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Café Gedanken frei


So heißt die Matinee, die ich seit 2007 jeden dritten Sonntag eines Monats im Weimarer Bürgerbüro veranstalte: Nachdenken, voraus denken, alte und neue Gedanken, Querdenker, Kontroversen…

Die gute Nachricht: Die Spenden sind angekommen!

Eine sehr gute Nachricht erreichte heute, einen Tag vor Weihnachten, mein Bürgerbüro in Erfurt: Die 242 Euro Spenden für das BIR-Hospital in Katmandu wurden überwiesen und stehen nun den HelferInnen in Nepal zur Verfügung. Diese Summe war während eines Vortrages zustande gekommen, den die Textilgestalterin im Rahmen meiner Café Gedanken frei Matinee im Dezember in Weimar gehalten hatte. Für das Geld werden jetzt Medikamente gekauft, die an Arme und Bedürftige kostenlos abgegeben werden. Ein herzliches Dankeschön an Frau Drasdo und an die SpenderInnen.


Café Gedanken frei: Von Thüringen auf das Dach der Welt

Das letzte Café Gedanken frei in diesem Jahr war ein ganz besonderes. Das war auch den knapp 40 Gästen, darunter viele neue BesucherInnen, bewusst, die am Sonntagmorgen den Weg in das Jugend- und Kulturzentrum „Mon Ami“ in Weimar gefunden hatten.

Zu Gast bei Gabi Zimmer und Dirk Möller war Ulrike Drasdo, die Bildweberin und Textilgestalterin aus Hohenfelden.

Nach einem kurzen Film, der ihre künstlerische Arbeit und die Gestaltung der Wandbehänge am Webstuhl dokumentierte, gab sie einige Auskünfte über sich und ihren Lebensweg. Wie kommt man dazu, Textilgestalterin zu werden, lautete eine Frage. Eine Krankheit war der Auslöser, Rückenprobleme ließen eine Weiterarbeit im erlernten Beruf der Physiotherapeutin nicht mehr zu. In der Ausbildung zur Textilgestalterin fand sie anschließend ihre Lebensaufgabe.

Und was bewegt eine Textilkünstlerin, sich auf das Dach der Welt zu begeben? Eine Expedition zur Erforschung der Höhenkrankheit führte sie 2002 erstmals in das Himalaya-Gebiet und sie begann sich nicht nur für die Natur sondern insbesondere für die Menschen zu interessieren. „Bereist 1 km neben den Touristenpfaden herrscht tiefstes Mittelalter“ so Drasdo zu Beginn ihres Diavortrags.

Insbesondere die Straßenkinder, darunter viele Mädchen, machten sie betroffen. „Viele Mütter, die von ihren Männern verlassen werden, müssen ihre Kinder auf die Straße schicken, da sie sie nicht mehr ernähren können. Und da Frauen und Mädchen in der nepalesischen Gesellschaft noch immer weniger zählen als Männer, sind besonders viele Mädchen von diesem Schicksal betroffen.“ weiterlesen …


„Café Gedanken frei“

Ein besonderer Tag: Totensonntag mitten in einer Zeit der schrecklichen Erkenntnisse, dass Nazis jahrelang von Thüringen aus und immer wieder in Thüringen eine mörderische Spur durch unser Land zogen – unerkannt.
Wir begannen unsere Veranstaltung mit einem Gedenken an die Ermordeten und waren uns einig, an diesem Tag nicht nur das geplante Thema abhandeln zu können: „Thüringen – und sein rot-roter Sonderweg“, sondern auch zu reden hätten über „Thüringen – der braune Sonderweg.“

Im übrigen hatte das eine Thema viel mit dem anderen zu tun. Der Neuanfang von Kommunisten und Sozialisten nach dem Krieg war wesentlich von den Erfahrungen der Akteure in der Nazizeit und im Zweiten Weltkrieg geprägt. Eine wichtige Rolle spielte dabei der Buchenwaldhäftling und Sozialdemokrat Hermann Brill. Steffen Kachel, ehemaliger Thüringer PDS-Landtagsabgeordneter und zur Zeit Vorsitzender der LINKEN in Erfurt, hat in seinem Buch „Ein rot-roter Sonderweg“ diesen Neuanfang nachgezeichnet. Kachel las in Auszügen aus seinem Buch und es ging zunächst um die Rolle Brills, der von den Amerikanern Mitte 1945 zum Regierungspräsidenten  in Thüringen ernannt worden war. Brill, Mitbegründer des Bundes demokratischer Sozialisten, vertrat die Auffassung, dass nur eine Einheitspartei der Werktätigen die Konsequenz aus dem Versagen von SPD und KPD im Angesicht des Faschismus sein könne. Schon im April 45 führte er dazu Gespräche mit Thüringer KP-Vertretern. In der sich neu formierenden KPD jedoch war der Wille, eine gemeinsame Partei zu formen, nicht sehr stark vorhanden. Hier wurde der Weg zu einer Einheitspartei unter Führung der Kommunisten präferiert. Mit dem Besatzerwechsel im Juli 45 wurden diese Bemühungen weiter forciert, Brill wurde als Regierungschef abgesetzt. Nachdem gegen Ende des Jahres klar wurde, das Brills Vorstellungen von einer gemeinsamen Partei keine Chance bei den Sowjets hatte, verließ dieser Thüringen in Richtung Hessen. Kachel betonte, dass der gemeinsame Weg von Sozialisten und Kommunisten immer auch von der Einschätzung der Besatzungsmächte abhängig war. Mit dem Betreiben einer deutschen Zweistaatlichkeit war auch eine neue, unabhängige Partei der Werktätigen endgültig unmöglich geworden. weiterlesen …


Café Gedanken frei mit Felix Leibrock

Die Gäste des Cafés Gedanken frei erlebten eine humorvolle und zum Nachdenken anregende Lesung. Mein Gast war der Pfarrer Felix Leibrock. Er saß nicht starr auf dem Podium und las aus seinem neuen Buch „Lutherleben – Ein Reformation-Roman“, vielmehr illustrierte er es mit vielen Worten, Gesten und „Bildern“ auf satirische Art und Weise. Er zeigte wie man mit dem Thema Religion umgehen kann und was seiner Meinung nach der Kirche fehlt: nämlich Humor! Es sollte nicht mehr eine Kirche bloßer Ordnungen sein – NEIN – vielmehr eine Kirche, die von Emotionen geprägt ist, so Leibrock.

Es wurde sehr angeregt über die Rolle der Religion diskutiert. Religion, so Luc Jochimsen, spielt eine maßgebliche Rolle, mit der wir uns unbedingt auseinandersetzen müssen. „Wir brauchen uns nur die Aufstände in Nordafrika ansehen. Da spielt die Religion eine sehr wichtige Rolle. Wir müssen deshalb nicht selbst religiös werden, aber wir müssen verstehen, was und wie es die Menschen bewegt“.

Leibrock betonte, dass wir auch heute von Luther lernen sollten, z.B. sich bestimmter – überholter – Ordnungen zu entledigen. Oft ist er aber auch deshalb in der eigenen Kirche großer Kritik ausgesetzt. Die Angst vor Veränderung und inhaltlicher Auseinandersetzung prägt das Handeln – oder Verharren – vieler Kollegen. Er beklagt, dass Luther sehr oft nur als touristischer Magnet benutzt wird und selten Grundlagen für wichtige Diskussionen z. B. zu Religion, Freiheit aber auch Toleranz anderen gegenüber ist.

Die Veranstaltung endete mit einer musikalischen Premiere: Edda Wachler, Pianistin aus Weimar, spielte zum Abschluss ein Klavierstück von Franz Liszt. Vielen Dank dafür!


Café Gedanken frei nach der Sommerpause!

(v.l.n.r.) Gabi Zimmer, Rosemarie Schuder, Andreas Peter

Die Gäste des ersten Café Gedanken frei nach der Sommerpause erlebten gestern eine großartige Lesung. Das Leben und Schicksal der in Weimar größtenteils unbekannten Sängerin und Schauspielerin Corona Schröter lockte zahlreiche Besucher in die Eckermann Buchhandlung. Denn dort stellten Rosemarie Schuder und Andreas Peter ihr neues Buch „Goethes schöne Krone – Corona Schröter und ihr Denkmal in Guben“ vor.
Nur Wenigen ist die Bedeutung Schröters für Weimar und insbesondere für Goethe und Carl-August, dem Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach, bekannt. Es gelang ihr durch ihre Schönheit und Begabung beide in ihren Bann zu ziehen. So ist zum Beispiel bis heute ungeklärt, ob Goethe die Rolle der Iphigenie auf Taurus für Charlotte von Stein oder für Corona Schröter schrieb.
Nach dem die Autorin verschiedene Passagen ihres Buches gelesen hatte, fragte Dirk Möller, der Vorsitzende der Stadtratsfraktion der Linken, welche Beweggründe Schuder hatte, ein solches Buch zu schreiben. Schuders Interesse an Corona Schöter wurde durch den Nachruf des Theologen und Schriftstellers Daniel Falk ausgelöst. Einfühlsam und kenntnisreich beschreibt er darin, wie die Schauspielerin nach anfänglichem Ruhm und allseitig entgegengebrachter Bewunderung mit zunehmendem Alter an Bedeutung verlor und schließlich vereinsamt in Ilmenau starb.
„Aber warum soll an alter Stelle wieder ein Denkmal für Schröter in Guben errichtet werden?“, fragte einer der Gäste in der Diskussion. Darauf antwortete Andreas Peters, Mitautor und Verleger des Buches, mit einem Zitat Goethes: „Manches Herrliche der Welt ist in Krieg und Streit zerronnen; wer beschützet und erhält, hat das schönste Los gewonnen.“


„An der Saale hellem Strande“

Am letzten Wochenende im Juni gab es zwei Ausgaben des „Café Gedanken frei“ – einmal in Erfurt am Sonnabend im Kino am Hirschlachufer und in Weimar im Kino „MonAmi“ am Sonntag.

Gezeigt wurde der Film „An der Saale hellem Strande“. Dieser beschreibt die Geschichte des Kulturhauses der ehemaligen Buna-Werke in Schkopau. Darsteller, Klubhausleiter, Mitarbeiter, u.a. erzählen über die hoffnungsvollen Anfänge, die alltägliche Umsetzung und den Zusammenbruch der Kulturarbeit in der DDR. In eindrucksvollen Bildern wurde beschrieben, wie in Schkopau der Versuch gemacht wurde, Arbeit und Kultur zu vereinen.

Peter Goedel, Helga Storck und André Blechschmidt

Aber der Film selbst stellte nur die eine Hälfte der Veranstaltung dar. Die beiden Abgeordneten hatten auch die Regisseure des Films, Helga Storck und Peter Goedel nach Erfurt und Weimar geholt. Gemeinsam mit dem Landtagsabgeordneten, André Blechschmidt (DIE LINKE), diskutierten die beiden FilmemacherInnen anschließend über ihr Werk und mit dem Publikum.

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China! China! China! Welchen Wert hat „Die chinesische Karte“?

Am Sonntag stand das „Café Gedanken frei“ ganz im Zeichen Chinas. Dirk Möller und ich hatten den Asienexperten und Autor Wolfram Adolphi mit seinem aktuellen Buch „Die chinesische Karte“ zu Gast.

Darin geht es unter anderem um die Aufarbeitung der deutschen Wende und der Geschehnisse auf dem Tian‘anmen-Platz, jeweils aus Sicht derer, die den jeweiligen Staat repräsentieren. Warum gab es in Deutschland einen friedlichen Umbruch, während er in China blutig niedergeschlagen wurde? Die Romanfiguren Adolphi’s wissen darauf auch keine eindeutige Antwort. Aber sie beschäftigen sich anhand dieser Fragen auch mit sich selbst: Welchen Einfluss hatten sie? Was bedeutet – aus der zeitlichen Ferne betrachtet – die Tätigkeit für die Stasi heute?

„Die chinesische Karte“ ist der dritte Band von Adolphi’s China-Reihe. Im ersten Band („Chinafieber“ 2004) beschäftigte er sich mit den deutsch-chinesischen Beziehungen in den 1930er und 40er Jahren, im zweiten („Chinatraum“ 2007) mit den 1980er und beginnenden 1990er Jahren.

In der anschließenden Diskussion wurde Adolphi auch zur augenblicklichen Situation in China befragt. Aus seiner Sicht gibt es in China zwei Grundauffassungen: Für die einen ist der Kapitalismus nicht die Lösung für die chinesischen Probleme, die anderen dagegen wollen eben mit der kapitalistischen Logik eine führende Rolle Chinas in der Welt erobern.


Ist das politische Kabarett noch zu retten?

Uli Masuth beim Café Gedanken frei

Im „Café Gedanken frei“ am vergangenen Sonntag wurde viel gelacht – „Schuld“ daran war der Kabarettist und Wahl-Weimarer Uli Masuth. Auch im Namen von Gabi Zimmer und mir begrüßte Dirk Möller, der diesmal durch den Vormittag führte, unseren Gast.

Gleich zu Beginn stellte er klar: „Darf man in einer Zeit der Katastrophen lachen? Man darf! Und sei es mit schlechtem Gewissen.“ Dann folgten einige Kostproben aus seinem neuen Programm „Ein Mann packt ein.“ Es ging um den Rückzug des Männlichen in vielen Facetten, in der Politik, in der Kultur und natürlich in der Familie.
Anschließend gab er im Gespräch einen Einblick in das Leben eines Kabarettisten. „Woher nehmen sie ihren Stoff?“ Masuths Antwort: „Sie beobachten, hören zu, sortieren ein. Dabei ist Schwarz-Gelb ein Segen für die Kabarettisten. Da werden die Pointen gleich druckreif geliefert.“ weiterlesen …


Das „Café Gedanken frei“ am Sonntag in Weimar: In welcher Verfassung ist Thüringen?

Gabi Zimmer und ich hatten die Richterinnen am Thüringer Verfassungsgericht Iris Martin-Gehl (2.v.r.) und Petra Pollak (2.v.l.) zu Gast und diskutierten über die Rolle des höchsten Gerichts in Thüringen.
„Richter haben Macht. Verfassungsrichter haben besonders viel Macht. Sie machen nämlich mit ihren Urteilen Politik.“ Mit diesem Zitat von Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung zum Verfassungsgericht in NRW konfrontierte ich zum Einstieg die beiden Gäste und verband dies mit der Frage, ob das Landesverfassungsgericht (LVG) ein politisches Gericht sei. „In gewisser Weise schon“, sind sich die ehrenamtlichen Richterinnen, die beide selbständige Rechtsanwältinnen sind, einig. Martin-Gehl brachte es auf den Punkt: „Die Hauptaufgabe des LVG besteht darin, die Thüringer Gesetze auf die Vereinbarkeit mit der Thüringer Landesverfassung zu überprüfen.“ weiterlesen …


„Mit freundlichen Grüßen“ …

 

„Seit 15 Jahren korrespondieren ein ehemaliger Staatsanwalt Ost und ein Politiklehrer West“. Christina Matte vom Neuen Deutschland war vergangenen Sonntag mit einem Fotografen in unser „Café Gedanken frei“ nach Weimar gereist und berichtet nun im WochenND über diese Veranstaltung, und die Geschichte von Klaus Stenzel und Hans Christange.

Foto: Joachim Fieguth

„Bis vor Kurzem hatten sie weder telefonischen noch persönlichen Kontakt. Nun bereits ihre zweite Begegnung: Hans Christange (r.) und Klaus Stenzel trafen sich auf Einladung der Linkspolitikerinnen Luc Jochimsen und Gabriele Zimmer in Weimar. Sie lasen aus dem Briefwechsel, den sie nunmehr seit 15 Jahren pflegen und soeben in Teilen veröffentlichten.“

Der Artikel ist unter www.neues-deutschland.de nachzulesen.

Am Ende schreibt die Redakteurin: „Irgendwann dann die Erkenntnis: »Offensichtlich werden wir stets aneinander vorbeireden.« Wozu dann der ganze Aufwand, die Aufregung, die Kraftanstrengung? Das fragten am vergangenen Sonntag auch Luc Jochimsen und Gabriele Zimmer. Mit Christanges und Stenzels Antwort zeigten sie und die Gäste sich zufrieden: Wenn sie zu streiten aufhörten, würde ihnen etwas fehlen. In diesem Punkt waren sie sich einig. Den Standpunkt des jeweils anderen auszuhalten, zu ertragen, sei zutiefst demokratisches Gebaren. Na bitte, es geht doch.“


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