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Zu Gast in Worpswede

Am Samstag besuchte ich gemeinsam mit meinem Fraktionskollegen Herbert Behrens die Große Kunstschau und die Worpsweder Kunsthalle. Am Nachmittag diskutierten wir in einem „Werkstattgespräch“ mit Vertretern der Worpsweder Kulturszene.


Die Kulturwirtschaft boomt. Doch nur ein Bruchteil der Gewinne landet bei den Kreativen, viele leben am Existenzminimum. Die Kreativen in unserem Land geraten in eine gefährliche Situation, konstatierte ich im Werkstattgespräch. Die ohnehin miserable Bezahlung sinkt weiter. Junge Leute in der Kreativwirtschaft werden häufig ausgepresst und mit 40 in die Wüste geschickt. Das jährliche Durchschnittseinkommen liegt bei 14.140 Euro. Zum Vergleich: Ein junger Automobilbauer verdient 23.000 Euro im Jahr.

Der Worpsweder Maler und Landesvorsitzende des Niedersächsischen Bundes Bildender Künstler (BBK), Erhard Kalina, mahnte die Umsetzung der 2007 von Deutschland ratifizierten UNESCO-Konvention zur kulturellen Vielfalt an. Da steckt auch für mich der Schlüssel staatlicher Verantwortung, stimmte ich ihm zu. Deutschland ist eine Kulturnation. Dazu sollte sich die Politik bekennen. Anstelle des im Kanzleramt angesiedelten Staatsministers für Kultur fordert unsere Fraktion ein Kulturministerium. Zudem muss das „Staatsziel Kultur“ im Grundgesetz verankert werden. Dass dieses möglich ist, zeigen andere europäische Staaten wie Spanien, Polen und die Schweiz. Dort hat es einen Bewusstseinswandel gegeben, nachdem der Kultur Verfassungsrang eingeräumt worden ist.

Laut Kalina gibt es einen „unwahrscheinlich großen Strauß an Fehlentwicklungen“, etwa beim Folgerecht, dem Urheberrecht, der Umsatzsteuer oder der Förderung. „Bildende Künstler fallen aus dem ganzen Förderprogramm heraus.“ Die fehlende Finanzierung „macht es schwierig oder unmöglich, zu experimentieren oder etwas Neues zu versuchen“. Viele Künstler lebten in „Selbstausbeutung“, könnten kaum fürs Alter vorsorgen und ihre Ateliers nicht halten.

Diskutiert wurde zudem, wie in der Bevölkerung größeres Interesse für Kunst und Kultur geweckt werden könnte. Ich meinte, dass das nur über Kinder und Jugendliche geht. Wenn man Kindern nicht mehr Worte und Geschichten gibt, dann vergreift man sich an ihrer Entwicklung. Derzeit werden Fächer wie Kunst und Musik in den Schulen reduziert und es gibt keine Kompensation im außerschulischen Bereich. Das Worpsweder Gemeinderatsmitglied Hans Ganten regte Initiativen von Unternehmen an, um auch Erwachsene für Kultur zu begeistern. Denkbar seien Besuche der Belegschaft von Museen oder Konzerten.

Am Vormittag hatten wir uns vom Vorsitzenden des Kuratoriums der Kulturstiftung des Landeskreises, Karl-Heinz Marg, in der Großen Kunstschau die Entwicklung des Ensembles an der Bergstraße erläutern lassen. Anschließend führte die Geschäftsführerin der Stiftung, Karen Hammer, durch die aktuelle Ausstellung mit Werken zum Paula-Modersohn-Becker-Kunstpreis.
Beim Besuch in der Worpsweder Kunsthalle ließen wir uns von Susanna Böhme-Netzel durch die Ausstellung mit Werken der New Yorker Künstlerin Josephine Meckseper führen.