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Kultur-Diskussion in Meiningen am Sonntag

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Johannes Roesch vom Verein NEKST

In der Residenzstadt Meiningen war die erste öffentliche Diskussionsrunde der Sommertour geplant. Im Kunsthaus Meiningen ging es um die Frage: „Die Krise ist überall – wie kann die Kunst überleben?“ Gemeinsam mit meinem Kollegen Jens Petermann – der hier übrigens direkt gewählt wurde! – hatten wir uns interessante Gäste eingeladen: Ansgar Haag, den Doppelintendanten der Theater in Meiningen und Eisenach, Volker Kern, Museumsleiter und Stadtrat in Meiningen und Johannes Roesch vom Verein NEKST, der das Kunsthaus Meiningen betreibt.

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Ansgar Haag und Jens Petermann

Und wir bekamen Interessantes zu hören. Meine Eingangsfrage lautete, ob Meiningen nicht so etwas wie die Insel der Kulturglückseligkeit sei: ein Theater mit Orchester, ein Theatermuseum und eine freie Kunstinitiative, die erfolgreich und ohne staatliche Zuschüsse das Kunsthaus betreibt. Der Stadtrat Kern stellte diesen Eindruck schnell in Frage. Er beschrieb den Kampf und die Überzeugungsarbeit, die geleistet werden musste, bis die Stadt das Kunsthaus gekauft und dem Verein NEKST zur Verfügung gestellt hatte: „Am Schluss gab es im Stadtrat eine, sogar sehr knappe, Mehrheit dafür. Wir hatten eingesehen, das es Sinn macht, eine Immobilie zur Verfügung zu stellen, die dann von ehrenamtlichen Helfern und Künstlern mit Leben erfüllt wird. Und das ohne elementare städtische Hilfe.“

Johannes Roesch unterstrich diesen Anspruch: „Wir wollen zum Beispiel keine Heizung im Kunsthaus. Weil wir wissen, das wir dann die Grundkosten für das Haus nicht mehr aufbringen können.“

Ansgar Haag ging es mehr ums Grundsätzliche. „Solange die Kunst- und Kulturstätten in die Beliebigkeit der Kommunen gestellt bleiben, wird es immer Kultur nach Kassenlage geben“ stellte er fest und forderte an dieser Stelle eine Übernahme der Verantwortung durch die Länder. Und er beschrieb das gemeinsame Betreiben der Häuser in Meiningen und Eisenach nicht als Liebesakt sondern dem ökonomischen Druck geschuldet.

Jens Petermann stellte die Frage nach der Finanzierung der Kultur durch den Staat. Daran entbrannte eine lebhafte Diskussion um die Verantwortung der Gesellschaft und die Rolle der Kultur. „Deutschland liebt offenbar Schweinsteiger mehr als Schiller“ stellte Haag unter dem Applaus des Publikums nüchtern fest und wünschte sich mehr Möglichkeiten, Kunst und Kultur den Bürgern näher bringen zu können.

Nach mehr als zwei Stunden gingen die ZuhörerInnen zufrieden nach Hause. „Was tun Sie denn als Abgeordneten der LINKEN in Berlin für die Kultur?“ lautete die abschließende Frage aus dem Publikum. Das gab mir Gelegenheit auf unsere Anträge zum Soforthilfeprogramm für die Kultur hinzuweisen, der Initiative für das Staatsziel Kultur (die letztendlich an der SPD und ihrer Nibelungentreue zur großen Koalition scheiterte) und unserem aktuellen bemühen, DDR-Kunst, die sich in Bundesimmobilien befindet, zu retten. Dafür gab es den letzten Applaus des Abends.