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Neujahrsempfang in Weimar: Wie man NICHT Bundespräsident wird

Über 80 Gäste konnten meine Kollegin Gabi Zimmer, der Kreisvorsitzende der LINKEN Frank Lange und ich am Freitagabend im Mon Ami in Weimar begrüßen, darunter den OB der Stadt Weimar, Stefan Wolf. Die designierte Direktkandidatin für Erfurt/Weimar für den Bundestag, Karola Stange und meinen Kollegen Dirk Möller. Und natürlich Peter Sodann, der mit mir gemeinsam erzählte: Wie man NICHT Bundespräsident wird.

Zunächst konnte unser Publikum für seine vielleicht demnächst bevorstehende Kandidatur die eigene Motivation überprüfen. Man nehme z.B. diese von Peter Sodann: „Haste noch nicht gemacht – kannste ja mal machen!“ Oder für Liebhaber bissigerer Satire eher diese: „Meine erste Rede als Bundespräsident werde ich mit den Lügenversen beginnen: ‚Dunkel war’s, der Mond schien helle …‘. Damit sich die Leute gleich an die L ü g e gewöhnen – dann kann man nämlich sagen: Passt auf, da unten sitzen Leute, die die Lügenverse kennen!“ Hierzu schilderte ich meine erste Reaktion, als ich damals von Peters Kandidatur erfuhr: „Ist das nicht herrlich? Ein wirklicher S c h a u spieler als Bundespräsident, wo zu diesem Amt doch so viel Show gehört!“

Einmal von derlei gewichtigen Gründen zu einer Kandidatur bewogen, lasse man sich konsequenterweise von der LINKEN aufstellen. Und so kompromisslos, wie man dann zu seinem Schicksal als aussichtslose „Zählkandidatin“ steht, schlug ich nebenbei vor, solle die LINKE sich vielleicht bei der nächsten Wahl dazu bekennen, NICHT in eine Koalition zu gehen. Dieser ketzerische Ratschlag zusammen mit Peters Frage, ob die richtigen oder falschen Servietten vielleicht zum Erfolg einer Partei beitrügen, liefert sicher ernsthafte Denkanstöße, aber …

… zurück zum Bundespräsidentenwahlkampf und unserer letzten Zutat: Man provoziere die „öffentliche Meinung“ wie der Bewerber Peter Sodann, der während seiner Kandidatur 2008 die gegenwärtige bundesrepublikanische Demokratie als „schwächelnd“ bezeichnete. Er erklärte uns das gestern so: „Es ist wie wenn du zum Bäcker gehst und ein Vierpfundbrot kaufst und dann nur einen schmächtigen Zweipfünder in der Hand hältst.

Und der Bäcker sagt dir: ‚Das ist ein Vierpfundbrot. Es schwächelt nur etwas‘.“ In meinem Wahlkampf im Jahr 2010 konnte ich mich von der ungeschwächten Würzkraft dieser Ingredienz überzeugen, als ich mich weigerte, die DDR als „Unrechtsstaat“ zu bezeichnen, um mich nicht einem allgemein verabredeten Kampfbegriff zu unterwerfen. Ein junger SPIEGEL-Redakteur durchschaute mich damals aber sofort: ich wollte doch nur in die Medien kommen. Gelungen!

Solcherart gerüstet für die medialen Herausforderungen zukünftiger Kämpfe um das höchste Amt im Staate konnten wir nun alle zum gemütlichen Teil des Abends übergehen, uns also endlich ganz gehen lassen und ungehemmt dem der LINKEN eigenen Hang zur Ostalgie frönen: Peter Sodann erzählte zum allgemeinen Wohlgefallen „noch ein paar harmlose DDR-Witzchen“, vielen so vertraut, dass sie sie im Chor mit erzählten. Die DDR-Bürger hatten zu jeder ihrer oft prekären Alltagssituationen immerhin einen Witz parat, meinte er leicht wehmütig …

Lieber Peter, sicher ist dir inzwischen auch ein alter Witz über defizitäre Versorgung mit Getränken eingefallen und du lachst in Erinnerung an diesen schönen Abend.