurde, das mit seiner einzigartigen Geschichte aber auch an die Schrecken einer Welt der Ignoranz und Intoleranz erinnert, sollte in dieser Hinsicht ein Signal ausgehen – darin waren sich die Anwesenden einig und wir verließen den Raum mit dem Gefühl, von hier aus vielleicht Zukunft zu gestalten.


„LINKE Sehnsucht nach Tradition“


Die szenische Lesung des Programmes der Sozialdemokratischen Partei von 1891 auf dem Erfurter Parteitag der LINKEN hat für einigen Wirbel gesorgt. Aber die Wurzeln der SPD sind auch die der LINKEN. Das habe ich gemeinsam mit Franz Sodann versucht mit dieser Lesung zu verdeutlichen.
Diese Lesung hat die Thüringer Landeszeitung zum Anlass für einen langen Artikel genommen.
Dort werde ich zitiert: „Die kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Deutschen Bundestag, Luc Jochimsen, erklärte, das Programm bilde das gemeinsame Fundament der Linken. 1891 habe sich die Linke den Namen SPD gegeben. Später habe diese sich aufgeteilt in Sozialdemokraten, Sozialisten und Kommunisten.”

Den gesamten Artikel können Sie[HIER] nachlesen.

Tagebuch:

Die TA, die auf Seite 1 unter der Überschrift „SPD-Chef bezeichnet Lafontaine als sektiererischen West-Linken“, darauf hinweist, dass die Linke in Erfurt ihr erstes Grundsatzprogramm beschließen will, beginnt dann auf Seite 2 ihre Berichterstattung über den Beginn des Parteitages so:

 

 

 

 

Genau. So sehen wir das. Und deshalb ist im Programm auch von einem „Willy-Brandt-Kongress“ für Katastrophenhilfe die Rede und Gregor Gysi sagte in seiner Rede über den verehrten Willy Brandt, der zuvor dem Radikalen –Erlass zugestimmt und zum Vietnam-Krieg geschwiegen habe – aber: beides später bereute! „Ab heute gehört er uns!“
Ja, es war ein Parteitag; der auf dem Fundament der Traditionen ein Programm für heute erarbeitete – Kapitel für Kapitel – und verabschiedete mit der imposanten Zustimmung von 96,6 Prozent. Und es ist richtig, was Oskar Lafontaine zum Schluss sagte „Wir haben jetzt das modernste Partei-Programm“ in diesem Land.
Übrigens mit der dichterischen Präambel: dem Gedicht von Bertolt Brecht Gedanken eines lesenden Arbeiters. Ja, wer baute das siebentorige Theben? Stellt sich diese Frage heute nicht genauso wie damals als Brecht diese Zeilen schrieb? „Wir werden gebraucht wie niemals in der Geschichte“ hat Oskar Lafontaine zum Schluss des Parteitages gesagt und: „Wenn einer in der Kneipe sagt „Du bist bei der Linken? Dann duckt euch nicht, sondern sagt: Du noch nicht?! So machen wir das in Zukunft“ – Besseres lässt sich vom Erfurter Parteitag der Linken 2011 nicht mit nach Hause nehmen.


Die szenische Lesung des ERFURTER PROGRAMMS „1891/2011″

Jetzt endlich ist es soweit. Der lang geplante Programmparteitag wird nun heute in Erfurt eröffnet.
Nach dem Grußwort des Landes- vorsitzenden Knut Korschewsky und der Rede von Gesine Lötzsch, wird die Szenische Lesung des Erfurter Programms um 14 Uhr stattfinden.

WARUM UND ZU WELCHEM NUTZEN lesen wir öffentlich DAS ERFURTER PROGRAMM von 1891 auf unserem Programm-Parteitag?

Wann wird Geschichte lebendig? Wenn wir an den Ort zurück- kehren, wo Geschichtliches gedacht, erarbeitet, formuliert wurde. Und wenn wir darüber hinaus ein Datum erleben, welches Erinnerung geradezu aufruft: Erfurt im Oktober 2011 ist ein solcher Ort und ein solches Datum: Ein Parteitag der ein Programm schaffen soll. 110 Jahre nachdem die Mutterpartei der heutigen Linken, dies ebenfalls getan hat. Denn das ist das geschichtliche Spiegelbild zu heute: Erfurt im Oktober 1891 und das damals erarbeitete ERFURTER PROGRAMM der sozialdemokratischen Partei.

Partei-Programme sind Chiffren, nach über hundert Jahren sind sie meistens bestenfalls legendär. Können sie uns heute noch etwas bedeuten? Das werden wir erleben. Der knappe Text, nicht mehr als vier Seiten, aufgeteilt in Programm und zehn Forderungen hat es hammerartig in sich. Er wurde ja auch von einem Redaktionsteam geschrieben, das sich sehen lassen kann: Bebel, Bernstein, Engels, Kautsky und Wilhelm Liebknecht…

Es ging in der Welt von damals um die Welt von heute – ihre ökonomische und humane Misere und die möglichen Auflösungen dieser Misere: der Schaffung einer gerechten Wirtschaftsdemokratie.

DAS ERFURTER PROGRAMM konstatiert:

-         „Ein riesenhaftes Wachstum der Produktivität der menschlichen Arbeit…“
-         „Immer massenhafter wird die Armee der überschüssigen Arbeiter,  immer schofter der Gegensatz zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten…“
-         „Der Abgrund wird noch erweitert durch die Krisen, die immer umfangreicher und verheerender werden…“
-         „Die allgemeine Unsicherheit wird zum Normalzustand der Gesellschaft…“
-         „Das Privateigentum ist heute zum Mittel geworden, die Nicht-Arbeiter in den Besitz des Produkts der Arbeiter zu setzen…“
Da wird Geschichte lebendig und bildet ein Fundament für ein Programm der Zukunft! weiterlesen …


Mit Kultur ging es weiter … auf unserem Neujahrsempfang in Weimar

Freitag, kurz nach 18 Uhr im Jugendtheater stellwerk: Gabi Zimmer, MdEP; Dirk Möller, Fraktion DIE LINKE im Weimarer Stadtrat; Jan Tampe, Kreisverband DIE LINKE.Apolda/Weimar und ich eröffnen unseren diesjährigen Neujahrsempfang – und jeder von uns gab seinen ganz persönlichen und der jeweiligen politischen Ebene entsprechenden Rückblick auf das vergangene und Ausblick auf das vor uns liegende Jahr. Anschließend gaben wir die Bühne frei für meinen „Kollegen Kandidaten“ und Schauspieler, Peter Sodann, und seinen Sohn Franz, ebenfalls Schauspieler, mit einem Auszug ihres Programms „Wenn der Vater mit dem Sohne … Klassische Konflikte“ – Dialoge und Gedichte der Klassiker.

Mir war es in meiner kleinen Rede wichtig – gerade hier in Weimar, wo Kultur eine so wichtige Rolle spielt – darauf hinzuweisen, dass es die Linksfraktion im Bundestag war, die 2010 einen Antrag zur Kultur in der Krise eingebracht und sich für einen Nothilfefonds für die Kommunen stark gemacht hat, damit diese auch in der Krise ihrem Kulturauftrag nachkommen können. Denn für uns gehört Kultur zur Daseinsfürsorge und hält eine lebendige Demokratie aufrecht. Insofern müssen wir die Regierung immer wieder an ihre Verantwortung gegenüber den Kommunen erinnern – auch 2011.


Turbulent ging dieses Jahr los. Es zählt nur wenige Tage und schon will uns die CSU verbieten – aus Angst vor uns … Auf dem Politischen Jahresauftakt am vergangenen Montag in Berlin habe ich in meiner Begrüßung den Bayerischen Verfassungsschutz begrüßt. An diesem Freitag im Weimar wird er wohl nicht zu Gast gewesen sein… Wir befinden uns mitten in der Programmdebatte und ich kann nur sagen: jede lebendige Diskussion ist willkommen, ja sie ist sogar notwendig. Es kann nur im Dialog funktionieren. Mein Credo für heute und dieses Jahr: WIR SIND DA – UND WIR WERDEN IMMER BESSER !!!

BITTE LESEN UND WEITERSAGEN !!!

Mit Weimars Oberbürgermeister Stefan Wolf



Eisenach: „Künstler in der Krise!?“

Eisenach1
der Eisenacher KUNST Pavillon

Der Abschluss meiner Sommertour fand in Eisenach statt. Und der Abend entwickelte sich zu einem echten Höhepunkt. Zunächst wegen des Ortes: Der Kunstpavillon in Eisenach ist der ehemalige Schauraum der Wartburgwerke. „Heute Abend dreht sich im wahrsten Sinne des Wortes alles um die Kultur“ schmunzelte Peter Schäfer, ein bildender Künstler aus Eisenach, der den Kunstpavillon betreibt. Denn das Podium wurde auf der mitten im Raum befindlichen Drehscheibe installiert, auf der früher das jeweils aktuelle Automodell präsentiert wurde.

Eisenach2Und dann natürlich wegen des Besuchs: Mehr als fünfzig Interessierte waren gekommen, darunter auch meine Bundestagskollegin aus Hessen, Sabine Leidig. Sie alle beteiligten sich nach der Eröffnung durch die lokale Landtagsabgeordnete der LINKEN, Katja Wolf und einer musikalischen Einstimmung durch die Musikschule Eisenach an einer äußerst lebhaften Gesprächsrunde. Dabei wurde nicht nur mit den Podiumsgästen sondern auch untereinander viel diskutiert.

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Kultur-Diskussion in Meiningen am Sonntag

Meiningen1
Johannes Roesch vom Verein NEKST

In der Residenzstadt Meiningen war die erste öffentliche Diskussionsrunde der Sommertour geplant. Im Kunsthaus Meiningen ging es um die Frage: „Die Krise ist überall – wie kann die Kunst überleben?“ Gemeinsam mit meinem Kollegen Jens Petermann – der hier übrigens direkt gewählt wurde! – hatten wir uns interessante Gäste eingeladen: Ansgar Haag, den Doppelintendanten der Theater in Meiningen und Eisenach, Volker Kern, Museumsleiter und Stadtrat in Meiningen und Johannes Roesch vom Verein NEKST, der das Kunsthaus Meiningen betreibt.

Meiningen2
Ansgar Haag und Jens Petermann

Und wir bekamen Interessantes zu hören. Meine Eingangsfrage lautete, ob Meiningen nicht so etwas wie die Insel der Kulturglückseligkeit sei: ein Theater mit Orchester, ein Theatermuseum und eine freie Kunstinitiative, die erfolgreich und ohne staatliche Zuschüsse das Kunsthaus betreibt. Der Stadtrat Kern stellte diesen Eindruck schnell in Frage. Er beschrieb den Kampf und die Überzeugungsarbeit, die geleistet werden musste, bis die Stadt das Kunsthaus gekauft und dem Verein NEKST zur Verfügung gestellt hatte: „Am Schluss gab es im Stadtrat eine, sogar sehr knappe, Mehrheit dafür. Wir hatten eingesehen, das es Sinn macht, eine Immobilie zur Verfügung zu stellen, die dann von ehrenamtlichen Helfern und Künstlern mit Leben erfüllt wird. Und das ohne elementare städtische Hilfe.“ weiterlesen …


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