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Arbeit in Thüringen

Gedenkstätte Andreasstraße – Erinnern heißt auch hier: Nichts vergessen!

Dritte und letzte Station in dieser Woche war Erfurt. Hier war ich mit Jochen Voit verabredet, dem Leiter des Lern- und Gedenkortes Andreasstraße. Hier befindet sich ein Gefängnisgebäude, das im Laufe der letzten 100 Jahre von allen Herrschern und Systemen zum Einsperren von Kriminellen und (vermeintlichen) politischen Gegnern benutzt wurde. Dieses Gefängnis ist eng mit dem daneben liegenden Gerichtsgebäude verbunden, diente lange Jahre als Untersuchungsgefängnis.

Ich habe die Geschichte dieses Ortes und die Diskussion um den Gedenkort sehr aufmerksam verfolgt. Wenn ein Ort viele geschichtliche Epochen erlebt hat, ist es schwierig, ihn nur auf eine einzelne zu reduzieren. Aber für viele ist die Andreasstraße vor allem ein Symbol für die staatliche Willkür der Stasi in der DDR. Deshalb, so erläuterte mir Herr Voit, steht diese Epoche im Vordergrund des Konzeptes des Gedenkortes. Er möchte aber mehr zeigen als nur das Leiden im Gefängnis selbst. Er möchte auch das gesellschaftliche Umfeld thematisieren. Ich finde diesen Ansatz richtig und würde ihn gern erweitern. In der Erfurter Andreasstraße besteht die Chance, ausgehend von der jüngsten Vergangenheit, staatliche Repression in weiteren Schichten freizulegen. Über die DDR hinaus in die Nazizeit und auch in den kaiserlichen Unterdrückungsapparat. Ein spannendes Projekt. Ich bleibe dran und erwarte voller Interesse die öffentliche Präsentation ab dem 03. Dezember 2012.


Zu Gast bei der Oberbürgermeisterin und die Veranstaltung „Es müntzert immer noch“

Die zweite Station meiner Thüringenwoche war gestern Eisenach. Zunächst machte ich einen „Antrittsbesuch“ im Rathaus bei Katja Wolf, der ersten linken Oberbürgermeisterin Thüringens. Im Gespräch wurde schnell klar: es gibt fast keine Handlungsspielräume. Das Geld ist nicht nur knapp, sondern eigentlich alle. Und trotzdem sind die Erwartungen an „Die Linke Katja“ riesig. Denn sie soll es jetzt richten. Entspricht sie den Forderungen nicht, heißt es schnell: „Da hat sich ja nichts verändert“. Oder: „Dafür haben wir den Wechsel nicht gewählt“. Es ist wie so oft: wenn der Karren metertief im Dreck steckt, fast alle Ressourcen verschleudert und zahllose ungedeckte Schecks auf die Zukunft ausgestellt wurden, dann werden die Linken gewählt. Denn schlimmer geht es ja nicht. Aber leider haben unsere KandidatInnen keinen „Harry Potter“ im Gepäck, der Wunderdinge vollbringen kann…

Trotz der Probleme war es ein konstruktives Gespräch: ich werde mich bei unserem Fraktionsverein für einen Antrag zugunsten des „Theater am Markt“ in Eisenach stark machen. Ein lohnendes Projekt, hoffentlich retten wir es. Es fehlen 25.000 € Eigenanteil, den die Stadt bisher aus Stiftungsgeldern aufbrachte. Aber die Zinsen sinken und damit brechen auch die Stiftungseinnahmen weg… Und ohne Eigenmittel keine Landesförderung. Ein Teufelskreis.

Jetzt werden ganz viele Sponsoren gesucht, um das Geld zusammen zu bringen.

Und vielleicht können wir im nächsten Jahr ein „Kultur neu denken“ in Eisenach machen… Die Verhandlungen laufen jetzt auf jeden Fall.

Am Abend „müntzerte“ es bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Auf Einladung der Stiftungsgruppe in der Wartburgstadt sprach ich im altehrwürdigen „Augustinerbräu“ (das Haus gibt es seit 1328!) zur Rolle Müntzers in der Gegenwart. Müntzer ist nach wie vor das Stiefkind der Lutherdekade. Er wird nicht nur nicht erwähnt, er findet schlicht nicht statt. Eine Nachfrage bei der Evangelischen Kirche in Deutschland ergab: Nicht EINE Veranstaltung zu Müntzer. Ich appellierte an die fast 40 BesucherInnen: „Wer, wenn nicht wir kann Müntzer in die aktuelle Diskussion einbringen, kann ihn aktuell interpretieren. Ich sehe niemand anderen als DIE LINKE!“. Aber wie?

Dazu las ich einige Passagen aus dem aktuellen Buch von Volker Braun „Die hellen Haufen“. Die Realität der Vereinigungsfolgen wird darin zur Fiktion. Hier wird der Müntzer zum Mintzer, wird von der Parteihochschule in die Realität delegiert, findet sich wieder inmitten der arbeitslosen Kombinatsarbeiter der Neunziger in Mitteldeutschland. Und am Ende werden „Die Mansfelder Artikel von den gleichen Rechten aller“ nicht nur an eine Kirchentür, sondern an alle Rathäuser genagelt.

Auf diese bezogen sich in der nachfolgenden sehr lebhaften Diskussion viele Beiträge. Es ging um die „Enteignung der Werktätigen“ nach der Wende, um das sehr differenzierte Bild von und auf Luther und Müntzer („Aus heutiger Sicht ist Luther für mich ein Sozialdemokrat und Müntzer ein LINKER“) und um die unterschiedliche Stellung zur gesellschaftlichen Ordnung der beiden: „Luthers Freiheit war die zwischen der Person und Gott, nicht aber die zwischen Knecht und Herr“. Nachdenkliche Beiträge wiesen auch auf die Rolle Luthers hin („Wenn es die lutherische Reformation nicht gegeben hätte, sähe die Welt heute anders aus“) und auch die Frage nach der Haltung zur Gewalt, damals, gestern und heute, wurde ausgiebig diskutiert.

Rückblickend ein interessanter und spannender Disput – die Fahrt nach Eisenach hat sich auf jeden Fall gelohnt.


Nachtrag: Aus dem Eisenacher Referat am 1. November:

„Es müntzert weiter“ – das stimmt nicht wirklich. Anfragen bei der Evangelischen Kirche in Deutschland zur Reformations-Dekade ergeben: Luther, Luther, Luther… und nix anderes.
Andererseits: hier in Thüringen sieht es ein wenig anders aus.

Gestern zum Beispiel: Exkursion nach Heldrungen, der Wasserburg, in der Müntzer gefangen gehalten und gefoltert wurde. Die Burg wird aufwändig saniert, ist Jugendherberge. Und der Herbergsvater ist auf rührende Weise dabei, wieder ein kleines Müntzer-Museum aufzubauen. Die Müntzer-Gedächtnisstätte gab es bis zur Wende, dann verschwand sie buchstäblich in den Keller-Verließen. Nun hat er Dokumente, Bilder, Geschichten wieder hervorgeholt und in einem Korridor in Vitrinen ausgestellt und versucht, die Jugendlichen und Kinder und ihre Erzieher wieder mit der Gestalt Müntzer „bekanntzumachen“ – das liegt ihm am Herzen, „an diesem Ort“ wie er sagt. Ein Beispiel.

Ein zweites.
Gestern Abend im Panorama-Museum in Bad Frankenhausen: PANORAMA Tanz. Das Theater Nordhausen und das Loh-Orchester Sondershausen präsentieren ein Ballett von Jutta Ebnother mit Musik von Schostakowitsch und Janáĉek. Das Ballett handelt zwar nicht von Müntzer, aber es spielt vor Müntzer und seiner Welt der Schrecken, Visionen und elendig zu Grunde gehenden Träumen. Die Vorstellung ist restlos ausverkauft. Tübkes gemaltes Welt-Theater strahlt im abendlichen Glanz – Müntzer ist allgegenwärtig, auch wenn viele Besucher sich vielleicht nur schwach erinnern.

Kleine Beispiele, nichts Großes.
Aber dann ein Buch, eine Erzählung, eine revolutionäre Phantasie – Volker Braun hat sie geschrieben, 2011 schon veröffentlicht, liest sie öffentlich aber auch gerade jetzt an vielen Orten: DIE HELLEN HAUFEN. Und in der Mitte dieser Geschichte von einem Aufstand unserer Zeit, der nicht stattgefunden hat, mischt sich dann plötzlich eine Figur ein, die wir gut zu kennen meinen: MINTZER genannt, der in Wirklichkeit MÜNTZER ist.


Zurück zu den Anfängen der Menschheit

Können Sie sich vorstellen, vor den Zeugnissen von Menschen zu stehen, die vor ca. 350.000 Jahren gelebt haben? Ich hatte heute Gelegenheit, in der Ausgrabungsstätte im Nordthüringischen Bilzingsleben vor Knochenfragmenten und Werkzeugen von Menschen, genannt homo erectus bilzinglebensis, zu stehen. Dieser Ort war die erste Station meiner aktuellen thüringischen Wahlkreiswoche – gefolgt von der Wasserburg Heldrungen und Gesprächen am Fundort der Arche Nebra.

Gemeinsam mit meiner Kollegin Birgit Klaubert und organisiert vom Ressort Kultur der LINKEN im Thüringer Landtag durch Steffen Kachel, hatte ich Gelegenheit, die Ausgrabungsstätte zu besuchen und interessante Gespräche mit Prof. Dietrich Mania (oben, links im Bild), dem Leiter der Ausgrabungsstätte von den Anfängen bis zum Jahr 2003 und Dr. Sven Ostritz (unten, links im Bild), dem Präsidenten der Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Thüringen zu führen. Um den homo erectus von Bilzingsleben wird ein wissenschaftlicher Streit geführt, denn die Auffassung, dass dies eine einzigartige Stelle frühen menschlichen kultischen Handelns ist, wird von vielen, aber nicht allen Wissenschaftlern geteilt. Prof. Mania, ein glühender Verfechter dieser Theorie erläuterte seine entsprechenden Schlussfolgerungen, insbesondere die Anordnung und die Ausgestaltung einer Fläche mit Knochen und Steinen spricht aus seiner Sicht für diese Theorie. Ausgerechnet sein Nachfolger, Prof. Dr. Pasda, der heute nicht anwesend war, widerspricht dieser Auffassung. Und dadurch wird die gesamte Entwicklung in Bilzingsleben gelähmt.

Denn egal ob erste Kultstätte oder nicht: hier in diesem kleinen Dorf in Nordthüringen sind einzigartige Zeugnisse aus den Anfängen der Menschheitsgeschichte präsent. Und um deren Präsentation und touristische Entwicklung ging es in einer nachfolgenden Gesprächsrunde. Ich finde den Konzeptvorschlag von Dr. Ostritz sehr interessant, der unter dem Titel „Spuren der Eiszeit“ eine Verknüpfung und gemeinsame Vermarktung entsprechender thüringischer Ausgrabungsstätten vorschlug. Dies könnte sogar zur Verleihung eines europäischen Gütesiegels führen. Allerdings sind davor auch in Bilzingsleben, im Kreis Sömmerda und im Land noch einige Hausaufgaben zu erledigen, insbesondere die Bildung eines Trägers für die Ausgrabungsstätte, der gegenüber Fördermittelgebern und Sponsoren als kompetenter und legitimierter Ansprechpartner auftreten kann.

Begleitet wurde unser Besuch von einem Team des MDR-Fernsehens. Am Abend lief dann im MDR Thüringen Journal ein ausführlicher Bericht über Ausgrabungsstätte und die Pläne für eine bessere Vermarktung.

Die zweite Station war die Wasserburg und Feste Heldrungen. Heute eine Jugendherberge, spielte diese Burg gegen Ende der Bauernkriege eine wichtige Rolle: vor seinem Tod war Thomas Müntzer hier eingekerkert und gefoltert worden. An diesem geschichtsträchtigen Ort wird Kindern und Jugendlichen die Gelegenheit gegeben, sich mit dem Mittelalter auseinandersetzen, erläuterte uns Herr Kraft, der „Herbergsvater“.

Das ist wichtig und richtig. In Rollenspielen, mit Bildungsangeboten aber auch mit Spaß und Bogenschießen erleben sie dieses Zeitalter in einem mittelalterlichen Umfeld: Rittersaal, Gewölbekeller und Müntzer-Gedenkstätte – eine Jugendherberge mit Anspruch und hohem Freizeitcharakter. Schön, dass diese jetzt mit Landes- und Bundesmitteln renoviert und bis 2015 auf den aktuellen Wohn- und Sanitärstandard gebracht wird.

Dritte und letzte Station war die Präsentationsstätte Arche Nebra im Sachsen-Anhaltinischen Kleinwangen. Hier gelingt aus meiner Sicht etwas Außerordentliches: ohne den archäologischen Sensationsfund der Himmelsscheibe im Original sehen zu können, kommen pro Jahr ca. 60.000 Besucher, um sich über die Scheibe zu informieren bzw. ihren Fundort zu besichtigen. Frau Börner, pädagogische Leiterin der Präsentationsstätte, erläuterte aus ihrer Sicht die wesentlichen Gründe: Verknüpfung der Arche Nebra mit weiteren archäologischen Ausgrabungspunkten zu der Marke „Himmelswege“, der starken Verbundenheit mit der Region und der Entwicklung vielfältiger museumspädagogischer Aktivitäten für Jung UND Alt rund um die Himmelsscheibe. So werde sogar die Natur rund um die Fundstelle einbezogen, ein pensionierter Forstbeamter bietet naturpädagogische Spaziergänge und Wanderungen an.

Ein Wermutstropfen ist jedoch die prekäre Beschäftigung der meisten Mitarbeiter der Arche Nebra: Servicepersonal über eine Zeitarbeitsfirma, thematische Führungen mit „freien MitarbeiterInnen“, die zwischen 10 € für eine halbstündige und 40 € für eine 2,5 stündige Führung erhalten. Das gibt dem durchaus vorhandenen wirtschaftlichem Erfolg der „Arche Nebra GmbH“ – sie finanziert sich allein aus Eintrittsgeldern und kommt ohne Fördermittel aus – einen etwas fahlen Beigeschmack. Besonders pikant: die GESA mbH, eine Beschäftigungsgesellschaft des zuständigen Kreises, hält 10 Prozent der Anteile (!). Es ist wie so oft in der „Kreativwirtschaft“: die „Kreativen“ leisten ihren „Beitrag“ zum Erfolg durch geringe Löhne. In diesem Fall durch die GESA offensichtlich geplant und gewollt.

Dennoch, eines ist mir auch in Kleinwangen wieder klar geworden: mit einem schlüssigen Gesamtkonzept, umgesetzt von engagierten und fähigen MitarbeiterInnen können in der heutigen Zeit auch archäologische Fundstätten oder historische Bauwerke erfolgreich sein – ich hoffe, in der Zukunft auch mit existenzsichernder Bezahlung der Beschäftigten.


Wir müssen Religionen verstehen

Das war Motto und zugleich Fazit meiner Veranstaltung gestern Abend in Weimar. In kleinem aber feinem Kreis lebte an Goethes Wirkungsstätte der Geist des „West-Östlichen Divans“ wieder auf:

„Herrlich ist der Orient
übers Mittelmeer gedrungen
Nur wer Hafis liebt und kennt,
weiß was Calderon gesungen.

Wer sich selbst und andre kennt
Wird auch hier erkennen
Orient und Okzident
sind nicht mehr zu trennen.“

Zur Vorgeschichte dieser Veranstaltung:

Vom 16. bis 21. September reiste ich mit dem Unterausschuss Auswärtige Kulturpolitik nach Marokko und Tunesien. Hintergrund waren Appelle tunesischer Künstler, die auf ihre Situation in der gegenwärtigen Umbruchsphase in ihrem Heimatland aufmerksam machen wollten. Die Reise fand unter schwierigen Vorzeichen statt: nach der Attacke auf die amerikanische Botschaft, die ihrerseits auf den unseligen Film zurückzuführen war, der, im Namen der Meinungsfreiheit religiöse Gefühle verletzend,  Mohammed karikiert. Um die Lage in Tunesien, einem „Land des Arabischen Frühlings“ besser in ihrem regionalen Kontext vergleichen zu können, hatten wir uns entschlossen, auch Marokko zu besuchen, das sich auf einem „Dritten Weg“ sieht, einem Weg zur repräsentativen Monarchie mit arabischem Antlitz.

Wegen der offensichtlichen Aktualität des Themas hatte mein Kreisverband Apolda-Weimar mich gebeten, von dieser Reise zu berichten. Also las ich an einem verschneiten Weimarer Oktoberabend im gemütlichen Gewölbekeller der Stadtbücherei aus meinen Tagebüchern über eine doch oft für uns nur schwer vorstellbare Welt (siehe Tagebücher). Auch im Publikum war dieser „andere“ Kulturkreis vertreten.  Dass unsere Welten historisch zusammengehören, dass Orient und Okzident zusammenkommen können und müssen, war jedoch beeindruckender Konsens unserer anschließenden Diskussion. Wichtige Fragen des Meinungsaustauschs waren die nach dem innewohnenden Toleranzgedanken des Islam versus radikale Strömungen wie auch nach dem Reformationsbedarf bzw. der Reformierbarkeit von Religionen im Allgemeinen. Was ist der Weg zum Frieden und die Gegenidee zur Formierung neuer „Blöcke“ in der Welt? Unsere gestrige „Diskussionsgemeinschaft“ war mit mir der Meinung, dass der Weg zum Verständnis (anderer) Religionen und Kulturen nur auf dem Kennenlernen, der Kenntnisaneignung beruhen kann. Um zu verstehen, können wir nicht aus der Position der Ignoranz heraus agieren: dies betrifft sowohl das Lernen über fremde Kulturen und Religionen wie auch das Hineinfühlen in Religiosität überhaupt.

Von Weimar, in dem mit Goethes „West-Östlichen Divan“ schon einmal auf diese Notwendigkeit und bereichernde Chance hingewiesen wurde, das mit seiner einzigartigen Geschichte aber auch an die Schrecken einer Welt der Ignoranz und Intoleranz erinnert, sollte in dieser Hinsicht ein Signal ausgehen – darin waren sich die Anwesenden einig und wir verließen den Raum mit dem Gefühl, von hier aus vielleicht Zukunft zu gestalten.


Tag der Soziokultur 2012

Am 18. Oktober 2012 fand bundesweit der 2. Tag der Soziokultur statt. Ich unterstütze die Initiative meiner Kollegin aus dem Thüringer Landtag, Dr. Birgit Klaubert, die dazu erklärt hatte: „Soziokulturelle Akteure leisten einen unermesslichen Beitrag für unsere Gesellschaft. Soziokultur fördert Toleranz, vermittelt Bildung, Kultur und stattet vor allem auch Kinder und Jugendliche mit Werkzeugen für eine aktive Teilnahme an gesellschaftlichen Prozessen aus“. Deshalb sollte auf Landes- und kommunaler Ebene insbesondere Planungssicherheit hergestellt werden. Gemeinsam mit meiner Kollegin Klaubert möchte ich diesen Tag zum Anlass nehmen, den vielen Kultur- und Kunstinitiativen zu danken, die zum Teil nicht nur mit viel Engagement sondern auch mit viel eigenem Geld unsere Kulturlandschaft bereichern.

Informationen zu bundesweiten Aktionen finden Sie unter tag-der-soziokultur.de, die Pressemitteilung von Frau Dr. Klaubert können Sie [HIER] nachlesen.


Besuchergruppe aus Thüringen

Auf meine Einladung hin besuchten in dieser Woche wieder interessierte BürgerInnen, GewerkschafterInnen und Kulturinteressierte drei Tage lang die Bundeshauptstadt und den Reichstag. Ein umfangreiches Programm erwartete die Besucher aus Bad Salzungen, Erfurt und Weimar: Besuch im Reichstag und im Plenarsaal, Gesprächstermine im Gesundheitsministerium und beim Europäischen Parlament sowie eine Besichtigung im ehemaligen RIAS-Gebäude beim Deutschlandradio und im Berliner Technikmuseum. Bei einer abendlichen Fahrt auf der Spree durch das beleuchtete Berlin hatten die Gäste dann auch Gelegenheit, mal richtig zu entspannen.

Einen ganz besonderen Besuchstermin gab es aber am Nachmittag des ersten Tages: Ein Besuch im Antikriegsmuseum im Berliner Wedding.

Ausgangspunkt dieses kleinen Museums ist die private Initiative eines Berliner Pazifisten, Ernst Friedrich. Friedrich, der sich bereits im 1. Weltkrieg gegen Militarismus und Aufrüstung engagiert hatte, schrieb Anfang der 20er Jahre das vielbeachtete Buch „Krieg dem Kriege“, das mit erschütternden Bildern verstümmelter und getöteter Soldaten das Leid und das Elend des Krieges dokumentierte. Vom Verkaufserlös eröffnete er 1925 das „Erste Internationale Anti-Kriegs-Museum“. Friedrich wurde mehrfach verhaftet, die Nazis verwüsteten 1933 sein Museum und er floh mit seiner Familie über Belgien und Frankreich.
Nach dem Krieg setzte Friedrich seine pazifistische Arbeit zunächst in Frankreich fort, erst 1982 (15 Jahre nach seinem Tod) konnte das „Antikriegsmuseum“ in Berlin wieder eröffnet werden. Heute wird es von seinem Enkel, Tommy Spree, geleitet.

Es ist ein kleines Museum der leisen Töne, das sehr individuell und mit persönlichen Ausstellungsstücken an Kriegsleid und -elend erinnert. In einem ehemaligen Schutzraum im Keller des Museums erinnerten sich die ältesten Teilnehmer der Fahrt noch einmal an ihre persönlichen Kriegserlebnisse, auch wenn die meisten damals noch Kinder waren. Viele nachdenkliche Gespräche wurden nach diesem Besuch geführt – und ich möchte nicht versäumen, Ihnen einen Besuch in der Brüsseler Straße 21 nahe zu legen.

Mehr Informationen zum Museum unter: www.antikriegsmuseum.de


Eine „Straße der Menschenrechte“ soll auch in Thüringen entstehen

Die Idee einer „Straße der Menschenrechte“ geht auf eine Initiative von Prof. Volkhard Knigge, Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, und Stephan Märki, ehemaliger Generalintendant des Deutschen Nationaltheaters Weimar zurück. Aus ihrer Sicht verfügt Thüringen über eine hohe Dichte von Orten, an denen die Menschenrechte verletzt, aber auch die Demokratie verteidigt wurde. Die Idee, diese Orte mit einem ideellen Band zu verknüpfen, griffen in der Folge die Stadträte in Erfurt und Weimar auf und sprachen sich für die Einrichtung aus. Diese Idee finde ich hervorragend und unterstütze sie auch.

Lange Zeit geschah nichts, doch nun scheint es eine neue Initiative zur Umsetzung der Idee zu geben. Auf einer Podiumsdiskussion an einem möglichen Ort an dieser Straße, dem Erinnerungsort Topf & Söhne in Erfurt (siehe Foto), versuchten aktive und potentielle Beteiligte die Machbarkeit auszuloten.

Es stellte sich schnell heraus, dass die unterschiedlichen Interessen und Anforderungen an das Projekt der beteiligten Diskutanten das eigentliche Problem der Umsetzung ist. Da war zum einen Bärbel Grönegres, Chefin der Thüringer-Tourismus-GmbH. Für sie steht die Vermarktung im Vordergrund und sie sieht „Probleme und neue Herausforderungen bei der Bewerbung negativ besetzter Orte“. Oder Jens-Christian Wagner, Leiter der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora der unbedingt „den Bildungs- oder Demokratiepolitischen Auftrag eines potentiellen Ortes“ zum Maßstab der Aufnahme in die Straße machen möchte. weiterlesen …


Nachtrag: Grundschüler aus Thüringen zu Besuch im Bundestag

Aus Anlass des Kindertages habe ich vorletzte Woche erstmals eine Grundschulklasse aus Weimar zu einem speziellen Bundestagsbesuch eingeladen. Die Viertklässler erkundeten bei einer besonderen Kinderführung den Reichstag und hatten anschließend bei Sonnenschein die Gelegenheit, sich auf der Wiese des Platzes der Republik auszutoben. Vorbereitet wurden die Grundschüler durch eine spezielle Schulstunde, die von meinem Erfurter Mitarbeiter entwickelt wurde. Hierbei lernen auch die Kleinen schon den Wert von Diskussionen und Beratungen zur friedlichen Meinungsfindung kennen.

Begleitet wurde die Schulklasse aus Weimar-Legefeld von Jugendlichen aus der Förderkreis JUL in Weimar und dem interkulturellen Zentrum für Bildung und Kommunikation, ebenfalls aus Weimar. Die jungen Leute hatten Gelegenheit, unseren Fraktionssaal kennenzulernen und wurden dort mit viel Humor über den Tagesablauf im Bundestag und den Weg der Gesetzgebung informiert. Sie waren überrascht, dass die Arbeit im Bundestag manchmal gar nicht so trocken ist, wie man meinen könnte.


Der Montag in Weimar

Gespräch beim „Kulturjournal Mittelthüringen“

Mein erster Termin gestern führte mich in ein wunderschönes altes Haus. In einer ehemaligen Mädchenschule hat die Weimarer Verlagsgesellschaft ihr Domizil gefunden. Die Gesellschaft gibt u.a. das „Kulturjournal Mittelthüringen“ heraus und ich hatte Gelegenheit, mit dem Verlagschef, Michael Maaß und der Lektorin, Julia Roßberg, ein Gespräch zu führen. Im wunderschönen Ambiente der mit dunklem Holz vertäfelten Räume (dem ehemaligen Speisesaal der Schule) tauschten wir uns über die Kulturpolitik des Bundes und des Landes aus. Auch über die Akzeptanz von Büchern sprachen wir. Natürlich wird immer noch gelesen, allerdings haben sich neue Formen der Rezeption entwickelt: Audiobücher und digitale Bücher machen dem klassischen Papierbuch nicht nur Konkurrenz, sondern ergänzen sie. Die Akzeptanz hängt stark mit der gesellschaftlichen Stellung zusammen. Während es durchaus gelingt, das geschriebene Wort über viele Medien zu den LeserInnen zu bringen, gibt es gesellschaftliche Schichten, denen dieser Zugang immer mehr verwehrt bleibt. Hier ist Politik gefordert, zu helfen, diese Barrieren zu überwinden.
Ich finde, das Kulturjournal ist eine hervorragende Zeitung, die leider mit der unterschiedlichen Akzeptanz ihrer Herausgeber zu kämpfen hat. Die Städte Erfurt, Weimar, Jena und der Kreis Weimarer Land, die diese Zeitung gemeinsam verantworten, gehen offenbar sehr unterschiedlich mit „ihrem“ Blatt um. Ich werde dieses Problem ansprechen, wenn ich mit diesen Kommunen ins Gespräch komme.
Neben der Situation der gut ausgebildeten Thüringer KünstlerInnen, die sich anschließend für ein Butterbrot in der Kulturbranche verdingen müssen, diskutierten wir am Ende noch die Rolle eines „Kulturbotschafters“ für Thüringen, und welche LandespolitikerInnen sich als solche verstehen. Hier ist durchaus auch DIE LINKE gefordert.


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