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Lesen gegen das Vergessen

Heute fand wieder das „Lesen gegen das Vergessen“ auf dem Bebelplatz statt. Am 10. Mai 1933 war dieser Ort Hauptschauplatz der durch die Deutsche Studentenschaft geplanten und durchgeführten Bücherverbrennung. In Erinnerung daran veranstaltet DIE LINKE seit Jahren das „Lesen gegen das Vergessen“.
Ich habe das Gedicht „Exportgeschäft“ von Stefan Heym gelesen. Die Veröffentlichung seines ersten antimilitaristischen Gedichts 1931 in der „Volksstimme Chemnitz“ führte zum Schulverweis für den 18Jährigen. Er hatte es als Reaktion auf die Nachricht, dass deutsche Reichswehroffiziere Instrukteure bei der chinesischen Kuomintang–Armee werden sollten, unter der Schulbank geschrieben.

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Der absolute Höhepunkt war Beate Klarsfelds Beitrag, die ein gerettetes  verbranntes Buch mitgebracht hat, dessen Geschichte kaum zu glauben ist.
In Göttingen bittet ein Professor, der mit Entsetzen die Bücherverbrennung durch seine Studenten erlebt, seinen Lieblingsschüler in SA-Uniform, ihm ein Buchexemplar aus der Glut zu retten. Dieses versenkte halb verbrannte Buch ist Stefan Zweigs Novellensammlung Amok. Er nimmt es mit in die Emigration nach Frankreich. Dort bittet ihn der Bürgermeister, der Kleinstadt in der er untergekommen ist, ihn nach Paris als Dolmetscher zu begleiten – zu einem Gespräch mit dem neuen deutschen Polizeichef.
Wer ist dies? Der frühere Lieblingsstudent aus Göttingen. Er heißt Knoche und ist in der Folgezeit verantwortlich für die Deportation von 44000 jüdischen Männern, Frauen und Kindern in die Konzentrationslager.
Als alter Herr übergibt der Göttinger Professor Beate und Serge Klarsfeld das halb verbrannte Buch zur Erinnerung. Und Beate Klarsfeld sagt: „Verbrannte Bücher können wir manchmal retten, meistens wiederherstellen – verbrannte Menschen nicht!“