Zum Menü zum Inhalt

„Einer der nie schwieg“ – Szenische Lesung zu Stefan Heym

Trotz schlechtem Wetters war das „Fest der LINKEN“ heute in der Kulturbrauerei im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg gut besucht. Gemeinsam mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung hatte die Bundestagsfraktion der LINKEN zur Auftaktveranstaltung zum 100-jährigen Geburtstag von Stefan Heym in das dortige „Palais“ eingeladen. Denn im April 2013 wäre der großartige Schriftsteller, Autor und Politiker Heym 100 Jahre alt geworden.

Auf der Bühne waren neben meinen KollegInnen Barbara Höll, Gesine Lötzsch und Jan Korte unsere Bundespräsidenten-Kandidatin Beate Klarsfeld, der Vorsitzende  Heinz Vietze und der Geschäftsführer Florian Weis der Rosa-Luxemburg-Stiftung. In einer szenischen Lesung von Franz Sodann haben wir Sequenzen aus Heyms Biographie, aus Gedichten, Romanen und Interviews vorgetragen.

Von der „Geburt“ des Stefan Heym auf dem Prager Hauptpostamt, auf dem der 20 jährige Helmut Flieg den Eltern eine Karte über seine gelungene Flucht schrieb und Rückantwort an eben jenen „Stefan Heym, Prag“ erbat. Eine Flucht erzwungen wegen eines Gedichtes, das als „vaterlandsverräterisch“ und „antimilitaristisch“ gebrandmarkt worden war. 1935 ging Heym in die USA und kehrte am Kriegsende als „Sergeant für politische Kriegsführung“ nach Deutschland zurück. Beeindruckend: Beate Klarsfeld, die die (vergebliche) Hoffnung Heyms in dieser Zeit vortrug: „Von jetzt an, dachte ich, wird es keinen Faschismus mehr geben, keine Gewalttätigkeit…“

Seine Rückkehr nach (Ost-) Deutschland im Zuge der Kommunistenhatz in der McCarthy-Ära, seine auch hier beginnende Ächtung nach der Veröffentlichung des Romans „5 Tage im Juni“, sein Ausschluss aus dem Schriftstellerverband der DDR – all das wurde in Frage – Antwort Sequenzen durch die Mitwirkenden dargestellt.

Seine Redebeitrag auf der Großdemonstration am 04. November 1989 („Die Macht gehört nicht in die Hände eines einzelnen oder ein paar weniger oder eine Apparates oder einer Partei.“) wurde als Filmdokument eingespielt. Die Hetze gegen ihn, als er seine Kandidatur für ein Bundestagsmandat auf der offenen Liste der PDS verkündete, die (erfundenen) Vorwürfe am Vorabend seiner Rede als Alterspräsident im Deutschen Bundestag, er sei Stasispitzel gewesen – dargestellt in Briefen und Zeitdokumenten. Den Abschluss bildete ein Spaziergang Heyms am Meer – und seinem Gedicht „Ich aber ging über die Grenze“ von 1933, vorgetragen von Peter Sodann: „Dann stehe ich im Lande, das sich befreien will, mit einer Stirn, die zu Eis geworden in den Jahren,da ich wartete. Dann sind meine Augen hart, meine Stirn zerfurcht, aber mein Wort ist noch da, die Kraft meiner Sprache“.