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10. April 2013: Stefan Heyms 100. Geburtstag in Erfurt und Chemnitz

Zunächst war ich zu Gast bei der Ordinationsfeier in der Erfurter Neuen Synagoge. Dort wurden mit Alexander Nachama und Adrian Michael Schell zwei neue Rabbiner berufen, die die Gemeinden in Hameln und Dresden betreuen werden. Und mit Isidoro Abramowicz und Nikola David wurden zwei neue Kantoren in ihr Amt eingeführt.
Anschließend war ich mit Franz Sodann im Thüringer Landtag, wo die Linksfraktion unsere Szenische Lesung „Stefan Heym – Einer, der nie schwieg“ aufführte.

An Heyms 100. Geburtstag trugen wir Essays, Kolumnen, Gedichte und Geschichten von, aus Dokumenten über und aus Interviews mit Stefan Heym vor. Bodo Ramelow, der Thüringer Fraktionsvorsitzende sagte zur Begrüßung, soviel jüdisches Leben wie am heutigen Tag habe es seit langem in Erfurt nicht mehr gegeben. Stefan Heym hätte sich heute in der Thüringischen Landeshauptstadt sehr wohl gefühlt. Dem kann ich nur zustimmen.

Im gut gefüllten Foyer des Plenarsaals hatten sich neben Kunst- und Kulturinteressierten auch Abgeordnete mehrer Fraktionen eingefunden. Besonders gefreut habe ich mich über den Besuch des neuen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde in Thüringen, Dr. Reinhard Schramm und dem Leiter des Abraham-Geiger-Kollegs, Rabbiner Prof. Walter Homolka bei unserer Lesung.


Neben Franz Sodann und mir lasen:
Birgit Keller, Sabine Berninger, Dirk Möller, Kersten Steinke, Bodo Ramelow und Birgit Klaubert (v.l.)

Anschließend ging es für mich nach Chemnitz, wo am Abend der Stefan-Heym-Preis an Christoph Hein verliehen wurde. Die Laudatio hielt Ingo Schulze: „Christoph Hein ist ein Autor, den ich als Leser fast von Beginn an erlebt habe. Wenn ich nicht die erste Auflage hatte, dann die zweite oder dritte, aber ich denke, ich habe wohl jedes seiner Bücher gelesen. Auf jeden Fall muss darüber gesprochen werden, dass Heym und Hein zu jenen gehören, die in verschiedenen Systemen den Mund aufmachten, die sich nicht als Sieger eingerichtet haben, obwohl sie auf genug Meriten verweisen könnten“, würdigte er den Freund und Kollegen Christoph Hein.
Preisträger Hein erzählte: „Ich war sehr berührt, als ich erfahren habe, dass ich den  Stefan-Heym-Preis bekommen soll. Zunächst wegen des Autors Stefan Heym, den ich für sein Werk sehr bewundere. Seine Romane zum Beispiel sind von einer hohen Intellektualität und haben trotzdem immer einen unterhaltenden Punkt. Als zweites wegen seiner Haltung in der DDR, wo er mit großem Rückgrat und großem Vergnügen, manchmal mit List und Tücke mit den Verhältnissen umging. Es war das große Selbstbewusstsein, das ihm eigen und gerade in der DDR eine Tugend war. Und als drittes, weil ich ihn und seine Frau persönlich kennen lernen durfte und mich daran erinnere, wie wunderbar er vom Leben in den verschiedenen Staaten sprach, in denen er gelebt hatte.“