Zum Menü zum Inhalt

„Erst brannten die Bücher, dann die Menschen und dann die ganze Welt“

SchülerInnen der Stoyschule Jena, Ralph Lenkert und Ruth Dorsch (Mitte)

Der 26. August 1933 war in Jena ein besonderer Tag. Es war der erste Jahrestag der Bildung einer national-sozialistisch geführten Landesregierung im Deutschen Reich. Und der sollte nicht nur mit Musik und Tanz sondern auch der mit der Verbrennung marxistisch-leninistischen Schriftgutes begangen werden. „Es herrschte Feststimmung auf den Straßen, den ganzen Tag“. So eindringlich schilderte die Zeitzeugin Ruth Dorsch heute die Ereignisse dieses Tages vor 80 Jahren in der ostthüringischen Stadt.

Aus Anlass dieses „Jahrestags“ hatten die LINKEN in Jena zu einer Gedenkveranstaltung auf den Markt eingeladen, an den Ort, an dem vor 80 Jahren die Bücher Kästners, Heines, Hemmingways und vieler Anderer ein Opfer der Flammen wurden. Mein Kollege Ralph Lenkert hatte die Veranstaltung mit einer kurzen Ansprache eröffnet. Er erinnerte daran, dass diese Bücherverbrenunngen nur der Anfang einer barbarischen Kulturvernichtung waren: „Erst brannten die Bücher, dann die Menschen und dann die ganze Welt“.

Ich versuchte anschließend die Hintergründe der Bücherverbrennungen offen zu legen. „Auch wenn in Jena nicht die Studentinnen und Studenten die treibende Kraft hinter dem Scheiterhaufen waren: Nicht überall waren braune Dumpfbacken am Werk sondern Teile der intellektuellen Elite des Reiches“ merkte ich an. Die Grundlage der Verbrennungen bildeten die sogenannten schwarzen Listen des Bibliothekars Wolfgang Herrmann. Seine Listen wurden ständig ergänzt. 1935 fanden sich schließlich 12.400 Titel darauf – und das Gesamtwerk von 149 Autorinnen und Autoren.

Dann verlas die oben zitierte Jenaer Bürgerin Ruth Dorsch mehrere zeitgenössische Zeitungsartikel und zeichnete ein Stimmungsbild dieses Tages. „Festumzüge auf den Jenaer Straßen und Plätzen, Tanz, Bier und Bratwurst – und dazwischen Bücherverbrennung: Was für eine grauenhafte Mischung!“ Sie endete mit einem Satz ihres Lieblingsdichters Heinrich Heine: „Wer Bücher verbrennt, verbrennt auch Menschen!“.

Schülerinnen und Schüler der Jenaer Stoyschule verlasen anschließend „Anti-Feuersprüche“ und holten dann symbolisch die verfemten Bücher aus dem Feuer zurück. Auch ich beteiligte mich daran und verlas folgenden Spruch: „Gegen bornierten Nationalismus und reaktionäre Aktivitäten, gegen Spießertum, Militarismus und Faschismus. Ich entnehme den Flammen die Schriften von Kurt Tucholsky, Carl von Ossietzky, Oscar Maria Graf und Ludwig Renn.“