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Kunst und Kultur waren für mich immer ein Lebenselixier

Mein Artikel aus der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „soziokultur“:

 

Politik war mein ganzes Leben hindurch zentrale Aufgabe. Allerdings jahrzehntelang als Journalistin, Autorin, Korrespondentin, Chefredakteurin. 2002 fragte mich die Linke, ob ich Interesse hätte, Politik aktiv mitzugestalten, als unabhängige Spitzenkandidatin in Hessen und 2005 dann auf der Landesliste Thüringens. Ich war mir nicht sicher, ob ich dafür geeignet wäre, aber der Versuch war es wert. Nach der gewonnenen Wahl 2005 übernahm ich mit großer Freude die Aufgabe der kulturpolitischen Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Bundestag. Kunst und Kultur waren für mich immer ein Lebenselixier, schon als Kind, vor allem während der schweren Nachkriegszeit. Nach dem Krieg gab es endlich wieder Theateraufführungen, Bibliotheken, Konzerte. Das bedeutete für uns damals neues Leben, Aufbruch. Kunst und Kultur kam in diesen Jahren eine besondere Bedeutung zu. Nach den Erfahrungen von Gewalt, Zerstörung und Diktatur konnte die wieder auflebende Kultur den Menschen helfen zu reflektieren, sie konnte Augen öffnen und Hoffnung machen. Kultur war damals – wie heute – Nahrung. Ein unverzichtbarer Grundbaustein der Daseinsvorsorge. Aber waren die Menschen in diesen Zeiten ausgehungert, so hört man heute, sie seien satt, übersatt. Hieß es noch in den siebziger Jahren, wir fordern „Kultur für alle“, so wird nun eine kulturelle Flutung, ein Übermaß an subventionierter Kultur diagnostiziert. Die kürzlich geführte öffentliche Debatte zum Thema „Kulturinfarkt“ warf ernsthaft die Frage auf, ob denn nicht auch die Hälfte der bestehenden kulturellen Einrichtungen genügen würden.

Ich sage: Nein, die Hälfte würde nicht genügen und auch das schon Bestehende ist noch lange nicht ausreichend. Wir brauchen mehr. Denn schauen wir auf die realen Zahlen, beträgt der Anteil der Kosten für Kulturförderung gerade einmal 1,7% am Gesamthaushalt, 0,3% am Bundeshaushalt. Deutschland – eine Kulturnation?

Der derzeitig stattfindende Raubbau an der kulturellen Infrastruktur in den Ländern und Kommunen lässt einen daran zweifeln. Die alarmierenden Berichte über die Finanznöte der Kommunen in Zeiten von Krise und Schuldenbremse muss zu einem „anti-zyklischen“ Handeln aufrütteln. Gerade jetzt brauchen wir Kultur als Mittel der Demokratie, der Toleranz, und des Austauschs. Denn real ist die Situation besonders in den sogenannten „strukturschwachen“ Ländern und Kommunen von leeren Kassen, hoher Arbeitslosigkeit, der Abwanderung junger Menschen und den Folgen des demografischen Wandels geprägt. Gerade im ländlichen Raum ist ein erschreckender Mangel an kulturellen Angeboten und Infrastruktur festzustellen. Hier muss es im Alltag der Menschen ein Gegengewicht zu rechten Kulturen und rechtem Gedankengut geben. Man muss nur Klaus Staeck zuhören, dem Präsidenten der Akademie der Künste Berlin-Brandenburg, der immer wieder mit einem Bus voller Bücher in die ländlichen Regionen des Ostens fährt und feststellt, dass dort, wo es keine Bibliotheken mehr gibt, rechte Vereinigungen diese übernehmen, wie auch die Jugendclubs. Wir dürfen den Rechten nicht einfach das Feld überlassen! Es muss eine umfassende Bildungskampagne auf den Weg gebracht werden, die kulturelle Bildung unserer Kinder muss einen ganz neuen Stellenwert erhalten, nur so können wir verhindern, dass junge Menschen den braunen Verführern zur Beute werden!

Wir müssen die freiwilligen Aufgaben der Kommunen sichern und das bürgerschaftliches Engagement in den Gemeinden unterstützen. Initiativen und Vereine, die sich aktiv gegen rechtes Gedankengut einsetzen, müssen z. B. durch Fonds unterstützt werden.

Ich werde mich auch in diesem Jahr für eine Aufstockung der Mittel für den Fonds Soziokultur und für die Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren einsetzen. Schon letztes Jahr forderten wir eine Erhöhung des Bundeszuschusses an den Fonds Soziokultur um mindestens 25%, entsprechend dem Vorschlag der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages „Kultur in Deutschland“. Darüber hinaus plädieren wir dafür, die Bundesvereinigung in die institutionelle Förderung aufzunehmen. Die Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren und der Fonds Soziokultur müssen endlich auf eine finanziell ausreichende Grundlage gestellt werden. Gerade diese vielfältigen Zentren sind Orte, wo Kultur in ihrer ganzen Breite angeboten und gelebt wird, interkulturell, generationenübergreifend und mit den Menschen vor Ort verbunden.

Ich bin davon überzeugt, kulturelle Vielfalt und die Künste sind unverzichtbar für eine lebendige Demokratie. Wir müssen günstige Rahmenbedingungen und Freiräume für ihre Entwicklung schaffen. Schon lange fordert DIE LINKE den Ausbau der kulturellen Bildung, wir treten für Kultur für alle von Anfang an ein. Kultur in den unterschiedlichsten Formen soll für möglichst jeden zugänglich sein. Ländliche Regionen müssen wieder attraktiver gemacht werden, die weniger werdende Kultur muss geschützt und unterstützt werden, denn ein Mehr für Kultur ist gerade jetzt eine Investition in eine demokratische Gesellschaft.